Jaromir Jagr for Q and A April 1 26

WILLOW GROVE, Pennsylvania – Jaromir Jagrs einzige Saison bei den Philadelphia Flyers liegt zwar schon über eine Dekade zurück, doch die Fans in der Region verehren die Eishockeylegende nach wie vor. Mehr als 300 Menschen drängten sich am Samstag in der Willow Grove Mall, etwa 50 Kilometer nördlich von Philadelphia, um ein Foto und ein Autogramm zu ergattern.

„Ich habe immer gesagt, als ich hier gespielt habe, dass die Fans grundehrlich sind. Sie verstehen den Sport. Nicht nur Eishockey, sondern auch American Football, Basketball und Baseball. Es ist eine sehr sportbegeisterte Stadt“, erklärte Jagr.

In der Saison 2011/12 brachte er es bei den Flyers in 73 Spielen auf 54 Punkte (19 Tore, 35 Assists) und in elf Auftritten in den Stanley Cup Playoff gelangen ihm acht weitere Zähler (ein Tor, sieben Assists). Es war das Jahr seiner Rückkehr in die NHL, nachdem er die drei vorangegangenen Saisons für Omsk in der Kontinental Hockey League (KHL) gespielt hatte.

Davor hatte er 17 NHL-Saisons absolviert, darunter die ersten elf (1990–2001) bei Philadelphias Erzrivalen, den Pittsburgh Penguins. In jener Zeit erzielte er 69 Punkte (20 Tore, 49 Assists) in 50 Partien gegen die Flyers – mehr als jeder andere Spieler in der NHL.

„Ich war etwas überrascht, denn als ich in Pittsburgh spielte, war die Rivalität zwischen beiden Teams immer sehr groß“, sagte Jagr. „Ich wurde oft ausgebuht, als ich für Pittsburgh spielte, aber als ich hierherkam und für die Flyers auflief, gab es viel mehr Zuneigung von den Fans, als ich erwartet hatte. Ich habe das Eishockey hier wirklich genossen. Es gab viele gute, intelligente Spieler. Wir hatten eine tolle Saison und hätten noch mehr erreichen können. Aber es sollte einfach nicht sein.“

Jagr with flyers fans

Die Flyers verloren in fünf Spielen gegen die New Jersey Devils im Halbfinale der Eastern Conference, und Jagr unterschrieb für die Saison 2012/13 bei den Dallas Stars. Er spielte bis 2017/18 in der NHL, bevor er zu seinem Heimatverein Kladno in die Extraliga, die höchste tschechische Klasse, zurückkehrte.

Der 54-Jährige unterhielt sich mit NHL.com darüber, ob er weiterhin aktiv Eishockey spielen will, inwieweit er die NHL noch verfolgt und welche Spieler er gerne beobachtet.

Du hast diese Saison sechs Spiele für Kladno bestritten, das letzte war am 21. Dezember. Bist du im Ruhestand?
Nicht offiziell. Es macht für mich in meinem Alter aber nicht mehr so viel Sinn, intensiv zu trainieren und mich vorzubereiten, um dann maximal zwölf Minuten pro Spiel auf dem Eis zu stehen. Dazu kommen ja noch die Reisen und vieles andere. Das Spiel an sich gefällt mir nach wie vor, aber ich weiß nicht, wie lange ich noch aktiv sein will und kann. Ich möchte ja auch mein Leben abseits des Sports genießen.

Wie viel NHL kannst du zu Hause in Tschechien schauen?
Ich habe mir die Olympischen Spiele angeschaut. Da waren ja viele NHL-Spieler dabei. Wegen des Zeitunterschieds ist es sonst schwierig, die Spiele live zu sehen. Außer samstags und sonntags, wenn Nachmittagsbegegnungen in der NHL stattfinden, schaue ich nicht viel. Letztes Jahr war ich beim Stanley Cup Finale in Florida. Und demnächst bin ich in Miami. Vielleicht fahre ich dann auch mal nach Sunrise zu einer Partie.

