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Vom 1. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 täglich ein Team der Liga mit Blick auf die Saison 2026/27 unter die Lupe.

In dieser Ausgabe: Die Analyse der Washington Capitals

Die Washington Capitals wollen zurück in die Spitzengruppe. Nach einer starken Saison 2024/25 mit Platz eins in der Eastern Conference und 111 Punkten folgte 2025/26 allerdings ein Rückschritt. Mit einer Bilanz von 43-30-9 und 95 Zählern belegten die Capitals nur Rang vier in der Metropolitan Division und verpassten die Stanley Cup Playoffs. Drei Zähler fehlten am Ende auf die Philadelphia Flyers (98 Punkte).

Die Verantwortlichen reagierten darauf mit einer ausgesprochen aktiven Offseason. Alex Tuch, Jordan Kyrou, Boone Jenner und Vincent Desharnais wurden verpflichtet, ehe Kapitän Alex Ovechkin am 2. Juli seine Rückkehr für eine 22. NHL-Saison bekanntgab. Der inzwischen 41-Jährige geht damit erneut auf die Jagd nach weiteren Toren, um seinen NHL-Rekord von aktuell 929 Treffern weiter auszubauen.

Die wichtigsten Veränderungen im Kader

Vor allem die Offensive wurde deutlich verstärkt. Tuch kam von den Buffalo Sabres nach Washington. Der 30-Jährige erzielte 2025/26 33 Tore und 66 Punkte in 79 Spielen und ist bereits dreimal in seiner NHL-Karriere auf mindestens 30 Treffer gekommen. Kyrou, von den St. Louis Blues verpflichtet, bringt ebenfalls die Erfahrung aus drei 30-Tore-Spielzeiten mit. Nach nur 18 Treffern aus 72 Hauptrundenspielen in der vergangenen Saison soll er in Washington wieder zu alter Stärke finden.

Mit Jenner holten die Capitals zudem einen vielseitig einsetzbaren Angreifer. Der 33-Jährige unterschrieb für vier Jahre und soll dem Kader zusätzliche Tiefe verleihen. In der Defensive kam Desharnais hinzu. Der 30-Jährige erhielt ebenfalls einen Vierjahresvertrag.

Der prominenteste Neuzugang ist damit vielleicht gar keiner: Ovechkin bleibt. Der Kapitän führte Washington vergangene Saison mit 32 Toren und 64 Punkten an und bestritt alle 82 Hauptrundenspiele. Sein neuer Einjahresvertrag ermöglicht ihm die 22. Saison in der NHL.

Top-5-Tore der Capitals in der Saison 2025/2026

Schlüsselspieler

Ovechkin steht naturgemäß im Mittelpunkt. Trotz seines Alters erzielte er 2025/26 zum 20. Mal mindestens 30 Tore und erhöhte seinen NHL-Rekord auf 929 Treffer. Zudem führte er Washington bei Toren, Punkten, Torschüssen und Schussversuchen an. Die zusätzlichen Offensivoptionen durch Tuch und Kyrou könnten ihm nun mehr Freiräume verschaffen.

Einer der wichtigsten Spieler ist außerdem Tom Wilson. Der körperlich starke Angreifer kam in der vergangenen Saison trotz 72 Einsätzen auf 30 Tore und 60 Punkte. Damit verbuchte er zum zweiten Mal in Folge mindestens 30 Tore und 60 Punkte. Zudem war Wilson in den vergangenen beiden Spielzeiten der einzige NHL-Spieler mit jeweils mindestens 30 Toren, 100 Checks und 50 Blocks.

Im Tor steht mit Logan Thompson ein weiterer Schlüsselspieler. Er gewann 2025/26 31 Partien, kam auf einen Gegentorschnitt von 2,44 und eine Fangquote von 91,2 Prozent. Mit 58 Starts und vier Shutouts stellte er persönliche Bestmarken auf und belegte bei der Vezina Trophy-Wahl erneut Platz vier.

