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Die Lage der Liga zur All-Star-Pause

Zum Break Ende Januar Überraschungen, Enttäuschungen, Favoriten und mehr…

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Freier Autor

NHL.com/de beleuchtet jeden Dienstag der regulären Saison 2019/20 aktuelle Trends in der Liga und Storylines. In dieser Ausgabe geht es um die wichtigsten Erkenntnisse zur All-Star-Pause.

Am kommenden Wochenende legt die NHL die All-Star-Pause ein: Zwischen dem 23. und 26. sind für vier Tage keine Punktspiele angesetzt und die Teams haben ca. neun Tage frei, weil weniger Begegnungen angesetzt sind. Während die besten Spieler der Welt ihr Können beim All-Star Wochenende 2020 im Enterprise Center von St. Louis zeigen, haben sich viele andere Akteure für einen Kurzurlaub entschieden. NHL.com/de blickt auf die wichtigsten Erkenntnisse der laufenden Spielzeit zurück und wagt eine Prognose für die verbleibenden Spiele der regulären Saison 2019/20.

Die Überraschungen

In einer derart ausgeglichenen Liga wie der NHL kommt es jedes Jahr zu Überraschungen. Gemeint sind Teams, die vor der Saison kaum jemand auf dem Zettel hatte, nun aber weit oben in der Tabelle stehen. Das trifft vor allem auf die Columbus Blue Jackets zu. Trotz namhafter Abgänge im Sommer (Artemi Panarin, Sergei Bobrovsky) und zeitweise vieler Verletzter (Cam Atkinson, Zach Werenski, Nick Foligno, Sonny Milano, Oliver Bjorkstrand, Alexandre Texier, Joonas Korpisalo, …) sammelten die Blue Jackets schon 60 Punkte (26-16-8) und belegen den ersten Wildcard-Rang in der Eastern Conference. Ob sich Columbus dort halten kann, bleibt abzuwarten, immerhin treten sie in der starken Metropolitan Division an und auch die vielen Ausfälle könnten sich im Laufe einer langen Saison noch rächen.

 

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Auf Playoff-Kurs sind im Osten auch die Florida Panthers, die die Playoffs zuletzt drei Jahre in Folge verpasst hatten. Das Team aus Sunrise ist aber mit 59 Punkten (27-16-5) Dritter der Atlantic Division und hat mit Jonathan Huberdeau (18-46-64) einen absoluten Überflieger im Aufgebot.

In der Western Conference sind gleich mehrere Teams zu nennen. In der Central Division stehen die Dallas Stars mit 58 Punkten (27-17-4) auf Rang drei. Das Rückgrat der Texaner ist ein starkes und ausgeglichenes Goalie-Gespann mit Ben Bishop (2,28 Gegentore/Spiel, 92,7 Prozent Fangquote) und Anton Khudobin (2,30, 92,7 Prozent). In der Pacific Division geht es denkbar eng zu: Zwischen Platz 1 und 5 liegt nur ein einziger Punkt. Trotzdem ist es überraschend, dass ausgerechnet die Vancouver Canucks (1., 27-18-4)), Edmonton Oilers (2., 26-18-5), Calgary Flames (3., 26-19-5) und Arizona Coyotes (5., 26-20-5) voll im Playoff-Rennen mitmischen. Während die Chancen für Dallas gut stehen, müssen die angesprochenen Pacific-Teams noch mehr Konstanz nachweisen. Dass es alle vier Mannschaften schaffen, gilt als eher unwahrscheinlich.

Die Enttäuschungen

Wo es Überraschungen gibt, da gibt es natürlich auch Enttäuschungen. Einige Teams sind teilweise weit hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben und müssen trotz Playoff-Erwartungen im Vorfeld nun um eine Teilnahme an der Endrunde bangen. Das gilt im Westen für die San Jose Sharks (21-25-4) und Nashville Predators (22-18-7), die in den letzten Jahren Dauergäste in den Playoffs waren: Nur einmal in den letzten 15 Jahren schafften es die Sharks nicht unter die besten acht Teams der Western Conference. Die Predators qualifizierten sich fünfmal in Folge. Nun aber droht die vorzeitige Sommerpause. 

