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Vom 1. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 täglich ein Team der Liga mit Blick auf die Saison 2026/27 unter die Lupe.

In dieser Ausgabe: Fünf Fragen bei den Washington Capitals

1. Können die Hauptstädter ihre Offensive tatsächlich auf ein neues Level heben?

Die Washington Capitals haben in der Offseason deutlich gemacht, dass sie mit dem enttäuschenden Ausgang der vergangenen Saison nicht zufrieden sind. Nach dem Verpassen der Stanley Cup Playoffs soll der Angriff wieder zu einer echten Stärke werden. Dafür holte General Manager Chris Patrick mit Alex Tuch, Jordan Kyrou und Boone Jenner gleich drei erfahrene Stürmer. Tuch erzielte in der vergangenen Saison für die Buffalo Sabres 33 Tore und 66 Punkte in 79 Spielen, Kyrou kam für die St. Louis Blues auf 18 Tore und 46 Punkte in 72 Einsätzen, Jenner steuerte für die Columbus Blue Jackets 13 Tore und 38 Punkte in 67 Partien bei.

Hinzu kommt Alex Ovechkin, der nach 32 Toren und 64 Punkten in der vergangenen Saison seine 22. NHL-Spielzeit in Angriff nimmt. Damit verfügt Washington über erheblich mehr Tiefe als noch vor einem Jahr. Die entscheidende Frage lautet nun, ob Trainer Spencer Carbery daraus tatsächlich eine funktionierende Offensive formen kann. Auf dem Papier ist das Potenzial jedenfalls erheblich größer.

2. Welche Rolle spielt Kapitän Ovechkin noch?

Mit demnächst 41 Jahren wird Ovechkin zwangsläufig anders eingesetzt werden müssen als in früheren Jahren. Der Kapitän erzielte zwar auch in der vergangenen Saison 32 Tore und führte Washington damit zum 21. Mal in seiner NHL-Karriere in dieser Kategorie an. Gleichzeitig sank seine durchschnittliche Eiszeit auf 17:27 Minuten - den niedrigsten Wert seiner Karriere.

Durch die Verpflichtungen von Tuch und Kyrou hat Carbery nun noch mehr Möglichkeiten, die Belastung des Superstars zu steuern. Ovechkin dürfte weiterhin eine zentrale Rolle im Powerplay und in wichtigen Offensivsituationen spielen. Doch die Zeiten, in denen praktisch jede entscheidende Minute über den inzwischen 929-maligen Torschützenkönig lief, könnten endgültig vorbei sein.

Die spannende Frage ist deshalb nicht, ob Ovechkin noch Tore erzielen kann. Das hat er längst beantwortet. Vielmehr geht es darum, wie Washington seine Fähigkeiten optimal nutzt, ohne ihn unnötig zu überlasten.

PHI@WSH: Ovechkin findet den freien Puck und schiebt ihn ins halbleere Tor

3. Hält die Defensive durch, bis Sandin zurückkehrt?

Während die Capitals ihren Angriff massiv verstärkt haben, beginnt die Saison in der Defensive mit einem erheblichen Problem. Rasmus Sandin, der zu den stärkeren Verteidigern der vergangenen Spielzeit gehörte, fällt nach einer Operation am rechten Knie voraussichtlich für mehrere Monate aus. General Manager Patrick hofft zwar auf eine Rückkehr am kürzeren Ende des prognostizierten Zeitfensters von sechs bis neun Monaten, sicher ist das jedoch nicht.

Immerhin reagierte Washington und verpflichtete Vincent Desharnais. Der 30-Jährige kam vergangene Saison in 53 Spielen für die San Jose Sharks auf sieben Punkte und durchschnittlich 18:11 Minuten Eiszeit. Zudem verlängerten die Capitals mit Timothy Liljegren, während der erst 20 Jahre alte Cole Hutson nach seinem starken NHL-Debüt ebenfalls eine größere Rolle übernehmen könnte.

Besonders auf Hutson ruhen dabei Hoffnungen. Der Rookie sammelte in 14 Spielen zehn Punkte und sechs Powerplay-Punkte. Gleichzeitig muss Washington aufpassen, den jungen Verteidiger nicht zu früh mit zu viel Verantwortung zu belasten.

4. Sind die Capitals im Tor stark genug für einen tiefen Playoff-Run?

Mit Logan Thompson besitzen die Capitals einen Torhüter, der ihnen zumindest auf dem Papier die notwendige Sicherheit geben kann. Der 29-Jährige gewann in der vergangenen Saison 31 Spiele, kam auf einen Gegentorschnitt von 2,44 und eine Fangquote von 91,2 Prozent. Zudem belegte er bei den Siegen ligaweit den vierten Rang und gehörte auch bei der Fangquote zur Spitzengruppe.

Das Problem liegt eher dahinter. Charlie Lindgren (87,9 Prozent Fangquote in 21 Einsätzen) konnte in der vergangenen Saison nicht an die Leistungen anknüpfen, die man sich von ihm erhofft hatte. Sollte Thompson erneut extrem viele Spiele bestreiten müssen, könnte sich das spätestens im Frühjahr bemerkbar machen. Washington braucht deshalb einen verlässlichen Backup - und möglichst mehr Entlastung für seinen Nummer-1-Torhüter.

WSH@TOR: Thompson liefert mit 21 Saves Shutout gegen Maple Leafs

5. Reicht der große Umbruch für einen Angriff auf den Cup?

Nach 111 Punkten und Platz eins in der Eastern Conference 2024/25 folgte für Washington in der vergangenen Saison der Rückschritt. Die Capitals kamen auf 95 Punkte und verpassten als Vierter der Metropolitan Division die Playoffs.

Genau deshalb sind die Erwartungen nun wieder deutlich gestiegen. Mit Tuch, Kyrou, Jenner und Desharnais wurde der Kader gezielt verstärkt, gleichzeitig kehrt Ovechkin für eine weitere Saison zurück.

Doch Papier ist geduldig. Die Capitals müssen erst beweisen, dass die zahlreichen neuen Puzzleteile tatsächlich zusammenpassen. Besonders die Integration der neuen Stürmer, die Besetzung der Defensive bis zur Rückkehr Sandins und die richtige Belastungssteuerung für Ovechkin werden entscheidend sein.

Die Ausgangslage ist jedenfalls klar: Nach den Investitionen dieser Offseason wäre eine erneute Playoff-Pleite nur schwer zu verkaufen. Washington hat den Kader aufgerüstet, um wieder um den Stanley Cup mitzuspielen. Nun muss die Mannschaft zeigen, dass aus den großen Namen auch eine große Saison werden kann.

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