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Nico Sturm ist voll in der NHL angekommen. Nachdem er 2018/19 (zwei Spiele) und 2019/20 (sechs Spiele) erste Erfahrungen bei den Minnesota Wild sammeln konnte, war er 2020/21 sogar Stammspieler. Für die anstehende Spielzeit 2021/22 möchte der gebürtige Augsburger noch mehr Verantwortung übernehmen und sich den Platz des Drittreihen-Centers erkämpfen.

Die Durchbruch-Saison in Zahlen
Hinter Sturm liegt seine punktemäßig beste NHL-Saison: In 50 Spielen sammelte er 17 Scorerpunkte. Dabei erzielte er erstmals überhaupt in seiner Karriere im Herrenbereich mehr Tore (elf) als Assists (sechs). Und das wohlgemerkt als Stürmer in der vierten Reihe, in der vor allem defensive Aufgaben erfüllt werden müssen.
"Meine Rolle war schon über die Defensivarbeit definiert. Phasenweise waren wir mit Zach Parise und Nick Bonino aber fast die beste Reihe und haben gut gescort. Wenn du auch gegen die dritte oder vierte Reihe des Gegners spielst, dann erwartest du auch, die Matchups zu gewinnen und das Tor zu treffen", so Sturm.

MIN@STL: Sturm findet freien Puck und trifft

Wie verantwortungsvoll er mit seiner Rolle umging, zeigen andere Statistiken: Mit einer Plus-Minus-Bilanz von +10 hatte Sturm den fünfbesten Wert aller Wild-Spieler (wie Top-Scorer, Top-Torjäger und Calder-Trophy-Gewinner Kirill Kaprizov) und lag auch in Sachen Schusseffizienz mit 17,2 Prozent gleichauf mit Kaprizov auf Rang drei. Zudem hatte der Blondschopf mit 51,5 Prozent gewonnener Bullys den zweitbesten Wert (hinter Nick Bonino mit 52,8 Prozent) und wurde zudem immer häufiger in Unterzahl eingesetzt. "Das Penalty Killing war natürlich ein großer Faktor, der mir helfen wird, mich in der Liga zu etablieren. Es ist definitiv eine meiner Stärken", meint Sturm.
In den Stanley Cup Playoffs steigerte der 1,91 Meter große und 94 Kilogramm schwere Linksschütze seine PK-Eiszeit von 1:14 Minuten auf 1:40 Minuten pro Partie, hatte mit +1 den besten Plus-Minus-Wert in Minnesota und steuerte zwei Scorerpunkte bei (ein Tor, ein Assist).
Eine Auszeit als Entwicklungshilfe
Die Entwicklungskurve des Deutschen zeigte aber nicht geradlinig nach oben. Anfang April gingen seine Eiszeiten zurück und er rotierte für kurze Zeit sogar als Healthy Scratch aus der Aufstellung. Dieser kleine Knick hatte schlussendlich aber einen positiven Effekt: "Sicherlich habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht mein bestes Eishockey gespielt und war auch noch nicht zu 100 Prozent etabliert. Da bist du dann ganz schnell draußen. In diesem Moment war das schwer zu verstehen, gerade als unerfahrener Spieler macht man sich da Gedanken", sagt Sturm. "Wenn man so viele Spiele macht, dann kommt man leicht in einen Trott rein. Wenn man aber mal auf der Tribüne sitzt und das Spiel von außen betrachtet, sieht man ein, zwei Sachen anders. Ich hatte darüber hinaus die Chance, mit den Coaches über drei, vier Tage mal eine Stunde lang zu arbeiten. Rückblickend hat es mir das sehr geholfen."

STL@MIN: Sturm lenkt Brodins Schuss zum 3:2 ab

Sturm meldete sich gestärkt zurück und erzielte sieben seiner elf Saisontore nach dieser kurzen Pause. Er wies nach, ein kompletter Zwei-Wege-Stürmer in der NHL zu sein. Wie hoch sein Stellenwert im State of Hockey inzwischen ist, wurde beim Expansion Draft noch einmal eindrucksvoll bestätigt, als ihn die Wild sogar vor dem Zugriff der Seattle Kraken schützten.
Der nächste Schritt in einer neuen Rolle
Nun will der Angreifer noch mehr Verantwortung übernehmen und auch eine neue Rolle bekleiden.
"Ich sehe mich nicht als reinen Arbeiter, sondern als jemand, der gute Hände hat, das Spiel eröffnen und Pässe geben kann. Das würde ich gerne in mein Spiel in dieser Saison mehr einbauen", so Sturm. "Ich möchte einfach den nächsten Schritt in die richtige Richtung machen, ein vollwertiger Spieler in der dritten Reihe werden, meine Eiszeit konstant ausbauen und meine Center-Position festigen. Ich habe davor ja auch viel als Linksaußen gespielt, sehe mich aber doch eher als Center. Mit meiner Größe und meinen Skating-Fähigkeiten bin ich genau dafür gemacht. Ich will jetzt gerne Verantwortung übernehmen, das habe ich auch dem Management und dem Trainer so signalisiert."
Management und Trainer haben in Minnesota längst einen Verjüngungsprozess eingeleitet. Von Routiniers, wie Verteidiger Ryan Suter (36, jetzt Dallas Stars) oder Stürmer Zach Parise (37, jetzt New York Islanders), hatten sich die Wild im Sommer via Buyout getrennt. Ihre Arbeit sollen jetzt die vielen jungen Spieler, wie die Verteidiger Mathew Dumba (28) und Jonas Brodin (27) oder die Stürmer Kaprizov (24), Joel Eriksson-Ek (24), Jordan Greenway (24), der Schweizer Kevin Fiala (25), womöglich auch das österreichische Top-Talent Marco Rossi (20) und eben der 26-jährige Sturm schultern.