Stutzle

Im Rahmen der European Player Media Tour 2026 führte NHL.com/de zahlreiche Interviews mit deutschsprachen NHL-Profis. In dieser Ausgabe: Tim Stützle von den Ottawa Senators

Hallo Tim! Was war das Schönste an Deinem Sommer?

Ich denke, die Zeit mit meiner Familie. Es ist schwer, nur eine Sache herauszugreifen, denn sonst wären meine Freunde sauer auf mich. Ich war auch mit Mo (Moritz Seider) und einem meiner besten Freunde auf Mallorca, was ziemlich cool war. Mit ein paar Jungs aus Ottawa waren wir in Schottland. Und dann war ich noch vier Tage mit meinen Eltern unterwegs. Ich kann hier also nichts auslassen.

Wie wichtig war nach einer aufregenden Saison eine mentale Pause?

Für mich geht so eine mentale Pause schon da los, dass ich mein Sommertraining wo anders als Zuhause machen kann. Dieser Wechsel der Szenerie tut mir gut. Ich habe auch nicht jeden Tag denselben Trainingsplan, sondern verändere immer wieder irgendetwas. Das hilft mir mental. So bereite ich mich auf die neue Saison vor und breche aus dem Alltagstrott aus.

Wie genau sieht Dein Trainingsplan aus?

Ich arbeite schon seit im fünften Jahr mit demselben Off-Ice-Trainer zusammen. Es passt zwischen uns, er kennt meinen Körper schon recht gut. Normalerweise stehe ich um sieben Uhr auf, frühstücke und starte meine Routinen. Diese wechseln vor jedem Workout, je nachdem, ob ich den Ober- oder Unterkörper trainiere. Mal geht es um Geschwindigkeit, mal Krafttraining mit anschließender Physio-Behandlung, was großartig ist, denn es hilft dir bei Verletzungen oder bei der Prävention. Ich hatte das Glück, mit Mo (Seider) trainieren zu können. Das hat viel mehr Spaß gemacht, als alleine.

Wie habt Ihr Euch gegenseitig angetrieben?

(Lacht) Wir haben ein paar Wettkämpfe gemacht. Beim Toreschießen gegen einen Verteidiger würde ich aber niemals angeben. Wir konnten mit den Adlern Mannheim aufs Eis gehen, was ziemlich cool war. Wir konnten uns in Form bringen und uns auf die Saison vorbereiten. Mo und ich treiben uns gegenseitig an. Jeder will der Beste sein. Aber wir sind auch richtig enge Freunde. Ich würde ihn als einen meiner besten Freunde bezeichnen. Ich wünsche ihm immer nur das Beste. Aber wenn wir im Kraftraum oder auf dem Eis gegeneinander antreten, möchte jeder gewinnen.

Wie sehr freust du dich auf die NHL Global Series Germany in Düsseldorf im Dezember?

Ich freue mich wirklich schon sehr darauf! Ich fühle mich geehrt, Ottawa in Deutschland repräsentieren zu dürfen. Die NHL hat viel Zeit und Arbeit investiert, um das alles aufzustellen. Leon (Draisaitl) und JJ (Peterka) werden in ihren Geburtsstädten spielen, was großartig für sie und das deutsche Eishockey ist. Es wird auch der DEL helfen und den Sport wachsen lassen. Ich freue mich schon darauf, meinen Mitspielern mein Land zu zeigen und sie zum Essen einzuladen. Sie werden sehen, wo ich aufgewachsen bin. Meine Eltern werden vieles organisieren.

Wirf einen Blick auf die fünf schönsten Tore der Senators in der Saison 2025/26

Du wirst also den Tour-Guide geben?

(Lacht) Na klar. Als wir damals in Schweden waren, haben sich unsere Schweden um alles gekümmert. Sie waren mehrere, da war es einfacher, als wenn einer alleine alles macht. Aber ich habe tolle Eltern, die mir immer helfen. Auch unsere Team-Manager sind überragend. Sie werden mir bei der Organisation helfen. Ich bekomme also volle Unterstützung von verschiedenen Jungs und werde mich voll darauf konzentrieren können, Hockey zu spielen.

In Düsseldorf wird es gegen die Chicago Blackhawks gehen, bei denen Patrick Kane zurückgekehrt ist. War er ein Spieler, zu dem du als Kind aufgeschaut hast?

100 Prozent. Mein Vorbild war zwar immer Sidney Crosby, aber natürlich habe ich auch Patrick Kane zugeschaut, so wie er spielt und sich im Powerplay verhält. Er ist einer der besten Passgeber in unserem Sport und einer der besten Spieler. Er gehört einfach nach Chicago. Es wird großartig sein, dass die Blackhawks nach Deutschland kommen.

Was hältst du davon, dass die NHL in den nächsten Jahren so oft in Deutschland vorbeischaut?

Ich bin dankbar dafür, selbst die Chance zu bekommen, in meiner Heimat spielen zu dürfen. Wenn du in diese Liga kommst, dann rechnest du nicht damit, eines Tages vor deiner Familie und deinen Freunden spielen zu dürfen. Das wird für jeden von uns eine coole Erfahrung werden.

Ottawa Senators und Chicago Blackhawks spielen zweimal in Düsseldorf

Das Rheinland und Bayern scheinen die großen Eishockey-Hochburgen in Deutschland zu sein. Wie können auch andere Orte profitieren?