Spieler aus dem DACH-Raum

Im aktuellen NHL-Aufgebot der Capitals befindet sich kein Spieler aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Stärken

Die größte Stärke Washingtons ist die neu gewonnene Tiefe im Angriff. Mit Ovechkin, Wilson, Tuch und Kyrou stehen gleich vier Spieler im Kader, die bereits mindestens dreimal die Marke von 30 Saisontoren erreicht haben. Dazu kommen Dylan Strome, Pierre-Luc Dubois, Aliaksei Protas und Ryan Leonard.

Und dann ist da natürlich auch noch Goalie Thompson. Sollte der Torhüter sein Niveau bestätigen, verfügt Washington über einen starken Rückhalt, der auch eine größere Belastung während einer langen Saison bewältigen kann.

Verbesserungspotenziale

Das größte Fragezeichen steht in der Defensive. Rasmus Sandin, einer der besten Verteidiger der vergangenen Saison, fällt nach einer Operation am rechten Knie zunächst aus. Seine Rückkehr wird erst im Verlauf der Saison erwartet. Mit Desharnais und Timothy Liljegren wurde zwar für zusätzliche Tiefe gesorgt, doch bis Sandin zurückkehrt, müssen andere Spieler mehr Verantwortung übernehmen.

Eine weitere Baustelle ist die Integration der zahlreichen neuen Angreifer. Tuch, Kyrou und Jenner müssen sich an das System von Trainer Spencer Carbery gewöhnen. Gleichzeitig konkurrieren mehrere Rechtsaußen um die besten Plätze. Ovechkin und Wilson spielen ebenfalls bevorzugt auf dieser Seite, weshalb mindestens einer der neuen Angreifer oder Ryan Leonard auf die linke Seite ausweichen dürfte.

PHI@WSH: Ovechkin findet den freien Puck und schiebt ihn ins halbleere Tor

Vielversprechende Talente

Besonders gespannt darf man auf Ilya Protas sein. Der 20-jährige Stürmer (NHL Draft 2024, Position 75) erzielte für die Hershey Bears 2025/26 in 69 AHL-Spielen 66 Punkte und wurde zum besten Rookie der Liga gewählt. In vier NHL-Partien sammelte er vier Punkte.

Noch mehr Aufmerksamkeit dürfte Cole Hutson erhalten. Der 20-jährige Verteidiger (NHL Draft 2024, Position 43) kam nach seiner Zeit an der Boston University in 14 NHL-Spielen auf drei Tore und sieben Assists. Mit sechs Powerplay-Punkten war er seit seinem NHL-Debüt der beste Capitals-Verteidiger und beste Rookie-Verteidiger der Liga in dieser Kategorie. Seine offensive Qualität macht ihn zu einem ernsthaften Kandidaten für die Calder Trophy.

Auch Andrew Cristall, Lynden Lakovic und Terik Parascak gehören zu den interessanten Nachwuchskräften. Cristall sammelte 60 Punkte in 72 AHL-Spielen für Hershey, während Lakovic nach einer Schulterverletzung auf seine nächste Chance wartet. Parascak überzeugte mit 79 Punkten in 61 WHL-Partien.

Playoff-Chancen

Die Capitals haben sich nach dem enttäuschenden Vorjahr mit bemerkenswerter Konsequenz verstärkt. Tuch, Kyrou und Jenner geben der Offensive mehr Breite, Ovechkin bleibt als Anführer erhalten und Thompson zählt zu den besseren Torhütern in der NHL.

Damit ist Washington auf dem Papier deutlich stärker als vor einem Jahr. Ob daraus tatsächlich wieder ein Spitzenteam wird, hängt vor allem von der Defensive bis zur Rückkehr Sandins und der Integration der Neuzugänge ab. Gelingt beides, besitzen die Capitals mehr als realistische Chancen auf die Stanley Cup Playoffs. Und dort könnte aus einer Mannschaft mit einem dann bereits 41-jährigen Kapitän und einer Reihe hungriger Verstärkungen tatsächlich noch einmal ein ernsthafter Anwärter auf den Stanley Cup werden.

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