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Am Ende fehlten dem Tampa Bay Lightning nur zwei Tore zum Weiterkommen. Die Best-of-7-Serie in der Ersten Runde der Stanley Cup Playoffs 2026 gegen die Montreal Canadiens ging bis ins alles entscheidende Spiel 7. Dieses verlor Tampa am Sonntagabend in der Benchmark International Arena trotz 29:9 Torschüssen mit 1:2. Der Lightning ist damit im vierten Jahr in Folge in der ersten Runde ausgeschieden.

„Ich habe diesen Film schon einmal gesehen“, sagte Tampas Trainer Jon Cooper nach dem Aus. „Alles, was du von deiner Mannschaft erwarten kannst, ist, dass sie im Verlauf einer Best-of-7-Serie besser wird. Ich finde, wir sind immer besser geworden und haben heute das beste Spiel der gesamten Serie geliefert.“

„Von Anfang bis Ende haben wir uns an den Prozess und den Plan gehalten“, sagte Verteidiger Ryan McDonagh. „Zum Schluss ist das allerdings egal, weil sie zwei Tore und wir nur eines geschossen haben, also ist es eine Niederlage. Ich muss sie loben, sie haben gekämpft und einen Weg gefunden.“

„Normalerweise gewinnst du 99 Prozent solcher Spiele“, ärgerte sich auch Lightning-Top-Torjäger Brandon Hagel (6-2-8).

TBL@MTL, Sp 4: Hagel erzielt den Ausgleich und das Siegtor

Die Gründe für das Aus

Wenn man in eine enge Serie in sieben Spielen gegen einen guten Gegner so unglücklich in Spiel 7 verliert, dann muss diese Liste eine kurze sein. Allerdings zeigen die Zahlen durchaus Gründe für das Aus.

So etwa die Heim-Bilanz: Auf eigenem Eis gewann Tampa nur eines von drei Spielen (1-3, 9:11 Tore, 69,2 Prozent im Penalty Killing, nur 14:23 Minuten in Führung). 

„Wenn du drei Spiele zu Hause verlierst, dann kannst die die Serie wahrscheinlich nicht gewinnen“, stellte Hagel unmissverständlich klar.

Der zweite Hauptgrund für das Scheitern ist die fehlende Durchschlagskraft. Hier war Spiel 7 ein Mikrokosmos der gesamten Serie: Gerade einmal 2,14 Tore/Spiel (12.) und 28 Torschüsse/Spiel (9.) waren einfach zu wenig. 118 Schüsse rauschten am Ziel vorbei (2.), dazu gab es zehn Eisen-Treffer (siebenmal Pfosten, dreimal Latte). 133 Schussversuche wurden vom Gegner geblockt (1.).

Angesichts dieser Zahlen war es ungünstig, dass Tampa in fünf von sieben Spielen zuerst in Rückstand geriet. Nur eine dieser fünf Partien konnte der Lightning am Ende noch gewinnen.

Hinter Hagel (6-2-8), Jake Guentzel (2-6-8) und Nikita Kucherov (1-5-6) klaffte eine Scoring-Lücke. Von Leistungsträgern wie Anthony Cirelli (0-2-2), Brayden Point (1-0-1), Yanni Gourde (0-1-1) und Nick Paul (0-0-0) kam zu wenig.

MTL@TBL, GM 5: Guentzel entscheidet sich bei einem 2-auf-1-Konter für den Schuss und gleicht aus

Auch die Verteidiger entfalteten zu wenig Torgefahr. Abwehrchef Victor Hedman wurde nicht rechtzeitig fit und blieb in den Playoffs ohne Einsatz. Die einzigen zwei Verteidiger-Tore erzielten J.J. Moser (1-2-3) und Darren Raddysh (1-1-2). Sechs weitere Abwehrspieler blieben torlos und brachten es zusammen auf nur drei Assists. Es fehlte also auch offensive Unterstützung von den Bluelinern.

Die Special Teams waren mit 17,2 Prozent im Powerplay und 80,8 Prozent im Penalty Killing solide, aber nicht überragend.

