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Besondere Beziehung der Spieler zum Schläger

NHL.com/de hat mehrere Spieler über ihren verlängerten Arm befragt

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

NHL.com/de hat sich kürzlich mit einigen Spielern aus der Liga unterhalten, um einen Einblick in breit gefächerte Themen zu bekommen. In dieser Ausgabe schreibt Stefan Herget über NHL-Spieler und die besondere Beziehung zu ihren Eishockeyschlägern:

Was dem Fußballspieler seine Schuhe sind, sind dem Eishockeyspieler seine Schläger, wobei der Vergleich ehrlich gesagt etwas hinkt. Denn im Fußball ist es immer noch die direkte Einwirkung von Körperteilen, in diesem Fall der Fuß und das Bein mit der verbundenen Muskulatur, die nach dem Einsatz für die Bewegung und Geschwindigkeit des Balles sorgen und der Schuh ist dabei nur eine Unterstützung. Im Eishockey allerdings übernimmt der Schläger durch seine Flexibilität, Biegung und das Material einen großen Teil der Kraftübertragung auf den Puck. Insofern kommt ihm durchaus eine größere Bedeutung zu.

"Ich bin einer von denen, die sehr behutsam mit ihrem Schläger umgehen und die keinem anderen erlauben, meinen Schläger anzufassen", betont Winnipeg Jets Stürmer Patrik Laine. "Ich bin schon etwas besonders im Umgang mit meinen Schlägern. Sie sind mein Werkzeug, mein allerwichtigstes Werkzeug."

Die meisten Spieler pflegen aus diesem Grund eine besondere Beziehung zu ihrem Schläger und schieben es auch einmal gerne auf das Spielgerät, sollten die Schüsse oder Pässe nicht so kommen wie gewohnt. Andere wiederum wechseln ohnehin den Schläger.

"Ich nutze während des Spiels fünf Schläger", erzählt Laine. "Unabhängig davon, ob es gerade nicht läuft, ich muss ihn einfach wechseln. Ich tape ihn vielleicht zwischen den Einsätzen neu und ich habe unterschiedliche Schlägertypen für das Powerplay, es ist also schon eine verrückte Einstellung."

Neben dem Hersteller und dem Material des Schlägers, der heutzutage kaum noch aus Holz, sondern modernen Stoffen wie Aluminium, Fiberglas, Graphit, Kevlar, Carbon, Titan oder einer Kombination daraus besteht, ist die Krümmung der Kelle je nach Belieben des Spielers sehr unterschiedlich ausgeformt.

"Ich habe immer nur die Standard-Krümmung genutzt", macht Edmonton Oilers Stürmer Tobias Rieder deutlich und verzichtet daher auf eine individuelle Anfertigung, wie sie viele Spieler schätzen. "Als ich in der AHL gespielt habe, mussten zum Beispiel alle mit CCM Schlägern spielen und ich bin gut damit zurechtgekommen, so dass ich diese behalten habe, als ich in die NHL kam."

Trotzdem bekennt der 25-jährige Landshuter, dass er gerne hin und wieder Neuerungen und andere Modelle testet, doch überzeugen konnten sie ihn bislang nicht. "Gelegentlich probierte ich einige andere aus, aber es ist nicht einfach sich umzustellen, also blieb ich bei den alten."

Obwohl allgemein nachgesagt und von Rieder praktisch bestätigt wird, dass Stürmer empfindlicher als Verteidiger sind, was ihre Kelle und deren Biegung angeht, setzt Chicago Blackhawks Verteidiger Jan Rutta diesbezüglich ebenfalls auf Konstanz.

"Ich spiele jetzt schon ungefähr fünf oder sechs Jahre mit dem gleichen Schlägermodell", bekennt der Tscheche Rutta. "Ich habe Biegungen und Elastizitäten ausprobiert und bin bei einem hängen geblieben - ich weiß nicht einmal, ob er zu mir passt - aber ich habe damit ein paar Tore geschossen und bin dabeigeblieben. Ich kenne Spieler, die ihren Schläger zu jedem Drittel wechseln, aber ich bin einer, der zu seinem Schläger steht."

Ein weiterer Punkt, bei dem Eishockeyspieler eigen sind, ist die Farbe des Tapes, mit dem die Kelle zum Schutz und bessere Puck-Führungseigenschaften umwickelt wird. Hier wechselte Rutta bereits, obwohl er nicht genau erklären kann, warum. "Ich war es immer gewohnt mit einem weißen Tape zu spielen", erläutert er. "Aber jetzt kann ich einfach nicht mehr damit spielen."

 

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Auch die Länge des Schlägers kann und sollte aufgrund der Größe des Spielers variieren. Während Verteidiger gerne mit einer längeren Gerätschaft arbeiten, um beim Stören der gegnerischen Angriffe durch mehr Reichweite gute Arbeit zu verrichten, bevorzugen Stürmer meist kürzere, um flexibler und schneller in den Bewegungen zu sein.

Darum legen auch Spieler gerne selbst Hand an. "Ja natürlich mache ich es", erwidert Rutta bestimmend auf die Frage, ob er die Schläger selbst zuschneidet. "Ich erinnere mich noch daran, als ich meine Schläger sehr ungenau abgeschnitten hatte, habe ich das sofort gefühlt. Also habe ich angefangen, alle haargenau gleich abzuschneiden."

Rieder würde diese Erfahrung gerne einmal austesten, obwohl er selbst ähnliche Erfahrungen gemacht hat: "Um ehrlich zu sein, wäre es ein gutes Experiment, wenn jemand einmal den Schläger abschneiden würde und du nicht weißt, ob er länger oder kürzer ist als gewohnt. Ich habe versucht, meinen Schläger letztes Jahr etwas zu kürzen, doch aus irgendeinem Grund hat es sich nicht richtig angefühlt."

Doch wie viele Schläger verbraucht ein NHL-Spieler während einer Spielzeit?
"Ich nutze so 100 Schläger während einer Saison", antwortet Laine postwendend, während es für New York Islanders Stürmer Tom Kühnhackl keine einfache Frage ist: "Das ist schwierig. Keine Ahnung, ich habe sie noch nie gezählt, doch ich verwende zu jedem Spiel einen neuen Schläger und meistens alle paar Trainingseinheiten auch einen neuen. Es kommen wohl so an die 150 Stück zusammen."

So viele Schuhe braucht ein Fußballer während einer Saison definitiv nicht.

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