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Wenn es noch einen weiteren Beweis dafür gebraucht hätte, wie groß die Rolle der Spieler aus dem DACH-Raum in der NHL inzwischen ist, das Duell der Edmonton Oilers gegen die Ottawa Senators im Rogers Place am Dienstag hätte als ein solcher dienen können. Beim 6:3-Erfolg der Oilers trafen sowohl Leon Draisaitl als auch Tim Stutzle jeweils doppelt für ihr Team.

Draisaitl (2-0-2) erreichte dadurch die 100-Punkte-Marke in dieser Saison. Der gebürtige Kölner durfte diesen Meilenstein in der Liga bereits zum insgesamt vierten Mal in seiner Laufbahn nach 2018/19, 2019/20 und 2021/22 verbuchen. In der Geschichte der Oilers schafften dies zuvor lediglich die Eishockeylegenden Wayne Gretzky (9 mal), Connor McDavid (6), Jari Kurri (6) und Mark Messier (5).
"Ich denke, er hat das Spiel gespielt, als wäre er auf einer Mission", lobte Oilers-Coach Jay Woodcroft Draisaitl nach dem Spiel. "Er ist der personifizierte Eishockeyverstand und die Definition dessen, wie ein moderner Power Forward aussieht oder aussehen sollte. Ich denke, wenn er in Bestform ist, ist sein Spiel so stark, weil er in allen drei Zonen schwer zu kontrollieren ist. Aber was für mich bei Leon heraussticht, ist sein Sinn für Eishockey."

OTT@EDM: Draisaitl feiert 100. Punkt mit zwei Toren

Und auch vom Reihen-Kollegen Warren Foegele gab es für Draisaitl nach dem Erreichen des Meilensteins viele freundliche Worte: "Er ist einfach ein Weltklassespieler. Jeder, der mit ihm spielen darf, hat Glück. Meine Aufgabe ist es, ihm den Puck zuzuspielen. Ich versuche auf jeden Fall, das Beste aus dieser Gelegenheit zu machen."
Der so gelobte gab sich gewohnt bescheiden und versuchte die Aufmerksamkeit stärker auf die Leistung des Teams zu richten. "Ich denke, wir haben heute Abend einen guten Job gemacht, haben ihnen nicht zu viel gegeben. Es war ein ziemlich solides Spiel von uns", sagte Draisaitl hinterher. Und auch auf das große Kompliment von Stützle, er sei das Gesicht des deutschen Eishockeys, reagierte der Kölner zurückhaltend höflich. "Wenn er mich so sieht, dann ist das eine große Ehre für mich. Er ist selbst ein großartiger Spieler. Aber wenn ich diese Rolle übernehmen kann, dann mache ich das gerne. Ich hoffe, dass es immer mehr deutsche Spieler geben wird, die einen großen Einfluss auf die NHL-Teams haben werden."
Stützle ging am Ende mit seinen Teamkameraden aus diesem Duell zwar als sportlicher Verlierer hervor, konnte durch seine beiden Treffer des Tages seine Saisonausbeute jedoch auf 34 Tore und 73 Punkte ausbauen.
"Ich denke, wir haben hart gearbeitet und hatten viele Chancen", lautete das Spielfazit von Ottawas Trainer D.J. Smith. "Wir müssen nachsehen, aber ich dachte, es war ein ziemlich ausgeglichenes Spiel. Vielleicht waren wir sogar etwas besser heute. Nur die Fehler, die wir gemacht haben, landeten in unserem Netz."

