Welchen historischen Wert dieser Erfolg für die USA hat, ist wohl erst in ein paar Jahren oder gar Jahrzehnten wirklich einzuordnen. Für die Vereinigten Staaten war die dritte Olympische Goldmedaille insgesamt sowie die erste seit dem „Miracle on Ice“ 1980 in Lake Placid.
„Wir werden hoffentlich ein paar mehr Superstars kreieren, die nicht nur Hockey spielen, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika vertreten wollen“, ist sich Power Forward Brady Tkachuk sicher. „Das ist eines der stärksten Gefühle, die ich jemals hatte. Es mit jedem hier gemeinsam zu schaffen, ist etwas ganz Besonderes.“
Und so verwunderte es nicht, dass sich die meisten Spieler auf dem Eis in eine USA-Flagge hüllten und sichtlich angefasst der Nationalhymne lauschten.
„Dieses Spiel war eine Inspiration für unser Land“, sagte Nationaltrainer Mike Sullivan.
Neuer Nationalstolz
Das Gefühl von gestiegenem Nationalstolz erfüllte aber auch die Spieler, für die es nicht ganz zu Gold gereicht hat. Frag nach bei enttäuschten Kanadiern nur wenige Minuten nach der Final-Niederlage gegen den großen Rivalen.
„Wir sind sehr enttäuscht, dass wir es nicht hinbekommen haben. Aber es ist eine Erfahrung fürs Leben, hier zu sein und für dein Land kämpfen zu dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagte Kanadas Stürmer Sam Bennett.
„Es war ein Privileg, für dieses Land spielen und dieses Trikot tragen zu dürfen“, stimmte Torwart Jordan Binnington mit ein.
„Trotzdem bin ich stolz, Kanadier zu sein und mein Land bei den Olympischen Spielen, wo die Besten gegen die Besten gespielt haben, repräsentieren zu dürfen“, sagte Power Forward Tom Wilson nach dem „Gewinn“ der bittersüßen Silbermedaille.
Nathan MacKinnon fasst derweil schon die nächste Retourkutsche ins Auge: „Es wird lange dauern, bevor wir uns dafür revanchieren können. Es wird dann auch ein ganz anderes Team sein.“
Bronze ging an Finnland. Ein Land mit gerade einmal 5,6 Millionen Einwohnern gewann bei fünf von sechs Olympischen Spielen mit Beteiligung von NHL-Spielern eine Medaille.
„Davon träumst du, wenn du als Kind die Schlittschuhe anziehst oder die Nationalmannschaft im TV anschaust. Du willst einer dieser Selannes, Ruutus, Koivus sein und bei Olympia mitspielen. Hier sind wir! Wir haben eine Bronzemedaille gewonnen!“, freute sich Center Anton Lundell.
„Es gibt keinen besseren Ort auf dieser Welt, um Eishockey zu spielen, als für Team Finnland“, betonte Angreifer Mikael Granlund. „Wir wissen diese Turniere zu schätzen und fühlen uns geehrt, das Trikot anzuziehen, es bedeutet die Welt für uns. Das überträgt sich von Generation zu Generation, auch wir sind da reingewachsen.“
Eetu Luostarinen hofft auf einen nachhaltigen Effekt in der Heimat: „Wir wollen noch mehr Spieler hervorbringen. Hoffentlich bringt es zu Hause noch mehr Kinder dazu, mit diesem Sport anzufangen.“
Ein nachhaltiger Effekt
Die große Hoffnung bei allen teilnehmenden Nationen ist, die Begeisterung für diesen Sport angeregt zu haben. Das gilt für Deutschland und die Schweiz und auch für kleinere Eishockey-Nationen wie Italien oder Frankreich, die sich teuer verkauft haben. Wie schnell es gehen kann zeigte die Slowakei. Nach einer Bronzemedaille vor vier Jahren ging der Stern von Juraj Slafkovsky und Simon Nemec auf. Beide waren die ersten zwei Picks im NHL Draft 2022. Die Olympischen Spielen 2026 beendete das 5,4-Millionen-Einwohner-Land erneut stark als Vierter.
Doch nicht nur in den einzelnen Ländern, sondern auch in ihren Ligen sollte der Eishockey-Hype ankommen. Hierbei stellte sich keine Liga mehr ins Schaufenster als die NHL: Die besten 24 Scorer des Olympischen Turniers stehen bei NHL-Klubs unter Vertrag. Ihre Leistungen waren es, die Begeisterung entfachte und neue Nationalhelden hervorbrachte.