Du hast von 2015 bis 2017 für die Panthers gespielt, und einige deiner damaligen Teamkollegen sind immer noch dabei. Freut es dich, wie sich die Mannschaft entwickelt hat und dass sie zwei Stanley Cup Siege in Folge errungen hat?
Als ich dazukam, waren junge Stars wie Barkov und Ekblad schon da. Dann haben sie Spieler dazu geholt, mit denen ich andernorts zusammengespielt hatte. Sam Bennett zum Beispiel aus Calgary. Wir spielten in derselben Reihe. Matthew Tkachuk war auch da, ein junger Kerl. Er war damals 19. Es ist toll zu sehen, wie sie sich weiterentwickelt haben.

Als ich in Calgary war, galt Sam Bennett als Arbeiter in der dritten Reihe. Jetzt gehört er in Florida zu den Top 6, und ich denke, er ist sogar noch besser. Die wirklich guten Leute können mit dem Puck unter Kontrolle durch die neutrale Zone fahren und ihre Gegenspieler im Eins-gegen-Eins ausspielen. Bennett kann das auch und hat viele damit überrascht, die in ihm nur den harten Kerl in der dritten Reihe sahen, der defensiv agiert.

Ekblad Jagr Barkov

David Pastrnak ist der Topscorer unter den aktiven NHL-Spielern aus Tschechien. Wie siehst du ihn?
Er ist der größte Star Tschechiens, zusammen mit Martin Necas. Pastrnak war die letzten zehn Jahre der Beste. Er hat den Goldenen Schläger, die Auszeichnung für den besten tschechischen Eishockeyspieler, sieben oder acht Mal in Folge gewonnen. Niemand kam ihm auch nur annähernd nahe. Und er hat es auf eine andere Art und Weise geschafft als ich. Bei mir ging es mehr um Kraft, bei ihm mehr um Technik. Er spielt sehr trickreich und elegant. Es ist schön, ihm zuzusehen. Er ist intelligent, geschmeidig und technisch versiert. Genau das braucht man im heutigen Eishockey und in der NHL.

BOS@BUF: Pastrnak erzielt per Direktabnahme im rechten Faceoffkreis das 1:0

Was fällt dir an der NHL heute im Vergleich zu deiner aktiven Zeit besonders auf?
Das Spiel ist weniger körperbetont, dafür schneller geworden, die Regeln haben sich geändert. Es gibt nicht mehr so viel Verteidigung. Alle sagen: ‚Oh, die Spiele sind viel schneller geworden.‘ Ich sehe das etwas anders. Die Jungs, die damals bereits gespielt haben, sind heute noch genauso schnell. Sid (Crosby) beispielsweise ist mit fast 40 immer noch einer der schnellsten Spieler. Am anstrengendsten sind die Eins-gegen-Eins-Duelle an der Bande. Die machen einen wirklich müde.

Alex Ovechkin befindet sich in der letzten Saison seines Vertrags und es besteht die Möglichkeit, dass er danach seine Karriere beendet. Du hast gegen ihn gespielt. Was denkst du, wenn sein Name fällt?
So lange zu spielen und so lange so effektiv zu sein, ist eine besondere Gabe. Das bedeutet Talent und die Fähigkeit zu besitzen, sich an Situationen anzupassen, sich den Veränderungen im Spiel zu stellen. Das Spiel verändert sich. Die ganze Welt verändert sich. Die Technologie verändert sich, und man passt sich an. Man ist nicht mehr derselbe Spieler wie vor 20 Jahren, aber man ist immer noch effektiv. Man findet einen Weg. Ich glaube, die Leute wissen das nicht genug zu schätzen. Man muss sehr clever sein und verstehen: ‚Okay, ich werde nicht mehr der Spieler sein, der ich vor 20 Jahren war, aber wie kann ich trotzdem ein Star sein?‘ Leute wie er schaffen das.