Chicago Blackhawks fans cheer against the Boston Bruins in Game Five of the 2013 NHL Stanley Cup Final at United Center on June 22, 2013 in Chicago, Illinois. (Photo by Jamie Squire/Getty Images)

Reto von Arx war vor gut 26 Jahren der erste Schweizer, der in der NHL ein Tor erzielte. Mit den Chicago Blackhawks trat er am 7. Oktober 2000 bei den Columbus Blue Jackets an. Nachdem die Blackhawks mit 0:3 zurücklagen, läutete von Arx die Aufholjagd ein. Erst erzielte er das 1:3, später den Gamewinner zum 4:3. Der frühere Stürmer absolvierte in der Saison 2000/01 insgesamt 19 Spiele in der NHL und erzielte drei Tore sowie einen Assist, ehe er in die Schweiz zurückkehrte. Heute trainiert der 50-Jährige den EHC Chur in der 2. Liga der Schweiz.

Reto VonArx of the Chicago Blackhawks poses for a portrait in Chicago, Illinois. DIGITAL IMAGE Mandatory Credit: Getty Images/NHLI

Hallo Reto, die Saison in der Swiss League hat erst kürzlich begonnen. Was habt ihr euch mit dem EHC Chur vorgenommen?

Wir nehmen uns immer das Gleiche vor. Wir haben eine junge Mannschaft, wollen täglich hart arbeiten und jeden Tag besser werden. Hoffentlich haben sich am Ende der Saison jeder Einzelne und die Mannschaft deutlich gesteigert, und wir sind auf einem viel höheren Niveau als zu Saisonbeginn. Dann haben wir alle etwas richtig gemacht. Wir werden sehen, wohin uns das bringt.

Du trainierst die Mannschaft gemeinsam mit deinem Bruder Jan von Arx. Wie teilt ihr eure Aufgaben auf?

Mein Bruder war jahrelang Verteidiger, ich war Stürmer. Entsprechend sind auch unsere Aufgaben ungefähr aufgeteilt. Er schaut etwas mehr auf die Verteidiger, ich auf die Stürmer. So ergänzen wir uns sehr gut.

Vor ziemlich genau 26 Jahren hast du als erster Schweizer ein Tor in der NHL erzielt. Welche Erinnerungen hast du an das Spiel und deinen ersten Treffer?

(Lacht) Nicht mehr viele, um ganz ehrlich zu sein. Das ist ja schon ewig her. Ich weiß nur noch, dass wir das erste Spiel verloren hatten. Wir waren in Columbus, wollten alle unbedingt gewinnen und haben es dann zum Glück auch geschafft. Das sind ungefähr meine Erinnerungen daran. Aber die ganze Zeit bleibt natürlich in guter Erinnerung. Es war damals noch eine andere Zeit, und mit den damaligen Regeln auch eine andere Liga. Es war einfach schön, das erleben zu dürfen.

War die NHL schon als Kind und Jugendlicher dein Ziel?

Das war als Jugendlicher weit weg. Ich wollte immer nur Eishockey spielen. Ich wollte spielen. Mein Stammclub war der SC Langnau, und ich wollte in Langnau spielen. Dann hat sich eines nach dem anderen ergeben.

Die Blackhawks wählten dich 2000 in der neunten Runde des Drafts aus. Wie hast du davon erfahren, und gab es vorher schon Kontakt?
Das ist eine gute Frage. Ehrlich gesagt kann ich dir das nicht mehr mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Ich glaube, ich habe es erst danach erfahren. Es gab aber vorher ein paar Gespräche mit Alpo Suhonen. Er wurde dann Coach in Chicago. So ist das auch ein bisschen entstanden.

Welche Rolle spielte Alpo Suhonen bei deinem Wechsel nach Chicago?
Ich kannte ihn schon durch einige Spiele, die wir in der Schweiz gegeneinander hatten. Wenn ich mich nicht irre, war er der zweite europäische Headcoach in der NHL. Er hat mich dann nach Chicago geholt.
Was war beim Wechsel nach Nordamerika die größte Umstellung - das Leben, das neue Team oder die Sprache?

(Überlegt) Gute Frage. Es war eigentlich nicht schwierig. Du bist voller Vorfreude und willst alles zeigen. Es war damals eher das Ungewisse. Ich hatte niemanden, der mir erklären konnte, wie das Trainingscamp abläuft. Ich musste von Tag zu Tag schauen: Was ist morgen? Am Anfang hattest du keine Orientierung, bis du die Leute etwas kanntest, die dir unter die Arme griffen. Es war ein Hangeln von Tag zu Tag und die Hoffnung, überall zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Die Jungs, die heute nach Amerika gehen, wissen genau, wie es abläuft. Ich bin geflogen, und wir haben geschaut, was passiert. Du hattest damals noch keine Leute in der Schweiz, die dir sagen konnten: „So läuft das Trainingscamp ab. Schau auf das, so ist der Ablauf.“ Es war anders, es war neu. Ich musste jeden Schritt selbst erleben und mich irgendwie zurechtfinden. Es war eine lehrreiche und spannende Zeit.

Wie verlief dein Einstieg zwischen den Blackhawks und ihrem damaligen AHL-Farmteam, den Norfolk Admirals?

