300426_HCFG_HCD_©AdrienPerritaz_6401

In der Serie „Catching Up With…” spricht NHL.com/de regelmäßig mit ehemaligen NHL-Profis, die mittlerweile außerhalb von Nordamerika spielen oder sich vom aktiven Eishockey als Spieler zurückgezogen haben.

In dieser Ausgabe: David Aebischer

David Aebischer war ein Pionier für das Schweizer Eishockey. Er war der Erste seines Landes, der sich in der NHL durchsetzen und im Jahr 2001 mit der Colorado Avalanche als Backup-Torhüter hinter Patrick Roy den Stanley Cup gewinnen konnte. Seine weiteren NHL-Stationen waren die Montreal Canadiens und die Phoenix Coyotes, ehe er in die Schweiz zurückkehrte.

Mit dem HC Fribourg-Gottéron, seinem Heimatklub und wo er seit vielen Jahren als Torwart-Trainer tätig ist, hatte er in diesem Frühjahr ein besonderes Erlebnis. Der dienstälteste Verein der National League konnte erstmals den Meistertitel feiern und damit einen vielseitig kolportieren Fluch besiegen.

Im Verein ist er in allen Altersstufen für die Torhüter zuständig. Dadurch ist er auch mit dem Nachwuchs intensiv beschäftigt. Zu seinen Schützlingen zählt unter anderem der 20-jährige Torhüter Elijah Neuenschwander, der im NHL Draft 2025 von den Anaheim Ducks in der vierten Runde ausgewählt wurde und in Fribourg unter Vertrag steht, aber derzeit an den HC Thurgau aus der Swiss League ausgeliehen ist.

Alles gute und interessante Themen, um mit Aebischer ein intensives Gespräch zu führen.

Hallo David! Wie lange bist du schon bei Fribourg-Gottéron tätig?

Ich bin schon seit zwölf Jahren hier. Als Torhütertrainer habe ich von den Junioren bis zur ersten Mannschaft alles schon gemacht.

300426_HCFG_HCD_©AdrienPerritaz_6059

Was unterscheidet das Torhüterspiel damals im Vergleich zu heute?

Gewisse Sachen sind gleichgeblieben, aber das Spiel ist schneller geworden. Die Spieler schießen härter und präziser. Durch die höhere Schnelligkeit kamen einige technische Elemente dazu. Aber das Ziel ist immer noch das gleiche, zu verhindern, dass die Scheibe ins Tor geht (lacht).

Wie haben sich die Trainingsmethoden entwickelt und wird hier auch verstärkt Datenanalyse betrieben?

Die Datenauswertung ist zunehmend ein Thema. Wie hart man trainieren darf und sollte und zu welchem Zeitpunkt. Das schauen wir jetzt viel genauer an, als es noch vor 20 Jahren der Fall war. Wir als Goaliecoaches investieren mehr Zeit als früher in die Videoanalyse. Es gibt viel mehr Möglichkeiten. Wir machen diese nicht nur vom Spiel, sondern auch von Trainings. So versuchen wir die Torhüter noch besser zu machen.

Kommen wir auf die Meisterschaft von Fribourg zu sprechen. Was hat dieser Titel in eurer Region ausgelöst?

Freiburg ist eine Hockeystadt, sogar ein Hockey-Kanton. Bei uns gibt es die Kirche, den Moléson, das ist ein Berg und eben Fribourg-Gottéron. Die drei Stützpunkte in Freiburg. Als wir den Titel gewonnen hatten, war eine Rieseneuphorie. Die hält auch noch immer an.

Aber was war das für ein Auf und Ab in den Playoffs. Erste Runde als klarer Favorit 0:2 und 2:3 in der Serie zurück und 4:3 gewonnen. Das Halbfinale immerhin relativ souverän mit 4:1 gewonnen. Im Finale 1:0 und 2:1 durch zwei Auswärtssiege geführt, dann 2:3 zurück, daheim mit einem 2:1 ausgeglichen und mit einem 3:2 in Davos im Spiel 7 den Titel geholt. Trotz des Fluchs, der euch nachgesagt wurde, eine extrem nervenstarke Leistung. Wie lange hast du gebraucht, dich davon zu erholen?

