NHL.com/de wirft in der Rubrik Draft Watch jeden zweiten Dienstag einen Blick auf die Kandidaten für den NHL Draft 2026. In dieser Ausgabe: Overager drängen auf zweite Chance.
Die meisten NHL-Spieler werden mit 18 Jahren gedraftet. Manche sind in diesem Alter noch nicht bereit und kommen später als ungedraftete Spieler in die Liga. Es gibt aber noch eine dritte Option, die sogenannten Overager. Das sind Spieler, die nicht im ersten Anlauf, sondern erst mit 19 Jahren oder noch später gedraftet werden. Erfolgreiche Overager sind nicht die Norm, doch es gibt durchaus beeindruckende Vertreter dieser Kategorie.
Von der Draft-Niete zur Hall of Fame
Der vielleicht namhafteste Overager aller Zeiten ist Mark Recchi. Die Pittsburgh Penguins drafteten ihn 1988 in der vierten Runde mit dem 67. Pick. Damals war Recchi 20 Jahre alt. Nach seinem Draft sollte er über zwei Jahrzehnte lang einer der größten Namen der Liga sein. Er erzielte in 1652 NHL-Spielen 1533 Punkte (577 Tore, 956 Assists), gewann dreimal den Stanley Cup und ist heute Mitglied der Hockey Hall of Fame.
Ein aktuelleres Beispiel ist Viktor Arvidsson. Er wurde im Draft gleich mehrere Jahre ignoriert. Als er 21 war, drafteten ihn schließlich die Nashville Predators 2014 mit dem 112. Pick in der vierten Runde. Mittlerweile kommt der Schwede auf 430 Punkte (213 Tore, 217 Assists) in 670 Spielen für die Predators, Edmonton Oilers, Los Angeles Kings und Boston Bruins. Er trägt diese Saison mit 41 Punkten (19 Tore, 22 Assists) in 57 Spielen dazu bei, dass die Bruins im Rennen um einen Platz in den Stanley Cup Playoffs sind.
Im anstehenden NHL Draft 2026 könnten die nächsten übersehenen Rohdiamanten warten. Einige Overager geben sich diese Saison alle Mühe, sich ins Rampenlicht zu spielen und sich ihre zweite Chance zu verdienen.
Veilleux glänzt als Topscorer
Philippe Veilleux war im Draft 2025 durchaus auf dem Radar der Scouts. In der kanadischen Nachwuchsliga QMJHL erzielte er für die Val-d'Or Foreurs in 64 Spielen 87 Punkte (40 Tore, 47 Assists) und schloss die Saison als drittbester Scorer der Liga ab. Zum Verhängnis wurde ihm wohl seine Statur. Vor einem Jahr war er mit 1,75 Meter und 76 Kilogramm gelistet. Kein General Manager der NHL wollte ihm eine Chance geben, obwohl er von den Scouts als intelligenter und technisch versierter Stürmer mit guten Instinkten in der Offensive gelobt wurde. Im Draft gibt es aber immer wieder Trends, die kommen und gehen, und die Ausgabe 2025 stand mehr im Zeichen der großen und körperlich robusten Spieler. Viele talentierte, aber kleine Akteure wurden nicht gewählt.
Diese Saison präsentiert sich der kanadische Außenstürmer in noch besserer Form als vor einem Jahr. Zwei Spiele vor Ende der regulären Saison liegt er mit 95 Punkten (42 Tore, 53 Assists) auf dem zweiten Platz der Scorerliste. Diese Punktausbeute und die Tatsache, dass er drei Zentimeter gewachsen ist und sechs Kilogramm Gewicht zugelegt hat, könnten vielleicht doch noch ein NHL-Team überzeugen.
Der tschechische Quinn Hughes
Bei der IIHF Juniorenweltmeisterschaft 2026 schien es teilweise fast so, als hätte sich die tschechische Mannschaft in der NHL bedient und Quinn Hughes von den Minnesota Wild ausgeliehen. So dominant war Verteidiger Tomas Galvas.
Galvas wurde im Draft schon zwei Mal übergangen. Im Februar feierte er seinen 20. Geburtstag. Er hat vielleicht nicht ganz das Niveau von Hughes, der ieiner der besten Verteidiger der Welt ist. Einige Ähnlichkeiten kann man dem tschechischen Talent aber nicht abstreiten.
Besonders Galvas dominante Spielweise aufgrund seiner überragenden läuferischen Qualitäten fielen bei der U20-WM immer wieder auf. Genau das ist auch Hughes' größte Stärke. Wie der NHL-Star tanzte Galvas von der blauen Linie scheinbar nach Belieben durch das gegnerische Drittel und sorgte für Tore. Mit neun Punkten (drei Tore, sechs Assists) führte er sein Team zur Silbermedaille und wurde ins All-Star Team des Turniers gewählt.
In der Liga können sich seine Leistungen für die Bili Tygri Liberec ebenfalls sehen lassen. Vergangene Saison kam er in 43 Spielen in Tschechiens höchster Spielklasse auf elf Punkte (drei Tore, acht Assists). Dieses Jahr hat er seinen Bestwert in 32 Spielen mit 24 Zählern (acht Tore, 16 Assists) bereits mit Leichtigkeit pulverisiert. Wie Veilleux liegt auch beim 1,78 Meter großen Galvas die Vermutung nahe, dass die Statur eine Rolle im Draft spielte. Allerdings hat er auch das mit Hughes gemeinsam, denn der Superstar ist genauso groß. Angesichts seiner starken Entwicklung sollte dieser Verteidiger einem NHL-Team durchaus einen Pick wert sein.
Nächste Chance für Ustinkov?
Ähnlich wie Galvas nutzte auch der Schweizer Daniil Ustinkov die große Bühne bei der U20-WM, um die Scouts an sich zu erinnern. Die jungen Eidgenossen schieden zwar im Viertelfinale aus, doch für Ustinkov persönlich war das Turnier durchaus ein Erfolg.
Der 19-jährige Verteidiger wurde Anfang vergangener Saison unter den Scouts hoch gehandelt, stürzte in ihrem Ansehen im Laufe der Zeit aber ab. Beim Draft wartete er vergeblich darauf, dass sein Name aufgerufen wurde.
Zu Beginn der laufenden Spielzeit stand Ustinkov nicht einmal auf der Liste des Central Scouting Service für den Draft 2026. Das änderte sich aber mit der U20-WM. Ustinkovs Leistung und seine vier Assists in fünf Spielen überzeugten die Talentsucher so sehr, dass er nur eine Woche nach dem Turnier im neuen Ranking des CSS auf Platz 76 der internationalen Skater auftauchte.
In der Swiss League erzielte Ustinkov in dieser Saison in 28 Spielen für die GC Küsnacht Lions 18 Punkte (zwei Tore, 16 Assists). Er kam auch zu 17 Spielen für die ZSC Lions in der National League, wartet dort aber noch auf seinen ersten Punkt. Trotzdem könnte er im Draft einen Interessenten finden. Mit 1,85 Meter und 91 Kilogramm hat er eine ansehnliche Statur, er ist schnell, verteidigt solide und hat zudem die Fähigkeit, auch in der Offensive Gefahr auszustrahlen. Einer der GMs in der NHL könnte sich durchaus dazu entscheiden, mit einem Pick in einer der späteren Runden auf den jungen Schweizer zu setzen.






















