McKenna Stenberg split

NHL.com/de wirft in der Rubrik Draft Watch jeden zweiten Samstag einen Blick auf die Kandidaten für den NHL Draft 2026. In dieser Ausgabe: Stenberg gegen McKenna.

Noch vor wenigen Monaten gab es kaum einen Zweifel daran, dass Gavin McKenna die Nummer eins des Draft-Jahrgangs ist. Zu Saisonbeginn war er der klare Favorit auf den ersten Pick im NHL Draft 2026. Mittlerweile wackelt sein Thron aber gewaltig und ein Konkurrent aus Schweden ist dabei, sich zur neuen Nummer eins zu krönen. Ivar Stenberg steht in vielen Ranglisten bereits auf dem Spitzenplatz.

Erwartungen sind zu hoch

Im Sommer entschied McKenna sich zum Wechsel von den kanadischen Nachwuchsligen in die US-amerikanische Universitätsliga NCAA. Eine Saison gegen ältere und erfahrenere Spieler sollte ihn dort besser auf den Sprung in die NHL vorbereiten.

Angesichts der extrem hohen Erwartungen, läuft seine Saison an der Penn State University aber eher durchwachsen. In 21 Spielen kommt der Außenstürmer auf 27 Punkte (neun Tore, 18 Assists). Das ist für einen 17 bis 18 jährigen Spieler in seiner ersten Saison keinesfalls eine schlechte Ausbeute, erfüllt aber nicht die Ansprüche eines Ausnahmetalents. Zum Vergleich: Adam Fantilli von den Columbus Blue Jackets erzielte in seiner ersten NCAA-Saison 65 Punkte in 36 Spielen, Jack Eichel von den Vegas Golden Knights brachte es auf 71 Punkte in 40 Partien.

Penn State Nittany Lions forward Gavin McKenna (72) takes a shot during a college hockey game between the Minnesota Golden Gophers and Penn State Nittany Lions on November 22, 2025, at 3M Arena at Mariucci in Minneapolis, MN. (Photo by Nick Wosika/Icon Sportswire via Getty Images)

„Er steht schon so lange stark unter Druck und er geht gut damit um“, lobte Porter Martone, der als Kapitän der kanadischen Mannschaft bei der IIHF Juniorenweltmeisterschaft mit McKenna spielte. „Er wird viel kritisiert, aber ich habe mit ihm darüber gesprochen. Das ging mir in meinem Draft-Jahr auch so... Manche Dinge kann man nicht kontrollieren. Er geht gut damit um.“

McKenna wirkt zumindest besser in Form zu sein seit seiner Rückkehr von der Juniorenweltmeisterschaft Anfang Januar. Vor der WM stand er bei 18 Punkten (vier Tore, 14 Assists) in 16 Spielen. Seit der WM gelangen ihm neun Punkte (fünf Tore, vier Assists) in nur fünf Spielen.

Stenberg auf historischem Kurs

Während McKenna in den USA mit den neuen Herausforderungen in der NCAA kämpft, begeistert Stenberg die Scouts auf der anderen Seite des Atlantik. In seinem Heimatland Schweden tritt der Linksaußen in der höchsten Spielklasse SHL für Frölunda HC an.

Stenberg übertrifft alle Erwartungen und befindet sich sogar auf Rekordkurs. Die beste Punktausbeute eines SHL-Spielers in seinem Draft-Jahr stammt aus der Saison 1998/99. Damals erzielte Daniel Sedin für MoDo Hockey 42 Punkte (21 Tore, 21 Assists) in 50 Spielen. Stenberg steht aktuell bei 27 Punkten (sieben Tore, 20 Assists) in 28 Begegnungen. Sollte er dieses Tempo auch nur annähernd halten, würde er Sedins Bestmarke überbieten.

„Er hat sich als Spitzenkandidat etabliert und ist schon Stammspieler für Frölunda, ein Top-Team in der SHL“, schwärmte NHL Director of European Scouting Jukka-Pekka Vuorinen. „Seine Mischung aus Schnelligkeit, Beschleunigung und Balance machen ihn zu einem gefährlichen und dynamischen Skater, der Chancen kreieren und nutzen kann.“

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Showdown bei der WM

Die beiden Spitzenkandidaten für den anstehenden Draft traten erst kürzlich bei der U20-WM an, trafen dort allerdings nicht direkt aufeinander. Beide konnten durchaus überzeugen. McKenna war mit 14 Punkten (vier Tore, zehn Assists) der zweitbeste Scorer des Turniers und lag nur einen Zähler hinter seinem Teamkollegen Michael Hage, der bereits von den Montreal Canadiens gedraftet wurde.

Geht man nur nach den Punkten, hatte McKenna das bessere Turnier. Stenberg landete mit zehn Punkten (vier Tore, sechs Assists) auf dem fünften Platz. Am Ende stand er aber ganz oben, als Schweden die Goldmedaille gewann, während Kanada nur Bronze mit nach Hause nahm.

Ein großer Kritikpunkt an McKenna war sein Auftritt im Halbfinale. In einem knappen Spiel gegen Tschechien kassierte er beim Stand von 3:4 in der 54. Minute eine unnötige Strafe wegen Crosschecks. Nach dem 4:6 bekam er in der letzten Spielminute noch zwei plus zehn Minuten wegen unsportlichen Verhaltens.

Unterschiedliche Spielertypen

Am Ende wird das Team, das in der Draft Lottery den ersten Pick gewinnt, die Qual der Wahl zwischen zwei sehr unterschiedlichen Spielern haben, die beide ihre Qualitäten haben. McKenna ist der technisch talentiertere Spieler.

„Gavin McKenna ist ein Ausnahmetalent mit außergewöhnlichen Instinkten, Schnelligkeit und Reife, was ihm bisher auf jedem Niveau erlaubt hat, das Spiel zu bestimmen“, lobte Dan Marr, Director of NHL Central Scouting. „Er verfügt über eine Kombination von Fähigkeiten und Attributen, die man niemandem beibringen kann.“

Stenberg wird hingegen für seine Vielseitigkeit gepriesen und präsentiert sich regelmäßig als der komplettere Spieler. Er kommt in allen Situationen zum Einsatz und beeindruckt sowohl mit seinem Einsatz in der Abwehr, als auch seiner Durchschlagskraft im Angriff.

„In der Offensive zeigt er erstklassige Spielintelligenz und Geduld mit dem Puck, er verteilt die Scheiben im Powerplay und auf engem Raum präzise“, analysierte Vuorinen. „Seine Übersicht und sein Timing erlauben es ihm, für hochkarätige Chancen zu sorgen.“

Den Draft-Kandidaten bleibt in dieser Saison noch einige Zeit, um die Scouts von sich zu überzeugen. Aktuell geht die Entwicklung aber immer mehr dahin, dass Stenberg die neue Nummer eins ist und McKenna auf Platz zwei verbannt.

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