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Kanada hat dem immensen Erwartungsdruck bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 beim Eishockeyturnier der Männer auf beeindruckende Weise standgehalten und das Finale am Sonntag (14:10 Uhr MEZ) erreicht. In einem spektakulären und hochklassigen Halbfinale setzte sich der Favorit gegen aufopferungsvoll kämpfende Finnen in der Santaguilia Arena mit einer gehörigen Portion Glück, letztlich aber verdient mit 3:2 durch.

Der siegbringende Treffer gelang Nathan MacKinnon, der in der NHL für die Colorado Avalanche aktiv ist, 36 Sekunden vor Spielende in Überzahl. Auch eine anschließende Challenge der Finnen, die eine mögliche Abseitsposition überprüfen ließen, konnte den Treffer nicht mehr verhindern. Es war eine hauchdünne Entscheidung!

Obwohl das Spiel bis zur letzten Sekunde hart umkämpft und spannend blieb, war der Erfolg der Kanadier verdient. Das Torschussverhältnis sprach mit 39:17 eine deutliche Sprache. Kanada hielt dem enormen öffentlichen Druck in Mailand bislang eindrucksvoll stand.

Finnlands starker Beginn sorgt für Spannung

Die bärenstarke Leistung der Finnen besonders zu Beginn wurde am Ende nicht belohnt. Durch Treffer von Mikko Rantanen (17., Powerplay) und Erik Haula (24., Unterzahl) hatte der Außenseiter zwischenzeitlich mit 2:0 geführt.

„Sie sind gut gestartet und haben direkt zwei Tore gemacht. Das hat ihnen natürlich in die Karten gespielt“, analysierte Shootingstar Macklin Celebrini nach der Partie.

Im Spielverlauf nahm der Druck der Kanadier auf das von Juuse Saros gehütete Tor jedoch stetig zu. Dass Finnland dennoch bis wenige Sekunden vor Schluss ein Unentschieden halten konnte, war Ausdruck des enormen Teamgeists der Skandinavier. Kanada glich durch Sam Reinhart (35., Powerplay) und Shea Theodore (51.) aus und schnürte den Gegner in der Schlussphase immer stärker ein.

Für Finnland blieb am Ende nur der Trostpreis: das Spiel um die Bronzemedaille am Samstag (20:40 Uhr MEZ) gegen den Verlierer des zweiten Halbfinals zwischen den USA und der Slowakei. Der couragierte Auftritt hätte beinahe für die große Überraschung gereicht.

Kanadas Powerplay entscheidet die Partie

Entscheidend war letztlich das Überzahlspiel der Nordamerikaner — ein Punkt, an dem das Team intensiv gearbeitet hatte. „Wir haben zuletzt sehr viel über unser Powerplay gesprochen und es trainiert. Wir wollten genau in diesen wichtigen Momenten damit erfolgreich sein“, erklärte Connor McDavid, der in der NHL für die Edmonton Oilers aktiv ist.

Der Superstar betonte die notwendige Abstimmung: „Du musst natürlich immer wissen, wer in welchen Situationen wo steht. Da muss man sich erst aufeinander einstimmen und einspielen.“

Dass die Kanadier über enorme Qualität verfügen, steht außer Frage. „Wir sind in unserer Powerplayformation natürlich gut besetzt, jeder von uns kann Tore machen, aber es braucht eben Übung, damit es dann auch im entscheidenden Moment wirklich gut funktioniert“, so McDavid weiter.

Die Nervenprobe blieb jedoch bis zum Schluss bestehen. „Natürlich haben wir uns sehr über das Siegtor gefreut, aber es war noch einmal ganz schön nervenzehrend, als sie die Challenge genommen haben“, gab Celebrini zu, dessen Schlittschuh die Blaue Linie noch minimal berührt hatte, als der Puck ins Angriffsdrittel kam. „Natürlich war ich dann erleichtert, als das Tor Bestand hatte. Es war auf jeden Fall eine enge Entscheidung.“

Auch Torschütze MacKinnon selbst war unsicher: „Ich hatte auf dem Eis für die Challenge kein richtiges Gefühl. Mir war klar, dass es eine enge Entscheidung sein würde. Selbstverständlich habe ich mich gefreut, als der Treffer gegeben wurde.“

Favorit wankt, fällt aber nicht

Kanada bewies damit erneut seine Comeback-Qualitäten. Schon im Viertelfinale musste das Team all seine Kräfte mobilisieren, ehe Tschechien mit 4:3 nach Verlängerung bezwungen werden konnte. Zweimal geriet der Goldfavorit zuletzt ins Wanken — gefallen ist er jedoch nicht.

Trainer Jon Cooper zeigte sich entsprechend zufrieden: „Das war eine tolle Mannschaftsleistung heute. Am Ende haben wir uns für unseren Aufwand belohnt.“

Dass die K.-o.-Spiele so eng verlaufen, überrascht den Coach nicht: „Unsere Gruppe kann mit dem Druck umgehen. Für mich war es nicht überraschend, dass die Spiele gegen Tschechien und Finnland so eng waren. Da sind eben auch Weltklasseleute auf der anderen Seite.“

McDavid ordnete die knappen Ergebnisse ebenfalls ein: „Die letzten beiden Spiele waren sehr eng. Aber das ist nicht überraschend, wenn hier die besten Spieler der Welt gegeneinander antreten. Die Qualität des Eishockeys ist herausragend.“

Bemerkenswert: Kanada musste im Halbfinale den Ausfall von Kapitän Sidney Crosby verkraften, der nach einer Verletzung aus dem zweiten Drittel im Viertelfinale nicht rechtzeitig fit wurde. McDavid, der das „C“ stellvertretend trug, machte deutlich, wie wichtig der Routinier bleibt: „Das C des Kapitäns auf dem Trikot getragen zu haben, bedeutet mir viel, aber ich halte es ja nur für Sidney warm. Wir hoffen alle immer noch auf einen Einsatz von ihm am Sonntag.“

Auch Celebrini bestätigte: „Natürlich haben wir Sidney vermisst. Er ist ja nicht ohne Grund unser Kapitän. Wir alle hoffen, dass er im Finale wieder spielen kann.“

Vorfreude auf das große Finale

Unterm Strich steht ein verdienter, wenn auch hart erkämpfter Finaleinzug für Team Canada. Die Mannschaft spielte in Mailand bislang Eishockey auf höchstem Niveau und wurde ihrem eigenen Anspruch gerecht. Gleichzeitig profitierten die Kanadier in den bisherigen K.o.-Spielen von Gegnern, die ihnen bis zum Schluss alles abverlangten — genau die Art von Prüfungen, die große Teams auf dem Weg zum Titel bestehen müssen.

Oder, wie Cooper es formulierte: „Man muss die Spiele immer erst spielen. Heute hat es geklappt.“

McDavid selbst denkt noch nicht zu weit voraus: „Über das Finale habe ich noch nicht nachgedacht. Dafür war ich viel zu sehr mit den aktuellen Spielen beschäftigt. Die Spiele sind so eng, da muss man ganz im Moment leben.“

Eines steht jedoch schon jetzt fest: Nach zwei dramatischen K.-o.-Spielen reist Kanada mit breiter Brust ins Endspiel — und die Eishockeywelt darf sich auf ein hochklassiges olympisches Finale freuen.

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