Peterka

In Rahmen der European Player Media Tour 2026 führte NHL.com/de zahlreiche Interviews mit deutschsprachen NHL-Profis. In dieser Ausgabe: JJ Peterka von den Boston Bruins

Hallo JJ. Was war für dich der Höhepunkt in diesem Sommer?

Meine eigene Eishalle eröffnet zu haben, war definitiv eines meiner Highlights. Es waren etwa 2000 zur Eröffnung vor Ort, was verrückt ist. Wir hatten vielleicht mit 500 gerechnet, doch es sind so viele gekommen, auch viele Kinder. Es hat alles super geklappt. Das war etwas Besonderes und definitiv ein Highlight.

Warum war dir diese Eishalle so wichtig?

Der Traum, eine eigene Eishalle zu eröffnen, war immer da. Wir hatten aber nie einen geeigneten Ort dafür. Als meine Eltern umgezogen sind, haben wir erkannt, dass dort ein guter Platz dafür wäre. Alleine die Planung dafür hat drei, vier Jahre gedauert. Es hat also eine Weile gedauert. Ich skate dort ein paarmal die Woche selbst, aber zu sehen, dass auch viele Kinder die Eisfläche nutzen, ist ziemlich cool. Das macht mich sehr stolz.

Wie war es für dich, als das Projekt endlich abgeschlossen war?

Super schön. Meine Eltern haben sich um alles gekümmert, während ich damit beschäftigt war, Hockey in den USA zu spielen. Ich war also nicht in alle stressigen Vorgänge involviert, das haben sie für mich übernommen. Ich habe meine Ideen mit reingegeben und jetzt das Ergebnis gesehen. Es war schön, dass die Halle diesen Sommer fertiggeworden ist. Ich hatte auch eine Eiszeit mit allen meinen Freunden zu Hause. Wir haben ein Turnier gespielt, was großartig war.

peterka arena 7

Was bedeutet es dir, ein Mentor für junge Hockey-Spieler in Deutschland zu sein?

Allen voran macht es mich stolz, dass ich an diesem Punkt angekommen bin und ich als ein Mentor auftreten kann. Ich versuche einfach, ich selbst zu bleiben und als Vorbild voran zu gehen. Ich habe einfach Spaß am Hockeyspielen und möchte eigentlich gar nicht so viel ändern. Ich bleibe ich.

Welche individuellen Fertigkeiten trainierst du selbst?

Ich lege im Sommer großen Wert auf die Grundtugenden, wie etwa die Schnelligkeit. Hierauf liegt in der Sommerpause auf und neben dem Eis mein Fokus - auch dieses Jahr wieder.

Du wurdest in diesem Sommer vom Utah Mammoth zu den Boston Bruins getradet. War der zweite Trade in deiner Karriere leichter, weil du schon wusstest, was passiert?

Es ist definitiv nichts Neues mehr. Man weiß also schon, was einen erwartet. Es wird vom ganzen Umfeld her leichter für mich sein, mich einzugewöhnen, denn es gibt einen deutschsprachigen Trainer (Marco Sturm) und Mitspieler (Lukas Reichel) dort. Ich kenne auch schon ein paar Spieler aus meiner Zeit in Buffalo. Die Eingewöhnung wird mir also viel leichter fallen.

Konntest du dich in Boston schon eingewöhnen?

Ich habe schon ein Zuhause gefunden, was noch recht leer ist, denn es dauert noch, bis meine Möbel dort ankommen.

Wie sind die ersten Gespräche mit Marco Sturm gelaufen? Wie passt du in dieses Puzzle? Mannschaft?

Die Gespräche waren super spannend. Leider hatte ich ihn noch nie als Trainer. Ich habe bereits mit anderen über ihn gesprochen und das Feedback war durchweg positiv und was für ein toller Coach er ist. Er hat mir gesagt, wie sehr die Organisation und er sich auf mich freuen und dass sie endlich loslegen wollen. Es ist aber nicht nur er, sondern auch sein Co-Trainer (Matt) McIlvane, den ich schon als Trainer mit 18 Jahren in Salzburg hatte. Ich bin mit dem Trainerstab also schon sehr vertraut, was mir helfen wird.