Bei San Jose blieben vor allem die Leistungsträger wie Brent Burns (Plus-Minus-Wert -23), Erik Karlsson (-16) oder Tomas Hertl (-19) hinter den Erwartungen zurück, zudem fehlt es an Tiefe und an einem sicheren Rückhalt zwischen den Pfosten, wo vor allem Starter Martin Jones bislang enttäuschte (3,22 Gegentore/Spiel, 89,1 Prozent Fangquote).

Bei Nashville entfalten vor allem die Stürmer noch zu wenig Durchschlagskraft. Der Top-Scorer ist mit dem Schweizer Roman Josi (14-34-48) ein Verteidiger. Von den klanghaften Offensivkräften Filip Forsberg (16-16-32), Matt Duchene (10-21-31), Ryan Johansen (10-17-27), Viktor Arvidsson (11-9-20) oder Mikael Granlund (8-8-16) muss mehr kommen. Wollen es Sharks und Predators noch in die Playoffs schaffen, muss nach der All-Star-Pause eine Leistungs-Explosion her.

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In der Eastern Conference hatten sich die Toronto Maple Leafs (25-17-7) deutlich mehr versprochen. Trotz eines namhaften Kaders fehlen den Kanadiern aktuell zwei Punkte auf einen Playoff-Platz. Toronto muss mehr Konstanz in die Leistungen bekommen, dann ist es durchaus zuzutrauen, dass die Endrunden-Qualifikation noch gelingt.

Das scheint bei den New Jersey Devils und den Detroit Red Wings eher unwahrscheinlich, gar unmöglich: Detroit (12-34-4) ist mit nur 28 Punkten das mit Abstand schlechteste Team der Liga. Dabei wollten die Red Wings im Sommer noch einen Angriff auf die Playoffs reiten. 

Gleiches gilt für die Devils (17-24-7), die den vorletzten Platz im Osten belegen. New Jerseys prominente Neuzugänge P.K. Subban (6-5-11) und Wayne Simmonds (5-14-19) oder Top-Draft-Pick Jack Hughes (6-11-17) lieferten bislang noch nicht wie erwartet ab. Red Wings und Devils werden sich den Traum von der Endrunde in diesem Jahr nicht erfüllen können.

Die Trainerwechsel

Große sportliche Enttäuschungen gehen meist einher mit Trainerentlassungen. So tauschten vier der oben angesprochenen Klubs bereits ihren Coach. Insgesamt gab es während der Saison 2019/20 bereits sieben Trainerwechsel. Als erster musste Mike Babcock in Toronto gehen, für ihn übernahm Sheldon Keefe. Danach wurde Geoff Ward als Interimslösung für Bill Peters in Calgary installiert. Alleine im Dezember 2019 gab es gleich drei Entlassungen: In New Jersey übernahm Alain Nasreddine für John Hynes, in Dallas Rick Bowness für Jim Montgomery und in San Jose Bob Boughner für Peter DeBoer - allesamt interimsmäßig. Im Januar zog Nashville die Reißleine, feuerte Peter Laviolette und installierte Hynes. Die Vegas Golden Knights entließen mit Gerard Gallant zum ersten Mal überhaupt einen Trainer. Der neue Mann DeBoer arbeitete zuvor ausgerechnet bei den Sharks, dem Erzrivalen.

Die Favoriten

Zu den ultimativen Favoriten auf den Stanley Cup zählen zur All-Star-Pause diese fünf Teams: Im Osten ist mit den Washington Capitals (33-11-5), Pittsburgh Penguins (31-13-5) und Boston Bruins (28-10-12) zu rechnen. Washington führt die gesamte Liga fast über die ganze Saison schon an und hat mit Alex Ovechkin einen Ausnahme-Torjäger (34-16-50). Pittsburgh schaffte es bislang, prominente Ausfälle (Sidney Crosby, Evgeni Malkin, Jake Guentzel) mit Kader-Tiefe zu kompensieren. Boston stellt mit David Pastrnak (37-33-70) den NHL-Top-Torjäger. Auf dem Rader haben sollte man auch noch die Tampa Bay Lightning (29-15-4) und New York Islanders (28-15-5). Tampa Bay kommt nach schwachem Start immer besser in Form und trägt dieses Jahr nicht den Rucksack des Top-Favoriten. Die Islanders haben mit Barry Trotz den Stanley Cup Sieger 2018 und Trainer des Jahres 2019 an der Bande stehen, der sein Team erneut gut eingestellt hat.

