Man könnte meinen, dass man zufrieden sein kann, wenn man als Team eine Division in der NHL anführt. Doch im Lager der Vegas Golden Knights war man am Freitagabend alles andere als zufrieden. Im zweiten Spiel nach der Pause wegen der Olympischen Spiele in Milano Cortina 2026 fiel die Mannschaft von Trainer Bruce Cassidy in alte Muster zurück. Die Folge war eine bittere 2:3-Niederlage in der Capital One Arena bei den Washington Capitals.

Es ist wohl mit die bitterste Bilanz für ein Team, die ein Trainer nach einer Partie ziehen kann: „Wir waren nicht bereit. Wir reden immer davon, dass die Trainer das Team vorbereiten müssen. Aber die Spieler sind Profis. Sie müssen bereit sein. Nach dem ersten Drittel dachten wir, dass es im zweiten besser wird, aber stattdessen ist es schlechter geworden.“ Bruce Cassidy, Coach der Golden Knights, blickte beim Gespräch mit den Journalisten nach der Partie in der US-Hauptstadt angefressen drein. Keine Frage: Die Leistung seines Teams sagte ihm überhaupt nicht zu.

Dabei fiel Vegas in ein altes Muster in dieser Saison zurück. Die Mannschaft fand erst im Schlussdrittel zu ihrer wahren Leistungsstärke. Doch das war diesmal nicht genug. Denn nach zwei Dritteln lagen die Gäste aus dem Spielerparadies in Nevada 0:3 zurück. Nach einem torlosen ersten Drittel hatten Pierre-Luc Dubois mit einem schnellen Doppelschlag (21., 24.) sowie Jakob Chychrun die Gastgeber auf die Siegerstraße gebracht. Im Schlussabschnitt bäumten sich die Golden Knights nochmal auf. Braeden Bowman (43.) und Tomas Hertl (50.) brachten Vegas auf 2:3 heran.

VGK@WSH: Chychrun jagt den Puck in seinem  600. Spiel unter die Latte

Doch das war es dann auch. „Wir haben 20 Minuten lang gut gespielt. Man stelle sich vor, wir hätten das 40 oder gar 60 Minuten geschafft. Aber klar, jeden Abend 60 Minuten stark spielen, das passiert nicht“, konstatierte Cassidy. „Das ist uns jetzt schon zu oft passiert. Wir haben 40 Minuten lang Probleme, kommen dann zurück im dritten Drittel. Wir müssen herausfinden, woran das liegt. Drei, vier Tore aufholen, ist in dieser Liga schwierig“, meinte auch Hertl. Der Tscheche war ebenfalls bei den Olympischen Spielen für sein Land im Einsatz und konnte sich gegen Washington immerhin über seinen 600. Scorerpunkt in der NHL freuen. Er ist damit erst der 18. Spieler, der in Tschechien geboren wurde, der diese Marke geknackt hat.

Dabei waren die Vorzeichen für sein Team im Prinzip gut, war es doch zum einen mit einem 6:4-Sieg bei den Los Angeles Kings aus der Olympiapause gekommen. Zum anderen stand dem Übungsleiter auch wieder ein Quintett aus Spielern zur Verfügung, denen man bewusst nach ihrer Teilnahme bei den Olympischen Spielen gegen Los Angeles noch eine Pause gegönnt hatte: Jack Eichel, Noah Hanifin, Mark Stone, Mitch Marner und Shea Theodore. Doch auch sie konnten der Partie nicht die entsprechende Wendung geben.

Ein Leistungsabfall nach den Olympischen Spielen? Brauchen die Spieler noch ein bisschen, bis sie wieder in den Rhythmus kommen? Cassidy wollte das nicht zählen lassen. „Das sind Top-Profis. Devon Toews und Cale Makar haben an zwei Abenden hintereinander gespielt, Connor McDavid, Jack Hughes und Auston Matthews haben es geschafft“, zählte er auf. „Unsere Jungs hatten genügend Ruhe. Ich hoffe, sie sind am Sonntag in besserer Form. Wir brauchen sie.“ Man habe versucht, den Spielern eine Pause zu geben, in der Hoffnung, dass sich das bezahlt mache. „Das ist definitiv nicht einfach. Aber wir sind Profis. Wir müssen damit zurechtkommen. Das betrifft ja auch alle Teams. Am Sonntag müssen wir besser sein. Wir brauchen einen besseren Start“, betonte Hertl.

Ein weiterer Olympia-Fahrer der Golden Knights, Torwart Akira Schmid, bekam in Washington von Cassidy den Zuschlag für den Starterjob im Tor. Doch die 27 Saves des Schweizers waren nicht genug. Damit hatte Logan Thompson (24 Saves), Torwart der Washington Capitals, schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage im direkten Duell mit Schmid das bessere Ende für sich. Schon im Vorrundenduell bei Olympia hatte er mit Kanada beim 5:1-Sieg gegen die Schweiz das bessere Ende für sich.

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Die Golden Knights hatten gegen die Capitals im dritten Drittel sogar die Chance, noch etwas mitzunehmen. Doch Thompson war sowohl gegen Brayden McNabb als auch gegen Marner zur Stelle. Vor allem der spektakuläre Save gegen Marner sorgte hinterher für Gesprächsstoff. „Ich hatte das Gefühl, dass er nicht schießen würde. Er ist ein Spieler, der gut antäuschen kann. Wenn er geschossen hätte, hätte er mich wahrscheinlich bezwungen“, meinte der Keeper zu der Szene. Doch Marner hatte trotzdem noch sein persönliches Erfolgserlebnis. Seine Vorlage beim Treffer von Hertl war sein 800. Scorerpunkt in der NHL. 715 Spiele hat er dafür gebraucht, womit er unter den aktiven Spielern der acht-schnellste ist. McDavid führt diese Statistik an – er brauchte lediglich 545 Partien.

So holten sich die Capitals zwei weitere wichtige Zähler in ihrem Bemühen, es doch noch auf einen der begehrten Playoff-Plätze zu schaffen. 6-1-0 lautet ihre Bilanz aus den vergangenen sieben Partien. Die vergangenen drei Spiele haben sie gar allesamt gewonnen. Ihr Rückstand auf die Boston Bruins auf dem zweiten Wild Card Platz in der Eastern Conference beträgt nur noch zwei Zähler. Allerdings hat Boston drei Spiele weniger ausgetragen. „An diesem Punkt der Saison ist das nur ein weiteres Spiel. Es ist immer schön, einen weiteren Sieg einzufahren. Wir haben die zwei Punkte gebraucht. Darauf müssen wir aufbauen“, meinte Thompson.

Die fünf Partien umfassende Auswärtstour der Golden Knights geht am Sonntag bei den Pittsburgh Penguins weiter. Danach geht es noch gegen die Buffalo Sabres und die Detroit Red Wings. Gelegenheit für die Spieler, zu zeigen, dass sie gute Leistungen auch über 60 Minuten bringen können. Denn auch Vegas braucht jeden Punkt im Schlussspurt der regulären Saison. Vegas ist mit 70 Punkten zwar auf Platz eins der Pacific Division, aber Edmonton (66) und Anaheim (65) sitzen dem Team im Nacken.

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