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Es ist kaum zu glauben, wie gut sich Leon Draisaitl bei den Edmonton Oilers in den vergangenen rund fünf Jahren entwickelt hat.

In seiner Premierensaison 2014/15 durfte der beim NHL Draft 2014 an Nummer drei ausgewählte Center nur die ersten drei Saisonmonate im NHL-Kader der Organisation aus Alberta auflaufen, inzwischen ist er von dort gar nicht mehr wegzudenken. Er hat sich im Laufe der folgenden Spielzeiten schrittweise zu einem absoluten Top-Spieler der Oilers, ja der gesamten Liga entwickelt.
Nach lediglich 37 Einsätzen (zwei Tore, sieben Assists) in der Spielzeit 2014/15 gelangen ihm im Jahr darauf 19 Tore und 32 Vorlagen in 72 Spielen. Der Bann war für den Jungspund endgültig gebrochen. Es folgten Runden mit 77 und 70 Zählern aus 82 bzw. 72 Saisoneinsätzen. Draisaitl wurde zur Stammkraft mit soliden Offensivstatistiken.

Draisaitl holt 110 Punkte zum Gewinn der Ross Trophy

Die vergangenen beiden Spielzeiten verliefen für den talentierten Center wie ein wahr gewordener Traum für. Auf 105 Punkte in der Saison 2018/19 folgten 110 in der am 12. März aufgrund von Bedenken wegen des Coronavirus abgebrochenen Hauptrunde. Ein Ende dieses Aufwärtstrends ist nicht auszumachen. Seine besten Jahre dürften noch vor ihm liegen, so die Entwicklung nicht durch schwere Verletzungen oder ähnliche unplanmäßige Rückschläge unterbrochen wird.
Neuester Beleg für das moderne deutsche Eishockeymärchen war seine Nominierung für die Hart Memorial Trophy am vergangenen Dienstag (wir berichteten ausführlich), mit welcher der wertvollste Spieler der regulären Saison ausgezeichnet wird.
Wie beim Ted Lindsay Award, der Wahl des besten Profis der regulären Saison durch die Spielergewerkschaft NHLPA, fällt die Entscheidung, wer die Hart überreicht bekommt, zwischen Draisaitl, Nathan MacKinnon von den Colorado Avalanche und Artemi Panarin von den New York Rangers.
Draisaitls Statistikwerte in 2019/20 sprechen Bände. 43 Tore und 67 Assists aus 71 Begegnungen ist die Ausbeute eines absoluten Ausnahmestürmers, die ihm zugleich als ersten in Deutschland geborenen Spieler die Art Ross Trophy einbrachte, die jenem Spieler verliehen wird, der am Ende der regulären Saison die NHL-Scorerwertung anführte.

Edmonton Oilers: Bereit f�r mehr!

In 56 seiner 71 Spiele ergatterte der gebürtige Kölner mindestens einen Zähler auf dem Spielberichtsbogen. In 33 Partien der abgelaufenen Saison verbuchte Draisaitl sogar mehr als einen Scorerpunkt.
Der 24-Jährige rangierte ligaweit auf dem ersten Platz der Vorlagengeber und bei den Powerplay-Punkten (44). Unter allen Stürmern der NHL war er mit 1.605:24 Minuten der meisteingesetzte und mit durchschnittlich 22:37 Minuten Eiszeit pro Spiel ebenfalls spitze.
Nun könnte er nach Wayne Gretzky, Mark Messier und Connor McDavid der vierte unterschiedliche Spieler aus Edmonton werden, der die Hart Trophy gewinnt.
Man ist kein Prophet, wenn man behauptet, dass die Leistungen von Draisaitl in der am 1. August beginnenden Qualifikationsrunde für die Stanley Cup Playoffs für die Oilers von entscheidender Bedeutung sein werden.
Der gebürtige Kölner, der sich in wenigen Jahren zu einem Superstar im Eishockeysport mauserte, hat zweifelsohne das Format, gemeinsam mit seinem Sturmkollegen Connor McDavid, die Oilers in naher Zukunft zu ganz großen Triumphen zu führen.
Warum sollte Draisaitl, so wie er sich in der regulären Saison präsentiert hat, am Ende nicht auch dazu in der Lage sein Team bereits in diesem Jahr bis in das Stanley Cup Finale zu führen und sich für den Gewinn der Conn Smythe Trophy als Playoff-MVP empfehlen?
Es spricht nicht wirklich etwas dagegen, zumal die entscheidenden Spiele der Saison allesamt im Rogers Place von Edmonton stattfinden werden, der den Oilers als Heimspielstätte vertraut ist.

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Draisaitl wollte von solch weitgehenden Träumen noch nichts wissen, konzentriert sich stattdessen lieber, wie es bei Spitzensportlern gang und gäbe ist, auf die nächsten anstehenden Herausforderungen:
"Jeder Spieler versucht jeden Sommer sich zu verbessern und ein besserer Spieler zu werden", sagte er in einer Medienschalte am Dienstag. "Da bin ich nicht anders. Das versuche ich jedes Jahr. Diese Saison hat es funktioniert. Hoffentlich können wir das als Team mit in die Playoffs bringen."
Denn vor dem Erreichen der Stanley Cup Playoffs steht für Edmonton zunächst noch eine Best-of-5-Serie gegen die Chicago Blackhawks in der Stanley-Cup-Qualifikation an. Und obwohl die Oilers als Fünfter der Western Conference und damit als topgesetztes Team in die Qualifikationsrunde gehen, die Platzierungsrunde der ersten vier in der Conference nur knapp verpassten, und mit den Blackhawks eine vermeintlich lösbare Aufgabe vor sich haben, weiß Draisaitl, dass man im Spitzensport immer ein Ziel nach dem nächsten angehen muss, um erfolgreich zu sein.
"Das ist ein Team mit viel Erfahrung. Sie wissen, wie man Playoff-Serien gewinnt. Das ist ein starker Gegner", so Draisaitl über die Blackhawks, die in den Jahren 2010, 2013 und 2015 den Stanley Cup gewinnen konnten.
Drei Siege benötigen die Oilers, um diese Hürde zu nehmen. Das ist jedoch nur ein Nahziel für Draisaitl. Letztendlich geht es für ihn und seine Teamkameraden darum nach den Sternen zu greifen und den Stanley Cup zu gewinnen.
Vielleicht wird dem Eishockeymärchen bereits in dieser Saison ein weiteres Kapital hinzugefügt.