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Die mittleren werden die ersten sein

Seit Einführung des aktuellen Playoffmodus, konnte nie ein Divisionerster ins Playofffinale einziehen

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

Die reguläre Saison neigt sich dem Ende zu und es zeichnet sich immer deutlicher ab, welche Teams in den Playoffs antreten werden. Während einige Teams in den letzten Spielen noch punkten müssen, haben sich andere bereits sicher qualifiziert und können sich zurücklehnen. Oder können sie das? Auch die Teams die ihren Platz in den Playoffs bereits sicher haben, die Washington Capitals, Columbus Blue Jackets, Pittsburgh Penguins und Chicago Blackhawks, kämpfen weiter, wie auch einige Spieler der Blue Jackets nach ihrem entscheidenden Spiel für den Startplatz unter den besten 16 Teams bestätigten.

"Wir nehmen den Fuß nicht vom Gas", erklärte Stürmer Matt Calvert. "Wir jagen immer noch nach dem Spitzenplatz der Liga und darauf werden wir uns für den Rest der regulären Saison konzentrieren. Wir werden versuchen in den Playoffs so viele Spiele wie möglich vor unseren eigenen Fans zu bekommen."

Dabei geht es zum einen sicherlich um die Ehre und das Prestige, am Ende der regulären Saison so weit oben wie möglich zu stehen. Doch auch eine andere Überlegung steckt dahinter. Wer an der Spitze der Division steht, hat in der ersten Runde einen vermeintlich leichteren Gegner, einen leichteren Weg zum Finale und bessere Chancen auf den Stanley Cup. Doch was ist dran, an dieser Theorie?

Seit der Saison 2013-14 gibt es den aktuellen Modus zur Verteilung der Playoffplätze mit den Wild Cards. Die ersten drei jeder Division qualifizieren sich sicher und die Teams, die nach Punkten auf Rang sieben und acht beider Conferences liegen, qualifizieren sich per Wild Card. In der ersten Runde trifft dann in jeder Conference der punktbessere Divisionerste auf das schwächere Wild Card Team und umgekehrt. In den anderen beiden Partien treffen je der Zweite und Dritte der Division aufeinander.

Auf dem Papier sieht es also klar so aus, als wäre es ein deutlicher Vorteil, sich den ersten Platz zu sichern. Doch wie ging das in den drei Jahren, seit dieser Modus in Kraft ist, aus?

In den Playoffs 2014 schieden alle Wild Card Teilnehmer in den ersten beiden Runden aus, aber überraschenderweise schaffte es auch kein Gruppenerster über die zweite Runde hinaus. Colorado scheiterte als bestes Team der Central Division gar in der ersten Runde gegen die Minnesota Wild. Im Finale trafen am Ende die New York Rangers (Platz 2 Metropolitan) auf die Los Angeles Kings (Platz 3 Pacific) und die Kings holten den Titel.

In der darauffolgenden Saison schafften es wenigstens zwei Gruppensieger, die New York Rangers und die Anaheim Ducks ins Conference Finale, scheiterten dort aber an den Tampa Bay Lightning (Platz 2 Atlantic) und den Chicago Blackhawks (Platz 3 Central) und die Blackhawks holten den Titel. Die Minnesota Wild entpuppten sich wieder als Favoritenschreck, indem sie in Runde eins die St. Louis Blues eliminierten.

In den letztjährigen Playoffs riss die Serie der Wild, die sich wieder per Wild Card qualifiziert hatten, doch zwei andere Wild Card Gewinner, die New York Islanders und Nashville Predators, konnten in der ersten Runde Gruppensieger bezwingen und erneut kam weder ein Divisionerster, noch ein Wild Card Team über die zweite Runde hinaus. Am ende holten die Pittsburgh Penguins (Platz 2 Metropolitan) im Finale den Titel gegen die San Jose Sharks (Platz 3 Pacific).

Schaut man sich also die letzten drei Playoffs an, zeigt sich: Wild Card Teams haben tatsächlich schlechte Karten und kamen bisher nie über die zweite Runde hinaus, brachten aber schon einige Gruppensieger zu Fall. Divisionerster, oder gar Sieger der Conference zu werden, ist keine Garantie auf einen erfolgreichen Lauf durch die Playoffs. Am erfolgreichsten waren tatsächlich die Teams, die vor den Playoffs Rang drei ihrer Division belegten, gefolgt von denen auf Rang zwei.

Woran das liegen mag, darüber kann man nur spekulieren. Ob sich die Divisionersten in der Hauptrunde zu sehr verausgaben und andere sich ihre Kraft besser einteilen, ob sie überheblich werden, oder mit dem Druck der Favoritenrolle nicht klar kommen, oder andere Gründe dafür verantwortlich sind, wie die Playoffs in den letzten Jahren liefen, man weiß es nicht.

Was aber klar ist: Vor uns liegen wieder spannende Playoffs, in denen eine Favoritenrolle auch das Aus bedeuten kann. Kann einer der Gruppensieger den Fluch brechen, oder überrascht ein Wild Card Gewinner? Oder setzt sich der Trend fort? In wenigen Wochen werden wir die Antwort bekommen.

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