Wird dir das auch helfen, auf dem Eis direkt besser zurechtzukommen?

Definitiv. Egal, ob es um Fragen geht oder man Selbstvertrauen aufbauen möchte - es ist immer gut jemanden zu haben, der deine Sprache spricht und auf den man zugehen kann.

Wenn du mit Marco telefonierst, sprichst du dann Deutsch oder Englisch mit ihm?

Wir unterhalten uns auf Deutsch. Das ist eine lustige Geschichte: Als er mich nach dem Trade angerufen hat, haben wir auf Deutsch gesprochen, aber das Kamerateam, das dabei war, hat uns darum gebeten, für einen Moment auch mal Englisch zu sprechen. Wir haben also zwei Sätze auf Englisch gewechselt und sind dann wieder zu Deutsch gewechselt (lacht). Das war ein cooler Moment.

Du bist gut mit Lukas Reichel befreundet, der auch schon bei seinem dritten NHL-Team ist. Auch wenn Eure Situationen verschieden sind, habt ihr beide das Gefühl, etwas beweisen zu müssen?

Wir wollen definitiv beide einen Einschlag in der Mannschaft haben. Wir kommen gut damit klar, auch defensiv zu spielen und werden jeden Tag unser Bestes geben. Boston ist ein Original-Six-Team mit so viel Geschichte. Wir freuen uns, hier zu sein, und wollen so lange wie möglich hier spielen.

Wie war deine erste Reaktion, als du erfahren hast, dass du nach Boston getradet wirst?

Erstmal war ich schockiert, denn ich hatte das überhaupt nicht erwartet. Danach habe ich mich sehr gefreut, denn ich wusste, wer dort Trainer und Co-Trainer ist. Auch die Geschichte dieses Klubs und die Stadt mit erfolgreichen Teams in allen vier Hauptsportarten - ich denke, ich befinde mich an einem spannenden Ort. Schon wenn ich als Gast in Boston gespielt habe, war in der Arena immer was los und die Stimmung großartig. Ich freue mich einfach, hier zu sein.

David Pastrnak peilt in der kommenden Saison seinen 1000. NHL-Scorerpunkt an. Er ist ab jetzt nicht nur dein Mitspieler, sondern vielleicht auch dein Reihenkollege…

Das ist echt krass! Alleine in derselben Mannschaft zu spielen, ist so cool, denn du kannst alleine im Training und in der Vorbereitung so viel von ihm lernen, was er im Spiel macht, wie er mit seinem Körper umgeht und alle diese Dinge. Die Chance zu bekommen, mit ihm in einer Reihe zu spielen, wäre ziemlich genial!

Du selbst bist nur noch drei Scorerpunkte von 200 entfernt. Was bedeuten dir Meilensteine?

Das wusste ich gar nicht. Ich weiß auch nicht - ich möchte mich einfach aufs Spielen konzentrieren. (Lacht) Aber es ist gut, das zu wissen: nur noch drei!​

Die Top-5-Tore von JJ Peterka in der Saison 2025/26

In der Saison 2027/28 wirst du mit den Bruins ein reguläres Saisonspiel in deiner Heimatstadt München bestreiten. Was bedeutet dir das?

Ich freue mich so sehr darauf! Schon vor zwei Jahren war ich dabei, als wir die neue Arena eröffnet haben (NHL Global Series Challenge 2024, Buffalo Sabres vs. EHC Red Bull München, SAP Garden), und es war definitiv eines der spaßigsten Spiele, die ich in meinem ganzen Leben gespielt habe. Vor meiner Familie und meinen Freunden zu spielen, vor den München-Fans, neben denen ich früher selbst auf der Tribüne stand. Es wird richtig cool werden, zurückzukommen und zwei NHL-Spiele dort zu spielen. Besser könnte eine Rückkehr gar nicht sein.

