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„Er ist ein verdammter Gamer. Er war schon immer ein Gamer, einfach mental stark. Er hat viel durchgemacht, liebt das Spiel und ist ein amerikanischer Held“, beschreibt Quinn Hughes die Szene des Eishockeyturniers der Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 und seinen Bruder Jack Hughes.

Nach 1:41 Minuten in der Overtime überschlugen sich in Mailand die Ereignisse. Zach Werenski eroberte im Zweikampf gegen Nathan MacKinnon den Puck im rechten Bullykreis und bewies ein hervorragendes Auge. Er fand den freistehenden Jack Hughes, der mit einem trockenen Handgelenkschuss die Scheibe, an Kanadas Torhüter Jordan Binnington vorbei, ins Netz beförderte.

Der goldene Treffer zum 2:1-Endstand war der Höhepunkt einer persönlichen Befreiungsgeschichte. Nach einer von Verletzungen geprägten Saison bewies Jack Hughes absolute Nervenstärke. Wie Werenski treffend feststellte, kam der Stürmer mit spürbarem Selbstvertrauen in dieses Turnier. Er forderte den Puck, wollte den Unterschied ausmachen und sicherte den USA ihr erstes olympisches Eishockey-Gold seit 46 Jahren.

Hellebuyck als unüberwindbare Wand

Dass es zu dieser Verlängerung kam, verdankte Team USA in erster Linie seinem Schlussmann. Connor Hellebuyck lieferte eine historische Vorstellung ab, die Werenski nach der Partie als „die größte Torwartleistung, die ich je gesehen habe“ adelte. Insgesamt 41 Paraden standen für den Goalie am Ende auf dem Spielberichtsbogen. Es ist der zweithöchste Wert eines US-Goalies bei Olympia mit NHL-Beteiligung, knapp hinter Ryan Miller, der 2010 genau 42 Saves verbuchte.

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Besonders in den entscheidenden Phasen war Hellebuyck zur Stelle, als Kanada das zweite Drittel dominierte und mit 19 Torschüssen einen neuen Final-Rekord aufstellte. Der Goalie stoppte Connor McDavid spektakulär bei einem Alleingang und vereitelte in den Anfangsminuten des Schlussabschnitts eine Großchance von Devon Toews.

„Egal in welchem Moment es bei uns einen Einbruch gab, er war da“, fasste Werenski die Bedeutung seines Torhüters zusammen. Hellebuyck war der unbestrittene wertvollste Spieler dieses Finales.

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Der Schatten von 1980 und die späte Revanche

Der Triumph in Mailand ist das Ende einer langen Durststrecke für das amerikanische Eishockey, die seit dem „Miracle on Ice“ im Jahr 1980 andauerte. Noch im Vorjahr beim Four Nations Face-Off musste die Mannschaft das bittere Gefühl des knappen Scheiterns erfahren.

„Wir waren letztes Jahr bei den Four Nations so nah dran“, erinnerte sich US-Kapitän Auston Matthews. Diese Erfahrungen schienen die Gruppe mental abgehärtet zu haben. Im Gegensatz zu den Finalniederlagen bei den Olympischen Spielen 2002 und 2010 behielt Team USA dieses Mal die Oberhand gegen den nördlichen Nachbarn. Dass Kanada auf seinen verletzten Kapitän Sidney Crosby verzichten musste, schmälerte den Erfolg der USA nicht.

Für das Selbstverständnis des amerikanischen Programms ist dieser Sieg ein elementarer Meilenstein. Erstmals in der Geschichte eines olympischen Turniers mit NHL-Spielern krönten sich die USA zum Champion und brachen damit die kanadische Dominanz bei den Turnieren mit den Besten der Besten.

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Ein Sieg für die Ewigkeit und eine besondere Widmung

Hinter diesem weitreichenden Erfolg stand ein tief verwurzelter Zusammenhalt. Dylan Larkin sprach vom „Olympic Spirit“ und einer besonderen Teamchemie, die im olympischen Dorf entstanden sei. Die Kabine, angeführt von Akteuren wie den Tkachuk-Brüdern und der Gruppe an Spielern mit Verbindungen nach Michigan, präsentierte sich während des gesamten Turniers als geschlossene Einheit.

Dieser starke emotionale Bund zeigte sich nach der Schlusssirene, als die Mannschaft das Andenken an den verstorbenen Johnny Gaudreau in den Mittelpunkt rückte. Gemeinsam mit Gaudreaus Familie holten die Spieler sein Trikot aufs Eis. Für Larkin war dies ein zutiefst emotionaler Moment.

Er formulierte sogar eine berührende spirituelle Theorie für das Spielgeschehen, als unzählige Pucks der Kanadier nicht den Weg ins Tor fanden. „Irgendwie hat ein Zauber um unser Netz gelegen, sodass der Puck nicht rein ging“, erzählte Larkin ergriffen. Das Gedenken an den ehemaligen Mitspieler und die Integration seiner Familie verlieh diesem historischen Erfolg eine Bedeutungsebene weit über den reinen Sport hinaus.

Die Wachablösung im Welteishockey

Kanada warf alles in dieses Finale, dominierte weite Strecken und erarbeitete sich hochkarätige Möglichkeiten. Die USA hielt jedoch mit einer perfekten Mischung aus elitärem Talent und unnachgiebiger Härte dagegen. Jack Hughes bezeichnete den Triumph passend als „mutigen Sieg“ und definierte damit, wofür amerikanisches Eishockey in der Gegenwart steht.

Die USA haben die kanadische Serie von Goldmedaillen gebrochen und unmissverständlich bewiesen, dass sie den neuen Standard im Welteishockey setzen. Die Euphorie über diesen Sieg dürfte weit über die Grenzen Norditaliens hinausreichen.

Larkin formulierte die Auswirkungen des Triumphs für die beteiligten Akteure mit einem Augenzwinkern und stellte fest, dass er in seiner Heimat Michigan nie wieder für Getränke bezahlen müsse. Er hofft zudem, dass dieser Erfolg junge Sportler in den USA inspiriert, ihren eigenen olympischen Traum zu verfolgen.

Was bleibt, ist die Gewissheit, dass dieses Team die Identität des amerikanischen Eishockeys für die kommenden Jahre geformt hat. Eine Identität, die hartnäckig, talentiert und nun endgültig vergoldet ist.

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