OTT@EDM: Stützle trifft zwei Mal

Schon vor dem Spielbeginn war sich Stützle der besonderen Bedeutung dieses sportlichen Vergleichs bewusst, als er auf Draisaitl und McDavid angesprochen wurde. "Es ist toll, gegen Leon und Connor zu spielen. Das ist immer eine Herausforderung", sagte Stützle schon nach dem Morningskate mit Blick auf das bevorstehende Aufeinandertreffen.
Vor dieser Spielzeit war es erst einmal zwei Deutschen gelungen, in einer Saison die 50-Punkte-Marke zu überspringen. Dies war im Vorjahr der Fall, als Draisaitl es am Ende der Hauptrunde auf 110 Zähler brachte, Stützle 58 Punkte vorzuweisen hatte und Moritz Seider von den Detroit Red Wings es in seiner Rookie-Saison auf genau 50 Punkte brachte.
In der laufenden Runde hat einer von diesen bereits die 100er-Marke erreicht und der andere schickt sich an, die 80-Zähler-Marke zu übertreffen. Diese Zahlen zeigen schon, wie gut sich die beiden Aushängeschilder des deutschen Eishockeys im Speziellen und die Beteiligten aus dem DACH-Raum in der Liga aktuell insgesamt entwickeln.
Neben Draisaitl glänzten in Reihen der Gastgeber vor allem Ryan Nugent-Hopkins und Connor McDavid. Beide steuerten jeweils einen Treffer und eine Vorlage zum Sieg ihrer Mannschaft bei. Foegele verbuchte zwei Assists und Goalie Stuart Skinner gelangen 29 Saves für das Team aus Edmonton (37-23-8), das in der Pacific Division mit einem Punkt Vorsprung auf die Seattle Kraken den dritten Platz einnimmt.
Auf Seiten der Gäste aus der kanadischen Hauptstadt überzeugte neben Stützle (2-0-2) in erster Linie Torhüter Mads Sogaard, der 27 Mal für die Senators (33-30-4) retten konnte. Der Rückschlag in Edmonton war die dritte Niederlage für die Senators in der Liga hintereinander.
Derek Ryan traf direkt mit dem ersten Schuss von Edmonton nach 2:20 Minuten zum 1:0. Er nahm einen Pass von Ryan McLeod kurz hinter der blauen Linie auf und traf vom rechten Bullykreis aus. Brady Tkachuk glich im Powerplay nach 6:48 Minuten zum 1:1 aus, als er einen Pass von Oilers-Verteidiger Vincent Desharnais verwerten konnte.
Draisaitl brachte Edmonton in der 13. Minute mit 2:1 in Führung. Es war sein 297. Karrieretor im 624. Hauptrundenspiel in der NHL. Damit überholte er Oilers-Legende Ryan Smyth (296 in 971), und schob sich auf Rang fünf in Bezug auf die meisten Treffer in der Geschichte des Klubs. Stützle gelang der 2:2-Ausgleich (19., SH) mit einem Unterzahltreffer nach einem Konter mit Dylan Gambrell. Mit diesem Ergebnis ging es in die erste Pause.

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Nugent-Hopkins brachte die Oilers bei einem Powerplay in der 26. Minute mit 3:2 in Führung, nachdem ein Pass in die Mitte zu ihm zurückgeprallt war. Draisaitl sorgte mit seinem 100. Punkt nach 36:17 Minuten für das 4:2. Nick Bjugstad erzielte 0,4 Sekunden vor Ende des zweiten Drittels das 5:2 für die Hausherren. Er nahm dabei einen Pass von Mattias Ekholm auf, lief zum Tor und umkurvte Goalie Sogaard gekonnt.
Stützle verkürzte im finalen Spielabschnitt in der 46. Minute zwar noch einmal für die Hauptstädter auf 3:5, doch McDavid ließ gut drei Minuten vor den Schlusssirene den Treffer zum Endstand in den inzwischen verwaisten Kasten Ottawas folgen. Es war sein 56. Saisontor.
Edmontons Coach Woodcroft zeigte sich nach dem Erfolg dementsprechend zufrieden: "Ich fand, dass wir zu Beginn des Spiels ein wenig nachlässig waren. Zum Glück haben wir das erste Tor geschossen, was schön war. Ich habe gesehen, dass wir uns im weiteren Verlauf des Spiels verbessert haben. Warren Foegele hat ein tolles Spiel gemacht, aber ich denke, der beste Spieler auf dem Eis war heute Abend mit Abstand Leon Draisaitl."