Welchen Gegenspieler würdest du dir für diese Spiele wünschen?

Ich habe immer gesagt Timmy (Tim Stützle). Ich glaube zwar nicht, dass das passieren wird, aber die Spiele gegen ihn sind immer die spaßigsten. Wenn ich also jemanden auswählen müsste, dann wäre es Ottawa.

Wie siehst du denn die Entwicklung von Tim Stützle und dass er im Dezember 2026 mit den Senators in Düsseldorf spielen wird?

Er freut sich sehr darauf, nach Deutschland zurückzukehren. Jedes Jahr steigert er seine Statistiken und übernimmt mehr Verantwortung in beide Richtungen. Er hat sich zu einem der besten Spieler entwickelt. Als wir jung waren, haben wir schon immer gegeneinander gespielt. Dass er das jetzt auch auf NHL-Niveau zeigt, ist etwas ganz Besonderes.

Wie siehst du die Entwicklung des deutschen Eishockeys im Allgemeinen?

Vor ein paar Tagen habe ich diese Statistik gelesen: Deutschland hatte im Eishockey die besten Zuschauerzahlen in ganz Europa. Es ist also keine Überraschung, dass die Deutschen Hockey mögen und der Sport immer größer wird. Dass die NHL darauf reagiert, ist ziemlich cool, denn es gibt viele Hockey-Fans in Deutschland. Jedes Jahr begeistern sich mehr Zuschauer für diesen Sport. Die NHL-Spiele in Deutschland werden das zusätzlich befeuern.

Moritz Seider #53, John Peterka #77 and Tim Stutzle #18 of Team Germany discuss in the third period during the Men's Qualification Playoff match between Germany and France on day 11 of the Milano Cortina 2026 Winter Olympic games at Milano Santagiulia Ice Hockey Arena on February 17, 2026 in Milan, Italy. (Photo by Bruce Bennett/Getty Images)

Wie hat sich der Sport entwickelt, seitdem du in den Junioren gespielt hast?

Im Vergleich zu Fußball ist Eishockey immer noch klein. Aber insgesamt ist es schon viel größer geworden. Vor zehn Jahren haben viele nur ihren Verein vor Ort unterstützt und das wars. Das hat sich geändert. Die Leute sind jetzt auch Fans von NHL-Teams. Viele Spieler aus Deutschland spielen jetzt in Kanada und den USA. Als Deutscher kannst du jetzt also viel mehr Spielern folgen.

In der kommenden Saison 2026/27 wird es statt zuvor 82 nun 84 Spiele geben. In wie fern beeinflusst das die Bruins, insbesondere, weil es mehr Partien gegen Rivalen aus der starken Atlantic Division geben wird?

Es wird schwerer werden. Aber was den Spielplan angeht, wird es besser werden als letzte Saison, als wir aufgrund der Olympischen Spiele mal 16 Partien in einem Monat absolvieren mussten. Ich denke nicht, dass es dieses Jahr so schlimm wird. Am Ende des Tages werden sich die zwei zusätzlichen Spiele nicht verrückt anders anfühlen. Gleichwohl werden es harte Duelle werden. Man muss sich nur mal in unserer Division umschauen, wie gut die Mannschaften über den Sommer geworden sind. Es ist aber auch spannend, und ich freue mich darauf, zurück in der Atlantic Division zu ein.

Wie definiert ihr Erfolg in der kommenden Saison?

Ein guter Start ist immer wichtig. Wir spielen gleich den Saison-Auftakt, was super cool ist. Im Moment zu bleiben, wird insgesamt der Schlüssel sein. Momentum ist wichtig, wir müssen also so konstant wie möglich bleiben. Es wird eine richtig lange Saison. Wir sollten nicht zu weit vorausblicken, sondern uns von Spiel zu Spiel konzentrieren. Wir müssen in jedem Spiel unser Bestes geben.

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