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Jan Heuerding lag am Dienstag nach der Entfernung seiner Mandeln in seinem Krankenhausbett mit Blick auf die Alpen, als zwei Männer mit medizinischen Masken sein Zimmer betraten. Der 14-Jährige wusste genau, wer sie waren.

Es waren Roman Josi und Nino Niederreiter, die Schweizer Stars der Nashville Predators, die einen Abend zuvor als Teil der NHL Global Series Challenge in der PostFinance Arena ein Vorbereitungsspiel gegen den SC Bern bestritten hatten.
Josi und Niederreiter sagten hallo, scherzten, unterschrieben Autogramme und schenkten Heuerding Schals des SC Bern und der Predators. Als sie an seinem Bett für ein gemeinsames Foto posierten, strahlte er.
"Das war etwas ganz Besonderes", freute sich Heuerding.
Seine Mutter Stephanie lachte nur: "Das bringt so viel Freude."
Als die Predators die Reise in Josis Heimatstadt Bern planten, fragten sie ihn, ob er etwas für die Gemeinschaft in Bern unternehmen wolle. Es war seine Idee, am Sonntag nach dem Training in der PostFinance Arena ein Training für Kinder abzuhalten und am Dienstag das Lindenhofspital zu besuchen.
Josi wurde am 1. Juni 1990 im Lindenhofspital geboren, wie sein Vater Peter wissen ließ, und wuchs weniger als drei Kilometer von der PostFinance Arena entfernt auf, wo er auf der Eisfläche unter freiem Himmel Schlittschuhlaufen lernte und bis zum Spieler des SC Bern aufstieg.

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Nachdem er so Vieles von seinem Rückkehr nach Hause mitgenommen hatte, zwei Flaschen Wein vom ehemaligen Präsidenten der Schweiz, Jubel und Begeisterung der Fans, Aufmerksamkeit von den Medien, wollte Josi etwas zurückgeben.
"Ich glaube, bei all dem Trubel war es für Nino und mich einfach wichtig, den Menschen etwas zurückzugeben und hoffentlich ein paar Kinder lächeln zu lassen", sagte Josi.
Josi und Niederreiter fanden dazu Zeit zwischen dem gemeinsamen Training mit der Mannschaft und dem Flug nach Prag, wo die Predators als Teil der NHL Global Series 2022 am Freitag und Samstag, jeweils um 20 Uhr, ihre ersten beiden Spiele der regulären Saison gegen die San Jose Sharks austragen werden.
Zuerst besuchten sie mit Geschenken der Predators und des SC Bern einen Raum voller Kinder, darunter Patienten und Kinder der Mitarbeiter des Spitals. Dann setzten sie ihre Masken auf und besuchten einzelne Patientenzimmer.
"Wir haben heute viele Kinder gesehen", sagte Josi. "Ich hoffe, sie haben sich gefreut. Bei den Preds lernt man, den Leuten etwas zurückzugeben und ich bin hier aufgewachsen, da war es wichtig für uns, uns in unserer kurzen Zeit hier in die Gemeinde einzubringen."
Niederreiter wuchs in Chur auf, etwa 200 Kilometer östlich von Bern. Aber auch für ihn hatte der Besuch eine besondere Bedeutung.
"Ich weiß genau, wie es sich anfühlt, im Krankenhaus zu liegen", betonte er.

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Niederreiter wurde mit 8 Jahren von einem Auto angefahren und verbrachte lange Zeit im Krankenhaus. Er wurde vier Mal an einem Ohr operiert, auf dem er nur 20 Prozent des normalen Hörvermögens hat, und er erinnert sich genau daran, wie er sich fühlte, als ein Clown Ballons brachte, um ihn aufzuheitern.
"Das muss man weitergeben", bestätigte er. "Es sind so viele Kinder im Krankenhaus, die sich wahrscheinlich gewünscht hätten, Teil dieses Events zu sein. Aber sie sind in einer anderen Situation und wir haben Glück, dass wir in unserer Situation sind, deshalb besuche ich immer gerne Krankenhäuser, um so etwas zurückzugeben."
Vor dem Besuch im Krankenhaus traf sich der Stürmer in der Arena spontan mit Nachwuchsspielern, wobei lauter Jubel durch die Gänge hallte.
"Sie sind großartige Eishockeyspieler, aber noch wichtiger: Sie sind großartige Menschen, klasse Jungs, bodenständig, bescheiden", schwärmte der ehemalige NHL-Verteidiger Mark Streit, der in Bern aufwuchs. "Für uns ist das wie Weihnachten."
"Wenn man eine Chance hat, die Jungs aus der Nähe zu sehen, davon träumt man nur. Und genau das brauchen wir, wir müssen uns im Eishockey alle darum bemühen, die NHL nach Europa zu bringen, das ist wichtig."
Es ist das Wichtigste.
Vor dem Spiel am Montag wurde Josis Bruder Yannick gefragt, was ihn am stolzesten auf seinen Bruder macht.
Roman hat mit dem SC Bern die Meisterschaft in der National League gewonnen, mit Nashville im Stanley Cup Finale gespielt und die Norris Trophy für den besten Verteidiger der NHL gewonnen. Er hat die meisten Assists (402) und Punkte (542) eines Schweizers in der NHL erzielt.

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Aber nichts davon ist das Wichtigste.
"Worauf ich am meisten stolz bin?", fragte Yannick. "Darauf, dass er immer noch der Gleiche ist, wie in unserer Jugend. Was er sportlich erreicht hat, ist unglaublich, aber er ist immer noch dieser nette Typ, das ist am wichtigsten. Er ist so entspannt, immer noch der Gleiche. Wenn ich in Bern mit Leuten spreche, die ihn kennen, sagen sie immer: 'Dein Bruder ist immer noch so nett, unterhält sich mit Jedem.' Das macht mich stolz."