Marc Michaelis primary

International Ice ist die wöchentliche Serie von NHL.com/de mit Themen, die über das aktuelle Geschehen in der NHL hinausgehen und den Blick schwerpunktmäßig auf Spieler, Klubs und Nationalteams in Europa richten.

In dieser Ausgabe: Marc Michaelis und sein Neuanfang bei den SCL Tigers in der Schweiz
Nach zwei schwierigen Jahren in Nordamerika hat der Mannheimer Marc Michaelis in der Schweiz sein neues Glück gefunden. Bei Halbzeit der regulären Saison 2022/23 führt er bei den SCL Tigers aus der National League die teaminterne Scorerwertung an. Darüber hinaus wurde ihm dieser Tage eine besondere Ehre zuteil. Als einer von drei ausländischen Gastspielern verstärkt er in der letzten Dezember-Woche den HC Davos beim traditionsreichen Spengler Cup.
Michaelis fühlt sich nach eigenen Angaben in seiner Wahlheimat Langnau im Emmental rundum wohl. "Es macht unheimlich Spaß hier. Alle haben mich super aufgenommen. Viele Leute im Ort kannten mich schon, noch bevor ich überhaupt eine Minute gespielt hatte. Weil ich beim Bäcker oder in der Bank immer Hochdeutsch gesprochen habe, wussten sie gleich wer ich bin", erzählte er vor Kurzem bei einem Interview mit MySports.

Marc Michaelis 1

Im Juni setzte der 27 Jahre alte Angreifer sein Autogramm unter einen Einjahresvertrag bei den SCL Tigers. Der Klub hatte sich laut Michaelis hartnäckig um seine Dienste bemüht. "Die Entscheidung hat sich im Sommer richtig angefühlt und fühlt sich nach wie vor richtig an", sagte er über den Schritt, seine Profikarriere in der Schweiz fortzusetzen. Die National League habe ihn gereizt, nicht zuletzt wegen der vielen starken Spieler, die aus der Kontinental Hockey League (KHL) dorthin gewechselt sind.
Darüber hinaus gab es handfeste persönliche Gründe für den Schritt. "Als klar war, dass ich nach Europa zurückkehre, wollte ich zu einer Mannschaft, bei der ich viel spiele und viel Verantwortung habe. Die Offiziellen in Langnau haben mir das zugesagt. Von daher wusste ich, dass man mir hier wirklich die Chance gibt, wieder mein bestes Niveau zu erreichen", erläuterte Michaelis.
Den Vertrauensvorschuss hat der variabel einsetzbare Stürmer bereits in den ersten Monaten der regulären Saison zurückgezahlt. Mit 26 Punkten (neun Tore, 17 Assists) aus 27 Einsätzen ist er erfolgreichster Scorer seiner Mannschaft. Mit einer durchschnittlichen Eiszeit von 19:48 Minuten rangiert er an vierter Stelle.
Ähnliches: [Rieder und Kühnhackl liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen\]
Trotz der guten Scorerwerte ist Michaelis mit seinem Spiel nicht restlos zufrieden. "Der Weg zeigt in die richtige Richtung. Aber ich bin immer noch nicht dort, wo ich gerne sein möchte", betonte er.
Doch eines hat Michaelis inzwischen geschafft. Mit seinen Auftritten beim SCL ist es ihm gelungen, die zwei enttäuschenden und von Verletzungen geprägten Spielzeiten in der NHL und der AHL vergessen zu machen.
Nach überzeugenden Vorstellungen im College-Bereich waren die Vancouver Canucks auf den Deutschen aufmerksam geworden. Sie statteten ihn mit einem Einjahresvertrag für 2020/21 aus. Die Liaison stand allerdings unter keinem guten Stern. "Die Zeit in Vancouver hatte ich mir anders vorgestellt, um ehrlich zu sein. Dass meine erste NHL-Saison so sehr von Corona geprägt wurde, war hart. Es gab keine Fans, die Spiele fanden nur innerhalb der Divison statt. Deshalb habe ich in diesem Jahr nur sechs andere Städte gesehen und außerdem die meiste Zeit in der Taxi Squad verbracht. Da war ich im Training immer nur mit vier, fünf anderen Spielern zusammen und nicht mit dem gesamten Team. Rückblickend war das die schwierigste Phase meiner Laufbahn", berichtete Michaelis über sein Premierenjahr in Nordamerikas Eliteklasse.

Van 2020

Eine Corona-Infektion und eine Gehirnerschütterung taten ein Übriges, dass ihm der Durchbruch bei den Canucks verwehrt blieb und er keinen Anschlussvertrag erhielt. 15 Auftritte ohne Scorerpunkt hatte er am Saisonende zu verzeichnen.
Ähnlich unglücklich verlief die Saison 2021/22 bei den Toronto Marlies in der AHL. Wegen einer schweren Verletzung fiel Michaelis fünf Monate aus und konnte deshalb nur 22 Partien für die Talentschmiede der Maple Leafs absolvieren. Immerhin deutete er mit 13 Punkten (fünf Tore, acht Assists) seine Offensivqualitäten an.
In Langnau ist es ihm nun innerhalb kurzer Zeit gelungen, sein Stürmerpotenzial voll zu entfalten. Erklärtes Ziel von Michaelis und den SCL Tigers ist es, mindestens die Pre-Playoffs in der National League zu erreichen. Derzeit liegt die Mannschaft als Tabellenzehnter im Soll.
Durch seine starken Auftritte in Langnau hat sich Michaelis mittlerweile ligaweit einen Namen gemacht. Aus diesem Grund nominierte ihn der HC Davos in dieser Woche als einen von drei ausländischen Gastakteuren für den Spengler Cup. Das Traditionsturnier wird vom 26. bis 31. Dezember ausgetragen wird. In den vergangenen zwei Jahren konnte es wegen Corona nicht stattfinden.
Michaelis und der HCD treffen in der Group Cattini auf Titelverteidiger Team Canada und Sparta Prag aus Tschechien. In der Group Torriani kommt es zu Begegnungen zwischen dem HC Ambri-Piotta aus der Schweiz, Örebro HK aus Schweden und dem finnischen Vertreter IFK Helsinki.