Ich bin nicht mehr der Jüngste (49 Jahre, d. Aut.). Das hat schon einige Zeit benötigt, um sich von dem Ganzen zu erholen, denn auch die Feierlichkeiten waren ausgiebig. Aber ich glaube gerade das Finale war eine sehr gute Werbung für das Schweizer Eishockey. Und dass wir am Ende gewonnen haben, war natürlich umso schöner.

Was bedeutete dir persönlich diese Meisterschaft, nachdem du schon lange beim Verein engagiert bist?

Ich hier aufgewachsen und man sagte immer überall, dass Freiburg niemals Meister werden würde. Dass sie jetzt diesen Fluch brechen konnten, ist natürlich umso schöner für jemanden wie mich, der hier Junioren-Hockey gespielt hat und jetzt auch hier arbeitet.

020526_HCFG_©AdrienPerritaz_9386

Apropos Fluch: Haben sich die Toronto Maple Leafs wegen Nachhilfe im Brechen eines Fluchs schon gemeldet?

(Lacht) Nein, bisher nicht.

Wie siehst du das im Vergleich zu deinem Stanley Cup Sieg?

Der Stanley Cup ist eindeutig höherwertig und wenn man als Spieler gewinnt, ist es immer noch ein bisschen spezieller als es als Trainer zu schaffen. Aber Gewinnen ist immer schön und beide Titel werden bei mir bis zum Schluss in bester Erinnerung bleiben.

Dein Stanley Cup Sieg hat sich dieses Jahr zum 25. Mal gejährt. Wie wurde das gewürdigt?

Ich war im Frühjahr in Denver. Wir hatten ein Wiedersehen mit einigen Mitspielern von damals und haben das Ereignis entsprechend gefeiert. Da habe ich die meisten wiedergesehen.

Wie sehen deine weiteren Kontakte in die NHL aus?

Ich bin regelmäßig im Austausch mit einigen Organisationen, nachdem ich einige Torhüter aus dem Nachwuchs hier in der Schweiz kenne und auch betreue. Da werden Informationen für den Draft eingeholt.

David Aebischer COL 102626

Welche Trainer haben dich beeinflusst, von denen du eventuell heute noch Elemente in deiner Tätigkeit annimmst?

Der Mensch, der mich auf meiner Position als Coach und auch als Torhüter am meisten beeinflusst hat, ist Francois Allaire, der heute als Goaltending Consultant bei den Florida Panthers arbeitet. Der kam damals in die Schweiz und veranstaltete ein Trainingslager, an dem ich teilnahm. Aber es gab auch andere wie Sylvain Rodrigue, heute Director of Goaltending der Minnesota Wild. Den größten Einfluss hatte jedoch eindeutig Francois auf mich. 

Kommen wir noch auf die Schweizer Torhüter in der NHL zu sprechen …

… da gibt es leider nicht viele.

Immerhin Akira Schmid bei den Panthers. Angefangen hat es mit dir, Martin Gerber und Jonas Hiller. Die Torhüter waren lange neben Verteidiger Mark Streit das Aushängeschild der Schweiz in der NHL. Warum gibt es da seit Jahren eine Flaute?

Wir haben die Torhüterentwicklung in der Schweiz etwas verschlafen. Jetzt müssen wir aufholen. Ich glaube mit Christian Kirsch, Elijah Neuenschwander und einigen jungen Torhütern, die jetzt noch in der Schweiz spielen, sieht die Zukunft wieder etwas besser aus.

Neuenschwander wurde 2025 gedraftet und spielt noch in der Schweiz. Kirsch ist in Kanada. Wäre es für eine mögliche NHL-Karriere für Neuenschwander nicht auch besser nach Nordamerika zu gehen?

Ich glaube es gibt viele Wege nach Rom. Jeder muss seinen Weg finden. Wir haben das mit Elijah lange diskutiert, was der beste Weg ist. Wir haben uns für diesen entschieden, dass er in der Swiss League spielen und Erfahrungen im Profi-Eishockey der Männer sammeln soll. Aber früher oder später ist klar, dass der Schritt nach Nordamerika passieren muss. Ich glaube, die Entwicklungsmöglichkeiten in der Schweiz und Europa sind mittlerweile sehr gut. Aber man darf den Zeitpunkt, sich an Nordamerika zu gewöhnen nicht verpassen.

Verwandte Inhalte