WSH Alex Ovechkin

Selten zuvor dürften Spieler und Verantwortliche der Washington Capitals den Carolina Hurricanes so fest die Daumen gedrückt haben wie am Montag. Doch es nutzte nichts. Der Tabellenführer der Eastern Conference verlor sein Auswärtsduell bei den Philadelphia Flyer mit 2:3 n.P. Während der Gewinner dieses Aufeinandertreffens seinen ersten Einzug in die Stanley Cup Playoffs seit sechs Jahren feierte, gab es in der Ferne bei den Capitals lange Gesichter. Sie waren nun auch rechnerisch raus aus dem Rennen um einen Spot in der Postseason. Besonders bitter: In der Western Conference hätten ihre 95 Punkte (42-30-9) nach 81 Spielen locker für die Qualifikation gereicht.

Die Gründe für das Aus
Die schwache zweite Saisonhälfte brach der Mannschaft aus der US-Hauptstadt das Genick. Im Januar leistete sie sich ein Tief mit sieben Niederlagen aus neun Partien, vier davon in Folge. Insgesamt zog Washington im ersten Monat des Jahres in zehn von sechzehn Begegnungen den Kürzeren (6-8-2). Das erwies sich als schwere Hypothek. Selbst als im weiteren Verlauf die Konkurrenten um eine Wildcard patzten, konnten die Capitals das nicht ausnutzen.

Eng in Zusammenhang stehen das Verletzungspech und die im Vergleich zur Vorsaison deutlich schlechtere Torausbeute. 2024/25 wurden 286 Treffer für die Capitals gezählt. Vor dem letzten Auftritt in der aktuellen Spielzeit sind es 259 Tore.

Die Highlights und spielentscheidenden Szenen aus dem Spiel zwischen den Washington Capitals und den Pittsburgh Penguins

Mit Power Forward Tom Wilson und Nummer-2-Center Piere-Luc Dubois hatte Washington über einen längeren Zeitraum zwei prominente Ausfälle in der Abteilung Attacke zu beklagen. Wilson brachte es deshalb vor dem letzten Saisonspiel lediglich auf 71 Einsätze. Trotzdem erreichte er mit 61 Punkten beinahe sein Vorjahresniveau von 65 Zählern. Hätte er alle Spiele bestreiten können, wäre der Sprung über den Strich für die Capitals ein Stück wahrscheinlicher gewesen. Dubois (19 Punkte aus 29 Partien) fehlte fast vier Monate und mit seiner Abwesenheit geriet die Balance der Sturmformationen ins Wanken.

Erschwerend kam hinzu, dass einige Akteure im Angriff es nicht schafften, an die Leistungen in der zurückliegenden Saison anknüpften, in der sie teilweise mit persönlichen NHL-Bestwerten im Scoring geglänzt hatten. Zu ihnen gehörten Dylan Strome und Connor McMichael. Die Produktion von Strome sank von 82 auf 58 Punkte, die von McMichael von 57 auf 46 Zähler.

Ungewohnt schlecht lief das Powerplay der Capitals. Vor dem letzten Auftritt gegen die Columbus Blue Jackets hatte das Team in Überzahl lediglich eine Erfolgsquote von 17,6 Prozent vorzuweisen, was ligaweit den 25. Platz bedeutete. 2024/25 lag dieser Wert noch bei 23,5 Prozent (Rang 14).
Unglaublich aber wahr: Es dauerte bis zum 22. März, ehe Kapitän Alex Ovechkin beim 2:3 n.V. gegen die Colorado Avalanche sein erstes Powerplaytor in dieser Saison vor eignem Publikum schoss. An ihm lag es jedoch nicht, dass Washington bei den Playoffs zum Zuschauen verurteilt ist. Mit 32 Toren und 63 Punkten aus 81 Spielen steht er in beiden Kategorien teamintern an erster Stelle.

Nicht immer zufriedenstellend fielen die Darbietungen der Torhüter aus. Vor allem Charlie Lindgren, die Entdeckung des Vorjahres, hatte zeitweise zu kämpfen. Er kam in 21 Einsätzen (20 Starts) auf eine Fangquote von 87,9 Prozent und einen Gegentorschnitt von 3,52. Letzte Saison hatte er 38-mal begonnen und im Schnitt nur 2,73 Gegentreffer hinnehmen müssen (Save-Quote 89,6 Prozent). Logan Thompson trug als Nummer 1 die Hauptlast und zeigte im Großen und Ganzen ordentliche Vorstellungen. Sein Gegentorschnitt belief sich auf 2,44 und die Fangquote auf 91,2 Prozent.

Charlie-Lindgren

Was für die Zukunft optimistisch stimmt
Ohne Frage ist die verpasste Playoff-Qualifikation eine Enttäuschung, zumal die Capitals vor Jahresfrist mit 111 Punkten als bestes Team aus dem Osten in die Postseason eingezogen waren. Dennoch besteht kein Grund zur Panik. Die Mannschaft und ihr Trainer Spencer Carbery haben vieles richtig gemacht. Am Ende gaben drei, vier verlorene Spiele den Ausschlag. Dieser Betriebsunfall lässt sich in der nächsten Spielzeit beheben.

Wenig zu mäkeln gab es an der Defensive. Sie präsentierte sich sattelfest. Darauf lässt sich in Zukunft aufbauen. Bis auf Trevor van Riemsdyk und Timothy Liljegren, die beide im Juli zu Unrestricted Free Agents werden, haben alle Stammkräfte noch gültige Arbeitspapiere. Und mit Cole Hutson verfügen die Capitals über ein großes Verteidiger-Talent in ihren Reihen. Er feierte in dieser Runde sein Debüt und setzte bereits erste Duftmarken. Der Blueliner mit Zug zum gegnerischen Tor wird Washington in den kommenden Jahren sicherlich noch viel Freude machen.

Ihren Talentpool können die Capitals beim NHL Draft 2026 weiter aufstocken. Gleich zweimal dürfen sie ins oberste Regal greifen. Neben ihrem eigenen Erstrundenpick haben sie auch den von den Anaheim Ducks zur Verfügung, den diese bei der Verpflichtung von John Carlson über die Ladentheke reichen mussten.

Vielleicht gelingt es den Capitals im Sommer ja auch noch, ihren Kapitän zu überreden, ein Jahr dranzuhängen. Sollte Ovechkin tatsächlich bleiben, dürfte das dem Team und dem Umfeld einen gewaltigen Schub für die Saison 2026/27 verleihen.

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