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Florence Schelling hatte damit gerechnet, dass ihre Ernennung zur Sportchefin des SC Bern für Aufsehen sorgen würde. Doch das Ausmaß der Reaktionen überraschte sie dann doch. "Das war wirklich verrückt", sagte sie am Freitag in einem Telefongespräch mit NH.com. "Ich bekam unzählige Anrufe und Nachrichten und musste eine Menge Interviews geben. Es war überwältigend."

Die 31-Jährige ist die erste Frau in dieser Funktion bei einem Klub der Schweizer National League. Die frühere Torhüterin hatte ihre Karriere 2018 beendet. In ihrer aktiven Zeit gehörte sie zu den Stützen des Schweizer Nationalteams. Sie trat bei elf Weltmeisterschaften und drei Olympischen Spielen für die Auswahl ihres Landes an. Bei Olympia 2014 in Sotschi hatte sie großen Anteil daran, dass die Schweiz die Bronzemedaille gewann und wurde zum MVP des Turniers gekürt.
Schelling ist Druck gewohnt. Ende März erhielt sie einen Anruf von Marc Lüthi, dem CEO des SC Bern. Er sagte ihr, dass sie eine heiße Anwärterin für den Job der Sportchefin sei. Zunächst glaubte sie an einen Scherz.
"Ich hatte einen solchen Job zwar für später mal im Hinterkopf, ihn aktuell aber nicht angestrebt. Ich war als Trainerin ausgelastet und zufrieden", erzählte sie. "Als ich dann den Zuschlag bekam, war ich zunächst platt. Ich habe dann aber nicht lange überlegt und zugesagt."

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Schelling ist die einzige Frau, die es bislang als Spielerin in die Nationalliga B bei den Männern geschafft hat. Nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn trainierte sie das Schweizer U18-Nationalteam der Frauen. Im Februar hospitierte sie für eine Woche in Boston bei ihrem früheren Coach Dave Flint an der Northeastern University.
Sie trug alle Kosten, nur um die Chance zu haben, etwas dazuzulernen. Auch wenn Flint erstaunt war, als Schelling ihm die Nachricht von ihrer neuen Aufgabe überbrachte, sieht er sie am richtigen Platz. "Sie bringt alles dafür mit. Sie kniet sich voll rein und will den Unterschied machen", so Flint. "Sie fragt sich immer, was sie tun kann, um noch besser zu werden. Jetzt hat sie die Möglichkeit, allen zu beweisen, was sie draufhat."
Schelling nahm am Dienstag ihre Arbeit auf, kurz nachdem sie nach Bern umgezogen war. Wegen des Coronavirus gehen die Geschäfte allerdings nicht ihren normalen Gang. Sie musste Strategien mit den Berner Spielern entwickeln, wie man mit der momentanen Situation am besten umgeht.
"Ich muss einen Schritt nach dem anderen machen", meinte sie. "Natürlich ist das derzeit eine ungewöhnliche Zeit mit dem Coronavirus. Normalerweise hätten wir langsam mit dem Off-Ice-Training begonnen. Bei all den derzeit geltenden Einschränkungen müssen wir aber überlegen, was die Spieler überhaupt tun können, um in Form zu bleiben. Es geht darum, eine optimale Lösung für alle zu finden."