13,33 Blocks/60 Minuten (13.) und 30,72 Checks/60 Minuten (14.) waren ebenfalls nicht genug, um den Unterschied in einer knappen Serie auszumachen.

Was für die Zukunft optimistisch stimmt

Mit Torwart Andrei Vasilevskiy hat Tampa nach wie vor einen der besten Goalies auf diesem Planeten zwischen den Pfosten. Der 31-Jährige steht nach einer starken regulären Saison (58 Spiele, 39 Siege, 2,31 Gegentore/Spiel, 91,2 Prozent Fangquote, zwei Shutouts) unter den drei Finalisten für den Gewinn der Vezina Trophy (bester Torwart der Saison). In den Stanley Cup Playoffs 2026 war der 1,93 Meter große und 101 Kilogramm schwere Hüne ebenfalls ein gewohnt sicherer Rückhalt (sieben Spiele, drei Siege, 2,18 Gegentore/Spiel, 89,7 Prozent Fangquote, ein Shutout. Da Vasilevskiy bis 2028 unter Vertrag steht, braucht sich der Lightning auf der Torhüter-Position keine Sorgen machen.

TBL@MTL, Sp6: Vasilevskiy erzwingt Spiel 7 mit 30-Save-Shutout

Auch unter den Skatern haben fast alle Schlüsselspieler noch Vertrag. Die einzige Ausnahme bildet Darren Raddysh. Der 30-jährige Verteidiger spielte eine herausragende Saison (73 Spiele, 22-48-70) und füllte das Vakuum, das Hedman nach seiner Verletzung hinterließ. Allerdings stellte sich der Kanadier mit seinem harten Schuss und seinem Aufbauspiel auch für andere Teams ins Schaufenster. Der 1,85 Meter große Rechtsschütze wird zum Unrestricted Free Agent und dürfte viele Angebote haben.

Mit einem Headcoach wie Jon Cooper - der zu den drei Finalisten für den Jack Adams Award (Trainer des Jahres) zählt - wird der Lightning auch 2026/27 zum Kreis der Favoriten zählen. Cooper gehört zu den Besten seines Fachs.

Der Ist-Zustand verbreitet Optimismus für die Zukunft. Und wie sieht es unmittelbar im Nachwuchsbereich aus? Stürmer Conor Geekie (21) wusste beim Farmteam Syracuse Crunch in der AHL zu überzeugen (57 Spiele, 17-42-59) und kam auch in der NHL (14 Spiele, 1-2-3; zwei Playoff-Partien, 0-0-0) zum Einsatz. 

Durch das gute Abschneiden in den letzten Jahren fehlt es in Tampa allerdings an früh gedrafteten Talenten. Hier sind am ehesten noch die beiden Angreifer Ethan Gauthier (21; Draft 2023, 2. Runde, 37. Stelle) und Ethan Czata (18; Draft 2025, 2. Runde, 56. Stelle) zu nennen. Beide sind aber wohl keine Soforthilfen.

Moser schwingt sich zum Top-Verteidiger auf

Der Schweizer J.J. Moser hinterließ in dieser Saison einen bleibenden Eindruck. Auch bei seinem Trainer: „Er ist ein phänomenaler Junge, bei dem du so viele Kästchen abhaken kannst.“

In der regulären Saison war der 25-Jährige aus Biel der zweitbeste Scorer und Torjäger unter allen Lightning-Verteidigern (79 Spiele, 7-22-29), blockte die zweitmeisten Schüsse (91 Blocks) und ging keiner Konfrontation aus dem Weg (69 Strafminuten).

TBL@BUF: Moser sammelt in einem verrückten Spiel drei Punkte

In den Playoffs wies der 1,86 Meter große Linksschütze seinen Wert für die Defensive mit neun Checks und 16 Blocks nach. 

Moser, dem im Sommer 2024 per Trade aus Utah kam, verlängerte seinen Vertrag im Dezember 2025 langfristig bis 2034.

Für die Nati lief Moser bei den Olympischen Spielen in Italien auf (fünf Spiele, 1-3-4) und wird die Schweiz wohl auch bei der Heim-WM 2026 unterstützen.

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