 

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Im Westen sind die St. Louis Blues (30-11-8) und Colorado Avalanche (28-15-6) als Favoriten zu nennen. St. Louis scheint nach dem Stanley Cup Sieg 2019 noch nicht satt und rückt den Capitals an der Ligaspitze auf die Pelle. Colorado genießt die Rolle des Geheimfavoriten, der aber mit viel Qualität an der Spitze sowie einer enormen Tiefe und mit einem starken deutschen Torwart Philipp Grubauer aufwarten kann. 

Spannung pur: Viele Aufholjagden - Jeder Punkt zählt

Was in dieser Saison auffällt ist die hohe Anzahl an erfolgreichen Comebacks: 18-mal schon konnte ein Drei-Tore-Rückstand noch in einen Sieg gedreht werden. Für den Zuschauer ist das enorm spannend, denn auch nach vermeintlich deutlichen Führungen kann sich kein Team mehr sicher sein.

Mehr denn je scheint außerdem jeder Punkt zu zählen. Frag nach in Boston, das trotz 22 Niederlagen die drittbeste Mannschaft in der NHL sind. Wie das möglich ist? Die Bruins verloren zwölfmal nach der regulären Spielzeit, sicherten sich also zumindest noch einen Punkt. Ohne diesen Bonus hätte der Vorjahres-Finalist zwölf Zähler weniger auf dem Punktekonto und wäre nicht auf einem Playoff-Platz positioniert. Wie wichtig jeder einzelne Punkt in der Endabrechnung sein kann, zeigt die Tabelle in der Pacific Division, wo den Ersten und Fünften nur ein einziger Zähler trennt. Es deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss an.

BRUINS GOAL

Aus deutschsprachiger Sicht

Aus deutschsprachiger Sicht dominierte vor allem der Deutsche Leon Draisaitl: Der Kölner in Diensten der Edmonton Oilers ist sogar der zweitbeste Scorer in der gesamten NHL (27-48-75). Die weiteren sechs deutschen Feldspieler Dominik Kahun (Pittsburgh, 10-17-27), Tobias Rieder (Calgary, 2-5-7), Tom Kühnhackl (Islanders, 3-3-6), Korbinian Holzer (Anaheim Ducks, 1-3-4), Nico Sturm (Minnesota Wild, 0-2-2) und Lean Bergmann (San Jose, 0-1-1) konnten allesamt schon punkten.

Grubauer (Colorado, 14-10-4; 2,82, 91 Prozent) und Thomas Greiss (NY Islanders, 13-7-1, 2,45, 92,3 Prozent) füllen ihre Rollen bei ihren Teams gut aus, auch wenn beide schon einen Durchhänger verzeichneten, sich zuletzt aber verbessert zeigten.

 

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Die beiden Österreicher Michael Raffl (Philadelpha Flyers, 5-7-12) und Michael Grabner (Arizona, 8-3-11) kommen in ihren Klubs regelmäßig zum Einsatz.

Den größten deutschsprachigen Anteil in der NHL stellen insgesamt 13 Schweizer. In Sachen Punkteausbeute führt Josi (Nashville, 14-34-48) vor Timo Meier (San Jose, 16-15-31), Nico Hischier (New Jersey, 12-17-29), Kevin Fiala (Minnesota, 9-18-27), Nino Niederreiter (Carolina Hurricanes, 6-16-22), Denis Malgin (Florida, 4-6-10), Jonas Siegenthaler (Washington, 2-7-9), Gaetan Haas (Edmonton, 4-4-8), Luca Sbisa (Winnipeg Jets, 2-6-8), Dean Kukan (Columbus, 1-4-5), Yannick Weber (Nashville, 0-2--), Sven Bärtschi (Vancouver, 0-2-2) und Mirco Müller (New Jersey, 1-0-1).

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