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In Rahmen der European Player Media Tour 2026 führte NHL.com/de zahlreiche Interviews mit deutschsprachen NHL-Profis. In dieser Ausgabe: Nico Sturm von den Minnesota Wild

Hallo Nico! Was war der schönste Moment deines Sommers?

Meine Hochzeit. Meine Frau in ich sind seit zehn Jahren zusammen. Es war schön, beide Familien zusammen zu haben. Wir haben in Minneapolis geheiratet. Sogar meine Großeltern sind gekommen. Es hat einfach so viel Spaß gemacht. Die Trauung war in einer Eagle Brook Church, danach hatten wir eine kleine, intime Feier und ein Abendessen nur mit unseren Familien. Am nächsten Tag gab es einen großen Empfang mit College-Freunden und Leuten, die wir kennen.

Ein Meilenstein abseits des Hockey-Sports also…

Ich betrachte gerne das große Ganze neben dem Sport. Hockey ist mein Beruf, in den ich täglich meine ganze Zeit und Energie stecke. Aber ich bin mehr als nur ein Hockey-Spieler. Ich verbinde meine Identität nicht unbedingt damit, Eishockeyspieler zu sein.

Dann lass uns doch direkt über Hockey sprechen. Auf was hast du dich in der Sommervorbereitung konzentriert?

(Lacht) Gerne. Was mir wichtig ist, ist die Puck Protection (das Beschützen des Pucks). Ich bin ein größerer Spieler und habe manchmal das Gefühl, dass ich das im Spiel noch nicht genug für mich nutze. Etwa an der Bande oder in den Ecken. In den Playoffs, insbesondere in der Serie gegen Colorado, habe ich mich sehr wohl mit dem Puck am Schläger gefühlt. Vielleicht hatte ich zuvor immer die Rolle, dass ich den Puck schnell loswerden muss. Jetzt fühle ich mich besser und besser mit dem Puck.

Wenn du dir die Statistiken anschaust, dann hast du den Puck in einem Spiel vielleicht nur ein paar Sekunden. Selbst bei Elite-Spielern sind es nur 45 Sekunden bis zu einer oder anderthalb Minuten. Für einen Rollenspieler wie mich sind es nur ein paar wenige Sekunden. Ich will also geduldiger mit dem Puck werden und meine Stärken nutzen, um ihn besser zu beschützen. Ich hoffe, dass ich hier auf ein höheres Level komme und das mit in die neue Saison transportieren kann.

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Auch weil der Puckbesitz immer wichtiger wird?

Ja, der Puck wird so schnell bewegt, insbesondere in der Offensivzone. Es gibt so viele Spieler, die den Puck regelrecht nach vorne tragen können. So ein Spielertyp bin ich nicht. Wenn du in die Offensivzone kommst, dann verhält sich jeder Spieler anders. (Nathan) MacKinnon steht für schnelle und explosive Richtungsänderungen - das könnte ich gar nicht. Andere zocken dir Knoten in die Beine - das könnte ich auch nicht. Ich bin aber ein Typ, der sich verhalten kann wie (Leon) Draisaitl: Er beschützt den Puck, hat lange Beine, benutzt seine Arme und seinen Körper. Das möchte ich mehr zeigen.

Welche Rolle spielt dabei die Länge deines Schlägers?

Ich spiele jetzt schon mit einem sehr langen Schläger, was nicht gerade im Umgang mit dem Puck hilft. Wann auch immer ich mal einen kürzeren Schläger von einem Mitspieler ausprobiere, denke ich mir, wow, meine Hände bewegen sich ja viel schneller. Aber ich brauche einen langen Schläger für den Rest meines Spiels. Ich habe einen 95er Flex und eine recht steife Kelle, die ich für meine Faceoffs brauche. Auch im Penalty Killing muss ich Pass- und Schusswege mit einem längeren Schläger zustellen. Ich könnte meinen Schläger kürzen, aber dafür habe ich den Puck zu selten, passe und schieße nicht oft genug. Es ist also immer eine Abwägung, was einem für sein Spiel mehr hilft.

Letztes Jahr hast du den Saisonstart aufgrund einer Verletzung verpasst. Wie wichtig ist es, gesund in die neue Spielzeit zu gehen?

In der letzten Saison war es echt hart, weil ich die ersten acht Wochen wegen einer Rücken-OP verpasst hatte. Ich hatte mich so darüber gefreut, in Minnesota unterschrieben zu haben, und dann verpasse ich die ersten acht Wochen. Das war Mist! Wenn du eine drei vor deinem Alter stehen hast, wirst du oft als alter Spieler betrachtet, aber kann ich selbstbewusst sagen, dass es wohl kaum einen fitteren Spieler als mich gibt. Ich hatte einen guten Sommer, ich will in der neuen Saison voll durchstarten und der Mannschaft von Anfang an helfen.

In den Stanley Cup Playoffs 2026 haben die Minnesota Wild die Hürde der Ersten Runde genommen. Erhöht das die Erwartungen vor Ort?

