Eine Finalserie voller Wendungen
Die ersten beiden Begegnungen waren ein Spiegelbild dessen, was die Stanley Cup Playoffs so faszinierend macht. In Spiel 1 verspielten die Hurricanes eine schnelle 2:0-Führung und verloren mit 4:5, nachdem Tomas Hertl wenige Minuten vor Schluss den Siegtreffer für Vegas erzielen konnte. Zwei Tage später drehten die Rollen sich um: Diesmal lagen die Golden Knights im dritten Drittel mit 2:0 vorne, ehe Carolina zurückkam und durch Seth Jarvis in der Verlängerung mit dem 4:3 den Ausgleich in der Serie sicherte.
Damit schreiben beide Teams bereits Geschichte. Noch nie zuvor in einem Stanley Cup Finale hatten beide Mannschaften innerhalb der ersten beiden Spiele jeweils einen Sieg nach einem Mehrtore-Rückstand gefeiert. Fünf Ausgleichstore, 16 Treffer insgesamt und zahlreiche kontroverse Szenen, darunter ein aberkanntes Tor von Ivan Barbashev in Spiel 2, haben die Serie bislang zu einer emotionalen Achterbahnfahrt gemacht.
„Es war definitiv eine Achterbahnfahrt“, bestätigte auch Carolinas Verteidiger Shayne Gostisbehere. Umso wichtiger sei es nun, die eigenen Emotionen unter Kontrolle zu halten und sich auf die Aufgabe zu konzentrieren.
Vegas setzt auf die Magie der Heimspiele
Für die Golden Knights kommt die Rückkehr nach Hause zum perfekten Zeitpunkt. Die T-Mobile Arena gilt seit dem NHL-Einstieg des Klubs als einer der lautesten und spektakulärsten Spielorte der Liga. Vegas gewann in diesen Playoffs sechs seiner acht Heimspiele und entschied die vergangenen drei Begegnungen auf eigenem Eis allesamt für sich.
„Wir leben von der Energie der Fans“, betonte Keegan Kolesar. Tatsächlich sprechen die Zahlen für Vegas: Im heimischen Stadion erzielen die Golden Knights durchschnittlich 3,13 Tore pro Partie und kassieren lediglich 2,38 Gegentreffer. Besonders beeindruckend präsentiert sich das Penalty Killing, das in 25 Unterzahlsituationen bislang nur einen Gegentreffer zugelassen hat.
Neben dem sportlichen Faktor spielt auch die besondere Atmosphäre eine Rolle. Die aufwendigen Pregame-Shows, die berühmte Ritter-Inszenierung vor Spielbeginn und die euphorischen Zuschauer machen die T-Mobile Arena zu einem einzigartigen Austragungsort. Trainer John Tortorella erwartet deshalb einen deutlichen Schub durch das Heimpublikum.
Carolinas Auswärtsstärke wird auf die Probe gestellt
Allerdings reisen die Hurricanes mit reichlich Selbstvertrauen nach Nevada. Carolina ist in den diesjährigen Playoffs auswärts noch ungeschlagen und hat sämtliche sechs Gastspiele gewonnen. Diese Bilanz verdankt das Team nicht zuletzt seiner bemerkenswerten Ruhe in schwierigen Situationen.
Ein Sinnbild dafür ist Torhüter Frederik Andersen. Bereits im Eastern Conference Finale in Montreal bewies der 36-Jährige, dass ihn selbst die lautesten Arenen der Liga nicht aus dem Konzept bringen. Genau diese Gelassenheit wird nun auch in Las Vegas gefragt sein.
„Je lauter es wird, desto ruhiger musst du in deiner eigenen kleinen Blase werden“, erklärte Andersen. Mit zunehmender Erfahrung habe er gelernt, nicht zu viel erzwingen zu wollen. Stattdessen konzentriere er sich darauf, einfach und effizient zu spielen.
Auch Andrei Svechnikov sieht die Herausforderung realistisch: „Es wird schwer. Die Atmosphäre wird anders sein. Aber wir wissen, wie man auswärts spielt.“ Die Hurricanes vertrauen darauf, dass ihre bislang makellose Bilanz in fremden Hallen kein Zufall ist.