Die NHLPA hat einen großartigen Job gemacht, um unseren Sport überall nach Europa zu bringen. Es gibt Aktionen, bei denen wir Eishockey-Ausrüstung an Kinder stiften. Das wird auch dabei helfen, dass mehr und mehr Kinder in Deutschland mit diesem Sport in Kontakt kommen. Es wird dafür sorgen, dass mehr Spieler entwickelt werden. Ich freue mich auf das, was kommen wird.

Du bist nur noch 53 Partien von deinem 500 NHL-Spiel entfernt. Was bedeutet dir dieser Meilenstein?

Es ist verrückt. Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich kann das gar nicht glauben, dass ich bald meine siebte NHL-Saison spielen werde, wenn ich ehrlich bin. Mit manchen Mitspielern spiele ich seit Tag 1 zusammen - es ist unglaublich, wie lange wir uns schon kennen. Trotzdem ist es erstmal nur ein Meilenstein, denn noch haben wir nichts erreicht. Unser Ziel ist es, zu gewinnen. Dafür werden wir alles geben, was wir haben.

Nachdem die Senators Brady Tkachuk zu den Florida Panthers getradet haben, wie wird sich das auf den Führungsspielerkreis auswirken?

Wenn der Kapitän von Bord geht, dann haben andere Spieler die Chance, diese Lücke zu füllen und selbst mehr Führungsaufgaben zu übernehmen. Wir haben tolle Führungsspieler in dieser Mannschaft. Wir haben so viele Jungs, die schon angeführt haben, obwohl sie keinen Buchstaben auf dem Trikot hatten. Es ist egal, wer das „C“ tragen wird, denn als Kapitän brauchst du immer auch einen guten Kreis an Führungsspielern um dich herum. Wir sind also in guten Händen. Es geht nicht so sehr darum, was du in der Kabine sagst, sondern um das, was du auf dem Eis zeigst.

Auch du wirst als neuer Kapitän gehandelt. Was würde dir ein solches Amt bedeuten - insbesondere in einem kanadischen Team?

Kanada ist so ein großer Eishockey-Markt, und ich liebe Ottawa, seitdem ich hier bin. Wir stehen vor einer strahlenden Zukunft, es ist schön, hier zu sein.

Erlebt alle 34 Tore von Tim Stützle aus der Saison 2025/26 noch einmal

Wie überrascht warst Du, dass sich Euer Co-Trainer Daniel Alfredsson zum großen Rivalen Toronto Maple Leafs verabschiedet hat?

‚Alfie’ und ich hatten immer eine gute Beziehung. Nachdem der Wechsel passiert ist, hatten wir uns schon darüber unterhalten. Für mich und die anderen jungen Spieler war er enorm wichtig. Er liebt Eishockey und ist immer extra lange mit uns auf dem Eis geblieben. Ich bin genauso gestrickt, vielleicht haben wir uns deshalb so gut verstanden. Ich habe ihm natürlich gesagt, dass ich nicht so glücklich damit bin, dass es Toronto geworden ist, aber ich respektiere seine Entscheidung. Er ist jemand, der immer neue Herausforderungen sucht. Er ist ein Legende in Ottawa. Ich habe den höchsten Respekt vor ihm als Spieler und als Mensch. Aber wenn wir gegen ihn spielen, dann möchte ich gewinnen.

Mit William Eklund haben die Senators einen Top-Stürmer verpflichtet, der neben Dir in der ersten Reihe spielen könnte. Wie gut ist Eure Chemie?

Ich bin immer der Erste, der jungen Spielern eine Nachricht schreibt, wenn sie zu uns wechseln oder gedraftet werden. Ich habe mich auch schon mit ihm unterhalten. Er ist auch eng mit „Fabio“ (Fabian Zetterlund), der sich hauptsächlich um ihn kümmern wird, denn sie sind auch im Sommer zusammen. Ich selbst stand noch nicht mit ihm auf dem Eis, werde aber in dieser Saison schon früh vor Ort sein, um mit diesen Jungs auf dem Eis zu sein. Wir wollen, dass sich unsere jungen Spieler nahtlos einfügen. Wir haben großartige Charaktere in der Kabine, die ihnen den Einstieg erleichtern werden. Ich habe schon gehört, dass er (Eklund) sich sehr auf Ottawa freut. Solche Spieler brauchen wir. Und ich freue mich schon darauf, ihn auf dem Eis zu sehen und neben ihm zu spielen.

Auf welche von Eklunds Stärken freust du dich am meisten?

Er ist kein großer Spieler, aber er spielt hart und hat keine Angst in die Ecken oder vors Tor zu gehen oder Zweikämpfe zu führen. Er ist jung, entwicklungsfähig und wird noch viel besser werden. Er ist ein schneller Spieler, der das Tempo mit jedem anderen in dieser Liga mitgehen kann. Er hat viele Fähigkeiten, was er schon in San Jose gezeigt hat. Er wird ein wichtiger Spieler für uns sein.

CHI@SJS: Eklund startet durch und verwandelt seinen Alleingang

Wann ist die Saison 2026/27 für die Ottawa Senators eine erfolgreiche?

Das ist immer schwer zu sagen, aber du willst immer gewinnen. Das ist unser oberstes Ziel. Auch als wir noch im Neuaufbau waren, wollten wir schon immer gewinnen. Wenn du das nicht möchtest, dann hast du in diesem Sport nichts verloren. Der Schlüssel wird für uns sein, dem Prozess zu vertrauen und es Tag für Tag anzugehen. Wir wollen jeden Tag besser werden und als Mannschaft zusammenwachsen. Dann werden wir sehen, was passieren wird.

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