Das war großartig, aber es bringt nichts, wenn du in diesem Jahr wieder in der Ersten Runde ausscheidest. Wenn du den Stanley Cup gewinnen möchtest, dann musst du dich kontinuierlich steigern. In Minnesota war es nie wirklich schlecht, aber auch nie wirklich gut in den letzten Jahren. Ich möchte sehen, dass wir damit nicht zufrieden sind. Wir haben mit Colorado und Dallas wieder zwei schwere Gegner in unserer Division. Auch Utah ist für mich viel besser geworden. Es wird schwerer werden, überhaupt in die Playoffs zu kommen.

Du bist noch 20 Partien davon entfernt, die Schallmauer von 400 NHL-Spielen zu durchbrechen. Was bedeutet dir ein solcher Meilenstein?

Ich hätte nie gedacht, dass ich so weit kommen würde. Wenn ich auf meine Zeit am College zurückblicke, da fühlten wir uns geehrt, ein NHL Training Camp mitmachen zu dürfen. Damals hast du auf eine Chance gehofft. Dann unterschreibst du einen Vertrag und fügst dich in dieser Liga ein. Das Schwierigste in der Karriere eines NHL-Spielers ist es, dass du nach deinen ersten paar Spielen nicht nachlässt. Es gibt haufenweise gute Spieler, aber es ist wichtig, deine Rolle zu finden.

Ich habe schnell verstanden, dass ich keiner bin, der in den Top 6 oder im Powerplay spielt. Ich musste also einen anderen Ansatz wählen, um lange in der NHL bleiben zu können. Also habe ich mich gefragt, in welchen Bereichen ich wirklich gut werden muss, um mehr als ein Jahr bleiben und konstant dort spielen zu können. Jetzt kurz vor der Marke von 400 Spielen zu stehen, ist mehr als ich mir jemals hätte vorstellen können. Aber jetzt möchte ich mehr. Warum sollten es nicht auch 500 werden? So gehe ich schon meine gesamte Karriere an: Ich bin nie zufrieden. Wenn du diesen Antrieb nicht mehr hast, ist deine Karriere vorbei.

Bei der NHL Global Series Germany 2027 werden noch Gegner für Leon Draisaitl und die Edmonton Oilers in Köln sowie für JJ Peterka und die Boston Bruins in München gesucht. Wie gerne wärst du einer davon?

Ich wäre gerne in München dabei! Mein Zuhause ist nur 45 Minuten von dort entfernt. Unabhängig davon freue mich sehr für die Jungs, daheim und vor Familie und Freunden spielen zu können. Die Fans in Deutschland können die besten Spieler der Fans erleben, ohne dafür nach Kanada oder in die USA reisen zu müssen. Es ist ein großer Hockey-Markt. Die Fans unterstützen ihre Teams hingebungsvoll. In Deutschland verhalten sie sich während des Spiels anders als die Zuschauer in Nordamerika. Dort sind die Spiele wie ein Konzert, das Event steht im Vordergrund. In Deutschland sind die Fans mit ihren Teams verheiratet. Diese Leidenschaft wird zu sehen sein.

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Es sieht so aus, als kämen die meisten Hockey-Spieler in der NHL aus dem Rhein-Gebiet oder aus Bayern. Müssen sich die Deutschen, was die Talente-Entwicklung angeht, nach weiteren Hockey-Hochburgen umsehen?

Ja, das ist kein Zufall. Denn die Hürde, mit Eishockey anzufangen, ist hoch. Das geht schon beim Geld los, denn Hockey ist eine sehr teure Sportart. Dazu kommt die Verfügbarkeit für diesen Sport, denn wir haben viel zu wenige Eishallen. Selbst in meiner Jugend war die nächste verfügbare Eisfläche im Sommer eine Autofahrt von einer Stunde und 40 Minuten entfernt. Selbst heute noch gibt es kaum Möglichkeiten, in der Sommerpause an meinem Skating auf dem Eis zu arbeiten. Den Juniorenmannschaften geht es nicht anders. Es gibt so viele Kinder in Deutschland, die noch nie Skates anhatten. Wie willst du so mehr Leute für diesen Sport begeistern? Für uns in Deutschland wird es enorm wichtig sein, mehr Eis zu haben, um Hockey größer zu machen.

Wo siehst du das deutsche Hockey in zehn Jahren?

Ein guter Indikator, ob wir uns wirklich verbessern konnten, ist, ob wir in Lage sein werden, konstant NHL-Spieler zu produzieren. Ich habe das Gefühl, dass wir gerade von großen Namen wie Leon, Tim, Mo und JJ zehren. Seitdem gab es aber keine Weltklasse-Spieler mehr. Wenn man sich anschaut, wie viele Talente die Schweden, Finnen und sogar Slowaken und Schweizer jedes Jahr produzieren, muss es unser Ziel sein, wenigstens in jedem Jahr mindestens einen früh gedrafteten Spieler zu entwickeln. Genau da würde ich uns gerne in zehn Jahren sehen.

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