Marco Rossi

Er zählt als das größte österreichische Eishockeytalent seit Thomas Vanek, doch Marco Rossi muss konstatieren, dass aller Anfang schwer ist, in der stärksten Eishockeyliga der Welt Fuß zu fassen. Beim NHL Draft 2020 wurde Marco Rossi in der ersten Runde an Nummer neun von den Minnesota Wild ausgewählt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der gebürtige Feldkirchener bereits seine ersten Erfahrungen in Übersee bei den Ottawa 67's (Ontario Hockey League) in den Spielzeiten 2018/19 und 2019/20 gemacht.

In der Saison 2021/22 durfte Rossi zweimal bei den Wild NHL-Luft schnuppern und qualifizierte sich über seine Auftritte bei den Iowa Wild und im Trainingscamp für einen Stammplatz bei dem NHL-Franchise. Von Saisonbeginn an bis zum 17. November stand der 21-jährige Stürmer in 16 von 17 Spielen im Aufgebot der Wild, beim 2:1-Erfolg n.V. gegen die Carolina Hurricanes musste er als gescratchder Spieler erstmals von der Tribüne aus zusehen, wie sich sein Team auf dem Eis schlägt.

Marco Rossi

Mit gemischten Gefühlen sieht Rossi eine solche Situation an, in der er sich jetzt befindet.
"Es ist schon etwas frustrierend, denn ich war noch niemals zuvor, in einer solchen Situation. So ist halt das Verfahren. Vielleicht habe ich das in zehn Jahren längst vergessen. Mir ist wichtig, geduldig zu bleiben und an meinem Spiel zu arbeiten. Man will natürlich immer spielen, man will da rausgehen. Man wird hungrig, wenn man zuschaut, andererseits, wenn man von außen zusieht, dann hat man einen anderen Blick auf das Spiel. Man denkt darüber nach, was man selbst in einer bestimmten Spielsituation gemacht hätte. Ich versuche meinen Kopf freizuhalten und mir nicht zu viel Druck zu machen, denn zwischendurch setzt man sich selbst viel zu sehr unter Druck. Ich mache jetzt einen solchen Prozess durch. Das ist manchmal nicht einfach, doch damit muss ich umgehen können. Ich versuche Geduld zu bewahren, beharrlich zu bleiben", verrät der junge Österreicher.
In den 16 Spielen für die Wild waren ihm zwei Assists, jedoch kein Treffer gelungen. Es wurde ihm von seinem Trainer Dean Evason eine gute Defensivarbeit bescheinigt. Hat sich Rossi eventuell zu sehr auf das Absichern des eigenen Tores konzentriert?

CHI@MIN: Rossi zieht vor dem Tor direkt ab

"Nein, ich bin nicht nur auf die Defensivarbeit fokussiert. Ich versuche mein Spiel zu spielen", widerspricht er der These. "Mein Defensivspiel war so weit schon konstruktiv, doch ich denke nicht so viel darüber nach. Ich hatte auch einige Chancen. Es wäre natürlich gut gewesen, wenn mir auch ein Tor geglückt wäre, denn ich möchte selbstverständlich zeigen, zu was ich fähig bin, andererseits mache ich mir auch keine Sorgen darüber [dass mir das nicht gelingen wird]."
Es stand auch schon im Raum, dass er in die AHL zurückgeschickt wird, Rossi ist der Meinung, dass es seiner Entwicklung förderlich wäre, wenn er weiterhin im NHL-Kader der Wild bleiben dürfte.
"Ich weiß, wie es hier ist, das ganze Umfeld kenne ich. Hier kann ich Erfahrung sammeln. Speziell als junger Spieler kann man hier eine Menge lernen und ich fühle mich hier sehr wohl. Mein Teamkollegen sind um mich rum. Sie waren teilweise auch schon in dieser Situation wie ich jetzt und sie wissen, wie man damit umgehen sollte. Im Laufe einer Eishockeykarriere gibt es immer Ups und Downs. Ich komme hier jeden Tag in die Eishalle und ich bin noch jung genug, um dazuzulernen. Manchmal sind es Kleinigkeiten, manchmal geht es darum Positionen zu verstehen. Ich versuche also mein Spiel durchzuziehen und meine Persönlichkeit in Diensten der Mannschaft zu stellen. Wenn man das schafft, dann kommt man größer zurück. Das Wichtigste ist einfach, Geduld und Beharrlichkeit. Und die habe ich", so Rossi.
Evason erklärte am Mittwoch ausführlich die Vorgehensweise der Wild.
"Es ist ein Verfahren, ob ein junger Spieler in der Aufstellung steht oder nicht. Es haftet dem Spieler nichts Negatives an, wenn er einmal nicht spielt. Das bedeutet ja nicht, dass er die ganze Saison über nicht mehr berücksichtigt wird. Manchmal gibt es ganz viele verschiedene Gründe hierfür. Wenn ein Spieler in einem solchen Szenario etwas Positives finden kann, dann wird es auch eine positive Wirkung auf ihn haben. Wenn er dann wieder reinkommt und das korrigiert, warum er außen gesessen ist, warum nicht? Wir erhoffen uns, dass junge Spieler hungrig zurückkommen und nicht wieder die gleichen Fehler begehen. Wir arbeiten individuell mit jedem Spieler, dem das passiert ist und wünschen uns, dass er bereit ist, sobald der Puck fällt", so der Coach.

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Positiv bleiben ist also, wie in vielen Bereichen des Lebens, die Prämisse!