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Draisaitl zeigt Edmonton und auch sich den Weg

Für den deutschen Center steht trotz herausragender eigener Leistungen weiterhin nur die Mannschaft im Vordergrund

von Stefan Herget @NHLde / NHL.com/de Freier Chefautor

Draisaitl baut Punkteserie aus

EDM@CAR: Draisaitl schießt perfekt ein

Leon Draisaitl räumt den freien Puck auf und bezwingt James Reimer im kurzen Eck zum 1:1 im 1. Drittel

  • 00:40 •

Die deutschen Eishockey-Fans kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, wenn sie auf die Statistikseiten der NHL blicken. Am Wochenende baute Leon Draisaitl aus Köln seine Führung im Rennen um die Art Ross Trophy für den besten Scorer der regulären Saison durch zwei Tore und drei Assists auf 13 Punkte aus, gegenüber David Pastrnak von den Boston Bruins, der am Sonntag ohne Punkt geblieben war. Draisaitl sammelte 95 Punkte (34 Tore, 61 Assists) in 59 Spielen dieser Saison. Eine unglaubliche Zahl, und er scheint nicht müde zu werden, was sich gerade jetzt für die Edmonton Oilers auszahlt.

Es sind noch 23 Spiele zu absolvieren und es kann viel passieren, aber sollte Draisaitl von einer Verletzung verschont bleiben, dürfte er nur noch schwer vom sensationellen ersten Platz verdrängt werden, den vor ein paar Jahren niemand zu wagen gehofft hatte. Es wäre phänomenal, wenn ein deutscher Spieler in der besten Liga der Welt mit so vielen Stars aus Kanada, der USA, Osteuropa, Russland und Skandinavien der beste Scorer 2019/20 werden würde.

Als sich sein größter Konkurrent um diesen Titel Connor McDavid am 8. Februar in der Partie gegen die Nashville Predatos am linken Quadrizeps-Muskel verletzte und für zwei bis drei Wochen auszufallen drohte, war Draisaitl kaum zum Jubeln zumute. Schließlich braucht er seinen Teamkollegen für das, in seinen Augen wichtigere Ziel, die Qualifikation für die Stanley Cup Playoffs, mehr denn je. Natürlich ist es für die Oilers leichter, wenn McDavid mitwirkt, aber ohne ihren Kapitän in den Reihen fuhren sie drei Siege in vier Spielen ein, und Draisaitl sammelte in Abwesenheit von McDavid drei Tore und sieben Assists.

Am Sonntag übernahm Edmonton mit dem zweiten Sieg des Back-to-back-Wochenendes, einem 4:3 nach Verlängerung bei den Carolina Hurricanes, die Tabellenführung in der Pacific Division. Einen Punkt liegen sie nun vor den Vancouver Canucks. Der Vorsprung auf einen Platz, der nicht mehr zur Teilnahme an den Playoffs berechtigen würde, beträgt allerdings auch nur fünf Zähler.

In dieser wichtigen Phase fehlt den Oilers nicht nur McDavid, der indes in der Rehabilitation gute Fortschritte macht und vielleicht schon in dieser Woche sein Comeback geben könnte, sondern weitere Schlüsselspieler, wie die Stürmer James Neal, Joakim Nygard und Zack Kassian. Letzterer wurde von der NHL wegen eines Trittes des Gegenspielers mit dem Schlittschuh für sieben Spiele gesperrt und wird noch für fünf fehlen.

"Wir haben viele Spieler im Team, die jetzt mehr Minuten abspulen müssen als sonst", erzählte Draisaitl. "Es ist nicht leicht, immer elf oder zwölf Minuten gespielt zu haben und plötzlich fast 20 Minuten auf dem Eis zu stehen. Sie haben eine beeindruckende Arbeit geliefert. Aber wir meistern das als Team und wollen das am Laufen halten."

Draisaitl geht mit gutem Beispiel voran und befindet sich in einer Punkteserie von fünf Spielen mit zwölf Zählern. Am Samstag beim 4:1-Auswärtssieg gegen die Florida Panthers erreichte der 24-jährige Center ein Tor und einen Assist und am Sonntag in Carolina erzielte er in der 7. Minute den 1:1-Ausgleich, nachdem die Hurricanes bereits nach zwölf Sekunden in Führung gegangen waren. Er legte zwei weitere Tore auf, unter anderem den Siegtreffer durch Josh Archibald in der Verlängerung.

Video: EDM@FLA: Draisaitl fasst nach Yamamotos Schuss nach

"99 von 100 Möglichkeiten wird er den Puck zu dir bringen, von daher musst du bereit sein", betonte Archibald, der nach 3:57 Minuten in der Overtime traf, als Draisaitl ihm den Puck, an einem Verteidiger vorbei, vor das Tor optimal servierte. "Ich hatte das Glück, ihn heute reinzumachen."

"Leon hat sich derzeit das Team auf den Rücken geschnallt und spielt unglaublich für uns", fuhr Archibald weiter fort. Auch Oilers-Trainer Dave Tippett würdigte entsprechend, welche Leistung Draisaitl aufruft. "Den Einfluss, den er auf das Spiel hat, ist unglaublich", macht der Coach klar.

"Er findet einfach einen Weg, gleich ein paar Verteidiger zu bezwingen", schwärmte Oilers-Verteidiger Darnell Nurse über den Mann mit der Nummer 29. "Es ist nicht nur seine Offensive. Wenn man die paar letzten Spiele anschaut, dann ist es die Art, wie er checkt und sich hinten in gute Positionen bringt, um schnell umzuschalten."

Dass bei alledem und insbesondere den Lobeshymnen über ihn, bei Draisaitl weiterhin nur die Mannschaft im Vordergrund steht, erkennt man daran, dass er ausschließlich über das Team und nicht über sich selbst spricht, wenn er interviewt wird. 

Beispiele gefällig? "Alle vier Spiele, in denen er gefehlt hat, haben wir sehr solides und allumfassendes Eishockey gespielt", analysierte Draisaitl die Partien ohne McDavid. "Das zeigt viel vom Charakter. Jungs wie [Archibald] oder wer auch immer, sie füllen ihre Rolle aus. Hut ab vor diesen Jungs."

"Wir versuchen das (drei Spiele in vier Tagen) nicht als Entschuldigung zu nehmen. Wir nehmen diesen Wettbewerb hier an. Wir mögen es in diesen Spielen anzutreten, wo die Leute nicht so viel von uns erwarten. Wir sind ein Team, das der Eishockeywelt zeigen möchte, dass wir hier eine großartige Gruppe sind."

Das Wort "Ich" sucht man in den Ausführungen vergebens, obwohl er allen Grund dazu hätte. Das macht ihn bereits jetzt zu einem wahrlich großen Mannschaftssportler. Durch die Leistungen, die er auch ohne McDavid abgerufen hat, ist Draisaitl nicht nur auf dem Weg die Art Ross Trophy zu gewinnen, sondern wird auch als heißer Kandidat auf die Hart Trophy für den wertvollsten Spieler der regulären Saison hoch gehandelt. 

Wie es auch weitergeht, für Draisaitl bleibt der Erfolg mit den Oilers das vordergründige Ziel.

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