Ich habe zuerst in Chicago angefangen. Dann wurde ich nach Norfolk runtergeschickt. Ich wurde mehrere Male hoch- und runtergeschickt.
Wie hast du dieses ständige Hin und Her erlebt?

Gute Frage. Ich wollte einfach spielen. Für mich war das keine so große Sache. Ich wollte irgendwo spielen. Natürlich wäre es schön gewesen, mehr in Chicago zu spielen. Wir hatten aber ein gutes Team mit guten Jungs in Norfolk. Ich habe mich auch dort immer wohl und gut aufgehoben gefühlt. Ich wollte einfach Spiele bestreiten und dazulernen. Von daher hat mich dieses Hoch und Runter gar nicht so sehr gestört.

Wie schnell hast du dich an das spielerische Niveau und die Spielweise in der NHL gewöhnt?

Ich hatte das Gefühl, dass ich mich schnell zurechtgefunden habe. Natürlich war es eine Umstellung auf das kleine Eisfeld und auf eine etwas andere Spielweise. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich mich ziemlich schnell anpassen konnte. Das kleine Eisfeld war mir fast sympathischer als das große. Ich glaube, es war ganz okay.

Welche Mitspieler haben dich besonders beeindruckt?

Da waren viele, muss ich ehrlich sagen. Ich hatte Michael Nylander neben mir im Line-up. Es war enorm interessant, ihn kennenzulernen und mit ihm spielen zu dürfen. Aber ich kann dir auch Geschichten aus Norfolk erzählen. Ich hatte Nathan Perrott als Enforcer neben mir, der sich tagtäglich um mich gekümmert hat. Solche Leute kennenlernen zu dürfen, war für mich genauso eindrücklich.

Welche Erinnerungen hast du an die großen Spieler, denen du als Gegner begegnet bist?

Das ist eine gute Frage. Da waren ein paar. Ehrlich gesagt habe ich immer versucht, mich auf unser Spiel zu konzentrieren. Aber natürlich gab es viele Spieler. Es war die beste Liga, und jedes Team war mit solchen Ausnahmekönnern gespickt. Von daher gab es sehr viele Gegenspieler, die mich beeindruckt haben. Ich habe aber wirklich immer versucht, den Fokus auf unserem Spiel und auf unserem Team zu haben.
Wie hast du die Fanbegeisterung und den Stellenwert der Blackhawks in Chicago erlebt?

Wir hatten ein durchschnittliches Team, um es einmal gelinde auszudrücken (lacht). Aber die Fanbegeisterung war enorm, speziell auch dann, wenn Detroit zu Gast war. Schon die Größenordnung des Stadions und der Stadt war für mich natürlich sehr ungewohnt. Alles war sehr groß und sehr professionell.

Was bedeutet es dir, der erste Schweizer NHL-Torschütze zu sein?
Das werde ich oft gefragt. Meistens denke ich weniger darüber nach als wahrscheinlich die Leute um mich herum. Für mich war die ganze Zeit speziell. Ich bin sehr froh, dass ich dieses Jahr oder diese eineinhalb Jahre erleben durfte. Ich habe sehr viel gelernt, und die Zeit hat mich als Spieler und als Person weitergebracht. Natürlich ist es schön, der Erste zu sein. Aber ehrlich gesagt war das für mich weniger wichtig als für viele Leute um mich herum.

Was gab den Ausschlag, aus Nordamerika in die Schweiz zurückzukehren?
Ich war im zweiten Jahr noch einmal im Camp, und der Coach hatte gewechselt. Ich glaube, damals war es einer der Sutter-Brüder. 
Brian Sutter, genau…

Er sagte mir: „Wir haben keine Verwendung für dich. Wir wollen ein anderes Eishockey spielen. Du wirst die ganze Saison im Farmteam spielen.“ Da ging ich dann zurück in die Schweiz.

Würdest du diese Entscheidung heute wieder so treffen?

Ja, würde ich. Ich muss ehrlich sagen: Ich hatte anschließend in der Schweiz eine unglaubliche Zeit. Wir durften in Davos sechs Meistertitel feiern. In all diesen Jahren habe ich so viel Schönes erlebt, dass ich keine Sekunde irgendetwas nachtrauere oder etwas anders machen würde.
Wie intensiv verfolgst du heute die NHL und die Schweizer Spieler?
Natürlich verfolge ich sie. Ich glaube, heutzutage ist es auch viel einfacher geworden, die NHL und Eishockey grundsätzlich zu verfolgen. Da Eishockey nicht nur mein Beruf, sondern auch meine Leidenschaft ist, verfolge ich natürlich auch die NHL sehr gerne.

Schlägt dein Herz noch für die Blackhawks, oder hast du inzwischen Sympathien für ein anderes Team?

Ich bin relativ neutral. Zurzeit bin ich natürlich ein bisschen für die New Jersey Devils, da wir dort viele Schweizer haben. Aber ich genieße einfach das Eishockeyspiel an und für sich und schaue diesen Stars gerne zu. Es macht einfach immer wieder Spaß, das zu sehen.

VAN@NJD: Hischier erzielt in Überzahl zwei Tore und einen Assist

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