Große Ehre für Leon Draisaitl: Der Superstar der Edmonton Oilers wurde am Samstag vor dem Heimspiel gegen die Los Angeles Kings auf dem Eis für seine 1000 NHL-Punkte geehrt, die er bereits am 16. Dezember erreicht hatte. An seiner Seite standen seine Frau Celeste Desjardins, seine Eltern Peter und Sandra sowie sein Hund Bowie – mit Halsband der Oilers.

Weitere Familienmitglieder saßen im Publikum. „Es ist großartig, dass meine Familie die Reise auf sich genommen hat, auch meine 84-jährige Oma hat es bis hierhin geschafft“, sagte der 30-Jährige. „Ich bin auch ein wenig stolz auf diesen Meilenstein, der sehr weit weg erschien, als ich hier in Edmonton als ganz junger Spieler angefangen habe. Ich bin dankbar für die Menschen in meinem Leben – für diese Gruppe hier und für das, was diese Organisation mir ermöglicht hat.“

Geschenke und Erinnerungen

Im Rahmen der Zeremonie gab es Geschenke: Von Oilers-CEO Jeff Jackson einen goldenen Schläger, von seinen Teamkollegen bekam der Deutsche eine personalisierte Luxusuhr geschenkt. Auf einer Videoleinwand wurden die Highlights in der Karriere von Draisaitl eingeblendet – zum Beispiel sein erster Scorer-Punkt in der NHL vom 15. Oktober 2014, als er im Spiel gegen die Arizona Coyotes einen Treffer für Mark Fayne vorbereitete.

Draisaitl bleiben solche Meilensteine gut in Erinnerung: „Das erste Tor, der erste Assist – das war immer etwas ganz Besonderes. Einfach, weil damals alles noch so neu war. Letztendlich würde ich sagen, dass vor allem der erste Punkt und der 1000. Punkt etwas ganz Besonderes gewesen sind.“

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Draisaitl genoss den Moment

Draisaitl hat individuell nahezu alles erreicht, was ein NHL-Profi erreichen kann. Als erster Deutscher gewann er 2020 die Art Ross Trophy, die Hart Memorial Trophy sowie den Ted Lindsay Award als wertvollster Spieler der Liga. 2025 legte er mit der Maurice Richard Trophy als erfolgreichster Torschütze nach. Meist wischt er individuelle Erfolge schnell beiseite und legt den Fokus auf die weiteren Ziele mit der Mannschaft. Diesmal allerdings war es anders.

„Es ist etwas Besonderes“, sagte Draisaitl über die Marke von 1000 Punkten. „Oft ist es bei diesen Karriere-Meilensteinen so, dass man das zwar großartig findet, aber gleich daran denkt, was als nächstes kommt. Manchmal scheint man einfach einen Weg zu finden, das beiseitezuschieben und zu denken: 'Ja okay, aber jetzt kommt das nächste Spiel'. Aber diesmal möchte ich diesen Moment auch genießen, dankbar und stolz auf mich selbst sein, dass ich diesen Weg gegangen bin.“

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Vater Peter hat großen Anteil am Erfolg von Leon

Großen Stolz empfand natürlich auch sein Vater. „Wenn man hier unter das Hallendach schaut mit den Bannern der ganzen großen Spieler, die ich als Aktiver selbst bewundert habe, und jetzt ist der eigene Sohn Teil dieser Geschichte, dann ist das schon großartig“, wird er von der „dpa“ zitiert. Vater Peter blickt selber auf eine erfolgreiche Karriere im Eishockey zurück, war unter anderem Spieler und Trainer bei den Kölner Haien. Dieser Einfluss war ein Grund dafür, dass Leon ebenfalls diesen Weg einschlug.

„Ich war beim Eishockey ein Stammgast“, erinnert sich Draisaitl. „Ich war immer ein großer Fan von der Mannschaft meines Vaters. Ich war immer in der Eishalle dabei und wollte immer beim Team sein. Ich bin sehr dankbar für die Einblicke, die ich damals von meinem Vater bekam und das Insiderwissen im Eishockey. Das können andere ihrem Kind gar nicht mitgeben, wenn sie nicht selber gespielt haben. Mein Vater wusste, wie man das angehen muss. Ich hatte das Glück, dass er mir das beigebracht hat.“

Früher gab es Selbstzweifel

Der Sohn weiß, dass er einige Gemeinsamkeiten mit seinem Vater hat: „Wir sind sehr ähnlich veranlagt. Ich bin immer sehr früh auf der Eisbahn. Ich lasse mir gerne für einige Dinge in der Umkleidekabine Zeit. Mit meiner Ausrüstung bin ich sehr pingelig. Das habe ich von ihm, denn er hat mir diese Dinge beigebracht. Er war ein ähnlicher Spielertyp wie ich.“

Und doch gab es Zeiten, in denen Draisaitl an sich selber zweifelte: „Es gab viele Abende, an denen ich dachte: 'Werde ich jemals in dieser Liga spielen können?' Denn diese Liga ist wirklich hart, wenn man erst 18 Jahre alt ist. Das Spiel ist völlig anders als in den Junioren-Ligen. Man ist eigentlich noch gar nicht bereit dafür. Du bist nicht so stark und schnell, wie du sein müsstest. Es steckt viel Arbeit dahinter, es bis hierhin geschafft zu haben.“

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An der Seite von McDavid & Co. zum Mann geworden

Der Nummer-3-Pick des NHL Draft 2014 war noch keine 19 Jahre alt, als er sein erstes NHL-Spiel für die Oilers bestritt. Gemeinsam mit langjährigen Weggefährten wie zum Beispiel Connor McDavid oder Darnell Nurse entwickelte er sich vom Teenager zum Mann – und vom Talent zu einem der besten Eishockeyspieler aller Zeiten.

„Wir waren praktisch noch Kinder, als wir hier mit 18 Jahren anfingen“, erinnert sich Draisaitl. „Da weiß man noch nicht, wie sich so eine Karriere entwickeln wird. Dann zu erleben, wie Connor die 1000 erreicht, wie Nurse oder Nugent-Hopkins ihre Wege gehen – es ist etwas Besonderes, ein Teil davon zu sein. Es ist dadurch so besonders, weil man jede Phase der jeweiligen Karriere miterlebt hat und immer füreinander da war. Wir hatten viele spaßige Abende zusammen.“

Eishockey wurde nach der Zeremonie natürlich auch noch gespielt: Draisaitl bewies mit seinen zwei Treffern erneut seine Effektivität. Dennoch verloren die Oilers mit 3:4 nach Penaltyschießen gegen die Kings. Klar ist aber auch: Die Zeremonie dürfte allerdings länger nachwirken als der Ärger über den verlorenen Punkt.

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