Matthew Schaefer steht inzwischen in einer Reihe mit den ganz Großen – und hat sie teilweise schon hinter sich gelassen. Beim 4:3-Overtime-Sieg der New York Islanders gegen die Montreal Canadiens im Bell Centre am Donnerstag stellte der erst 18-jährige Verteidiger einen bemerkenswerten NHL-Rekord auf: Mit seinem 18. Saisontor übertraf er die Bestmarke für Verteidiger in diesem Alter.

Bislang hatte Phil Housley den Maßstab gesetzt. Dessen 17 Treffer aus der Saison 1982/83 galten jahrzehntelang als unerreichbar. Schaefer benötigte lediglich 59 Spiele, um den Wert zu egalisieren und anschließend zu überbieten – ein Tempo, das selbst NHL-Legenden wie Bobby Orr (13 Tore mit 18) deutlich hinter sich lässt. Moderne Stars wie Rasmus Dahlin oder Zach Bogosian kommen in dieser Altersklasse nicht annähernd heran. Sie brachten es auf deren neun.

Was die Leistung zusätzlich einordnet: Housley kam in seiner Rekordsaison zwar auf 19 Treffer, zwei davon erzielte er jedoch erst nach seinem 19. Geburtstag. Schaefer dagegen hat den historischen Wert bereits vollständig als 18-Jähriger erreicht – und die Saison ist noch nicht beendet.

Zwei Tore in 55 Sekunden – ein Statement

Das Spiel in Montreal war ein Paradebeispiel für Schaefers außergewöhnliches Talent. Innerhalb von nur 55 Sekunden im zweiten Drittel drehte der Rookie die Partie praktisch im Alleingang.

Zunächst verkürzte er im Powerplay auf 1:2 (38.), nachdem er einen Pass von Mathew Barzal trocken verwertete. Weniger als eine Minute später folgte ein Highlight-Tor: Schaefer trug die Scheibe selbst tief in die Zone, umkurvte den Kasten, zog wieder nach außen und schloss mit einem präzisen Handgelenkschuss ab (39.).

„Ich dachte, wir haben früh im Spiel nicht genug geschossen“, erklärte Schaefer. „Dann habe ich Geschwindigkeit aufgenommen, bin ums Tor gegangen und habe das Eis genutzt, das sie mir gegeben haben.“

Mit diesem Doppelschlag schrieb er gleich mehrfach Geschichte. Schaefer ist erst der siebte 18-Jährige der NHL-Historie mit zwei Toren in weniger als einer Minute – und der einzige Verteidiger auf dieser Liste. Außerdem ist er erst der dritte Verteidiger der Islanders, dem zwei Treffer in unter 60 Sekunden gelangen, nach Denis Potvin und Jean Potvin.

Reife weit über sein Alter hinaus

Dass Schaefer nicht wie ein typischer Rookie wirkt, fällt Beobachtern ligaweit auf. Montreal-Torhüter Sam Montembeault brachte es nach dem Spiel auf den Punkt:

„Er ist so ein guter Verteidiger, er sieht da draußen nicht wie ein 18-Jähriger aus. Er ist wie ein Quarterback, ein richtig guter Skater, er macht Spielzüge … und er kann den Puck sehr gut schießen.“

Die Zahlen unterstreichen diesen Eindruck. Mit inzwischen 41 Punkten (18 Tore, 23 Assists) in 59 Spielen gehört Schaefer zu den produktivsten jungen Verteidigern der NHL-Geschichte. Nur Housley und Dahlin erreichten als 18-jährige Defender überhaupt die Marke von 40 Punkten.

Besonders bemerkenswert ist seine Konstanz: Das Spiel in Montreal war bereits sein drittes Multi-Tore-Spiel in der NHL. Damit ist er der einzige Verteidiger in der Ligageschichte, der mit 18 mehr als ein Spiel mit mindestens zwei Treffern verbuchen konnte. Insgesamt ist er erst der zweite Teenager-Verteidiger mit mindestens drei solchen Partien – erneut neben Housley.

Islanders zeigen Comeback-Qualitäten

Trotz Schaefers Gala war die Partie lange offen. Montreal ging durch zwei Treffer von Noah Dobson (in der 13. und 31. Minute) mit 2:0 in Führung, später stellte Cole Caufield im dritten Drittel auf 3:2 (50., pp).

Doch die Islanders bewiesen Moral. Kapitän Anders Lee glich in seinem 900. NHL-Spiel 1:41 Minuten vor Schluss aus, ehe Jean-Gabriel Pageau nach 1:46 Minuten in der Verlängerung den Siegtreffer erzielte.

„Ich habe dieses Jahr das Gefühl, dass wir immer eine Chance haben zurückzukommen“, sagte Pageau. „Wir kämpfen bis zum Ende – und genau das ist wieder passiert.“

Auch Islanders-Coach Patrick Roy lobte die Mentalität seiner Mannschaft: „Charakter – das ist das erste Wort, das mir einfällt. Selbst als wir zwei Tore zurücklagen, hatte ich das Gefühl, wir bleiben ruhig und spielen einfach unser Spiel.“

NYI@MTL: Pageau mit der Rückhand in der Overtime

Ein Rookie auf historischem Kurs

Mit nun 18 Saisontoren hat Schaefer nicht nur den NHL-Rekord für 18-jährige Verteidiger gebrochen, sondern auch den Franchise-Bestwert für Rookie-Defender der Islanders eingestellt bzw. übertroffen. Der NHL-Rekord für Rookie-Verteidiger liegt weiterhin bei 23 Treffern von Brian Leetch (1988/89) – doch angesichts von Schaefers Tempo wirkt selbst diese Marke plötzlich nicht mehr völlig unangreifbar.

Vor allem seine Spielweise deutet darauf hin, dass sein Einfluss weit über Tore hinausgeht. Schaefer bewegt sich mit der Ruhe eines Routiniers, treibt das Spiel wie ein zusätzlicher Spielmacher an und übernimmt bereits in seinem ersten Jahr Verantwortung in allen Situationen.

Für die Islanders, die mit drei Siegen in Folge weiter im Rennen um einen Platz in den Stanley Cup Playoffs bleiben, ist der Teenager längst mehr als nur ein vielversprechendes Talent. Er ist ein Unterschiedsspieler – und möglicherweise der Beginn einer neuen Ära auf Long Island.

Eines steht jedenfalls fest: Schaefer steht nicht nur allein in den Rekordbüchern. Er ist auf dem besten Weg, sie noch eine ganze Weile weiter umzuschreiben.

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