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Dennis Seidenberg hat als Höhepunkt seiner Karriere im Jahr 2011 als zweiter Deutscher den Stanley Cup gewonnen. Der heutige Entwicklungstrainer der New York Islanders wird in einer monatlichen Kolumne exklusiv für NHL.com/de seine Ansichten zu Teams, Spielern und brennenden Fragen teilen.

Hier die achte Ausgabe 25/26:

Die reguläre Saison dauert nur noch eine Woche, weshalb es überraschend war, dass es zu diesem späten Zeitpunkt gleich zwei Trainerwechsel gab. Zunächst wurde Bruce Cassidy bei den Vegas Golden Knights durch John Tortorella ersetzt, dann Patrick Roy bei den New York Islanders durch Pete DeBoer. Während die Golden Knights ihrem Team wohl einen neuen Schub für die Stanley Cup Playoffs geben wollten, müssen die Islanders noch um den Einzug kämpfen und hoffen, diesen zu schaffen.

Bei den Islanders ist der Glaube vorhanden, die Playoffs zu erreichen, auch wenn man aktuell nicht mehr unter den Qualifizierten ist und drei Punkte Rückstand hat. Mit dem neuen Trainer soll ein Energieschub erreicht werden, der die Mannschaft aufweckt und dazu bringt, die letzten vier Spiele zu gewinnen, um den Rückstand wieder aufzuholen. Hoffentlich geht das auf.

In den letzten zwei Wochen sah es so aus, als ob keiner der Wackelkandidaten der Eastern Conference in die Playoffs kommen möchte. Plötzlich sind die Philadelphia Flyers dabei, obwohl sie die ganze Zeit hinterhergehinkt sind. Die Islanders, Detroit Red Wings, Columbus Blue Jackets und Ottawa Senators haben sich unterschiedlich lange Auszeiten gegönnt.

Ottawa mit Tim Stützle hat mit einem überzeugenden Sieg am Dienstag gegen die Tampa Bay Lightning vorgelegt. Mal schauen, wer im Endspurt noch die Kraft hat, da zu folgen. Für Moritz Seider und die Red Wings wäre es auch bitter, wenn es wieder nicht funktionieren sollte, nachdem ihnen in der vergangenen Saison ein Tor zum Einzug in die Playoffs gefehlt hat und sie diese Saison die ganze Zeit über vorne mit dabei waren.

TBL@OTT: Tim Stützle trifft und liefert zwei Assists beim 6:2-Erfolg der Senators

Moritz Seider hat mit zwei beeindruckenden Statistiken aufhorchen lassen. Zum einen stellt er einen neuen Punkterekord für deutsche Verteidiger in einer Saison auf, den er sich bislang mit Christian Ehrhoff teilte. Zum anderen ist er jetzt NHL-Rekordhalter bei den am Stück absolvierten Spielen seit Karrierebeginn (406). Er hat noch kein einziges Spiel verpasst – eine der beeindruckendsten Statistiken überhaupt. Das ist eine tolle Leistung, vor allem, wenn man bedenkt, mit welcher Härte er spielt und wie hart er checkt. Es ist schon unglaublich, so gesund zu bleiben, und spricht für seinen Charakter, seine Arbeitseinstellung und seine Vorbereitung.

CGY@DET: Seider schießt scharf in Überzahl

Intensiv verfolge ich auch die Boston Bruins mit Marco Sturm als Trainer. Ich glaube, das hatte ich hier am Saisonbeginn geschrieben. Ich hatte schon die Befürchtung, dass die Qualität des Kaders nicht ausreichen könnte, um wettbewerbsfähig zu sein. Die Erwartungen waren nicht so groß, umso mehr ist Marcos erstes Jahr als NHL-Cheftrainer noch bemerkenswerter. Sie haben mich Lügen gestraft. Es ist sehr beeindruckend, was er mit den Bruins erreicht hat. Sie werden wahrscheinlich in die Playoffs kommen. Das war überhaupt nicht zu erwarten und das ist sicher auch sein Verdienst. Das ist einfach super zu sehen.

In den Playoffs könnte es im Osten durchaus passieren, dass ein Wildcard-Team durchmarschiert. Dafür braucht man einen Torwart, der über sich hinauswächst und zur richtigen Zeit die wichtigen Saves macht. Natürlich braucht man auch einen Torschützen wie David Pastrnak, der eine Serie klauen kann, und nicht nur zuletzt das nötige Quäntchen Glück. Aber man weiß ja, wie es ist: Wenn der Schneeball erst einmal ins Rollen gekommen ist, dann ist man schwer zu stoppen. Wenn der Teamgeist stimmt und Euphorie entsteht, kann auch ein Außenseiter weit kommen. Hoffentlich sind das die Islanders und nach ihnen die Bruins.

BOS@BUF: Pastrnak erzielt per Direktabnahme im rechten Faceoffkreis das 1:0

In der Western Conference könnte die ungewöhnliche Situation entstehen, dass die erste Wildcard mehr Punkte auf dem Konto hat als der Erste der Pacific Division – und trotzdem hätte Letzterer Heimrecht. Ähnlich geht es den Minnesota Wild, die als Dritter der Central Division wahrscheinlich das drittbeste Team des Westens sind und trotzdem in der ersten Runde auswärts beginnen müssen. Deswegen werden die Diskussionen um das Playoff-Format in den Divisionen wieder lauter und es wird gefordert, zum ursprünglichen System „Bester gegen Letzten” usw. zurückzukehren.

Das kann man so sehen, aber wer den Stanley Cup gewinnen will, muss jedes Team schlagen können. Ich verstehe diese Meinung, und es gibt Pro- und Contra-Argumente für beide Seiten. Ich persönlich bevorzuge aber die Regelung eins gegen acht usw., da diese das Ergebnis der regulären Saison mehr würdigt.

Schade, dass Leon Draisaitl sich verletzt hat und die 100 Punkte deswegen nicht mehr erreichen kann. Wichtiger dürfte für ihn aber sein, rechtzeitig zu den Playoffs wieder fit zu werden. Insofern ist der Zeitpunkt gar nicht so schlecht, um alle kleinen Blessuren auszukurieren und in den Playoffs richtig stark zurückzukommen. Natürlich kommt er etwas aus dem Rhythmus und braucht womöglich ein paar Spiele, um wieder reinzukommen, doch er hat mittlerweile genug Erfahrung, um das zu kompensieren. Ich gehe davon aus, dass er zurückkommt und genauso mit Punkten und Toren weitermacht, wie er aufgehört hat.

Bis demnächst! Euer Dennis

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