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Die San Jose Sharks sind trotz eines 3:2-Auswärtssiegs bei den Nashville Predators am Montag in der Bridgestone Arena aus dem Rennen um die Stanley Cup Playoffs 2026 eliminiert worden.

Zwei Spiele vor dem Ende der regulären Saison konnte San Jose damit immerhin seinen Nashville-Fluch brechen, denn die 15 Spiele davor gegen die Predators gingen allesamt verloren. Der letzte Sharks-Sieg datierte am 9. November 2019, also vor sechs Jahren und 155 Tagen.

„Es ist schön, dass wir das beenden konnten“, sagte San Joses Trainer Ryan Warsofsky, dessen Mannschaft damit auch den Angstgegner mit in die Sommerpause riss. „Sie haben um ihr Leben gekämpft“, sagte Torwart Alex Nedeljkovich. „Solche Spiele machen Spaß“, ließ Verteidiger Vincent Desharnais wissen. „Für solche engen Spiele und diese Atmosphäre spielst du Eishockey. Wir haben es beendet und die Party zerstört.“

Alle wichtigen Szenen aus dem Spiel zwischen den Nashville Predators und den San Jose Sharks

Dass die Sharks überhaupt so lange im Playoff-Rennen mitmischen würden, war im Sommer nicht zu erwarten gewesen. Die Nordkalifornier haben jedoch enorme Fortschritte gemacht und dürften in der neuen Saison ernstgenommen werden.

Die Gründe für das Aus

Ein schwacher Start und ein schwaches Ende haben augenscheinlich die nötigen Punkte gekostet, um sich für die Playoffs zu qualifizieren. Im Oktober war San Jose mit sechs Niederlagen gestartet (0-4-2). Von den letzten 16 Spielen konnten die Sharks nur sechs gewinnen (6-8-2), darunter war eine Niederlagen-Serie von sechs Spielen in Folge (0-5-1) und zwei verlorene Duelle mit dem direkten Konkurrenten Nashville. Dem Team aus der Bay Area ging auf der Zielgeraden also die Luft aus.

Dass die Abwehr die Hauptbaustelle sein würde, war angesichts der Kaderzusammenstellung schon im Sommer klar. Mit im Schnitt 3,94 Gegentoren/Spiel stellte San Jose die viertschlechteste Defensive in der NHL und zählt zu einem der vier Klubs, die 2025/26 nicht ein einziges Mal eine weiße Weste behielten (null Shutouts, wie die Anaheim Ducks, Philadelphia Flyers und Winnipeg Jets). 184 Tore kassierten die Sharks bei 5-gegen-5 (27.). Hinzu kam eine Erfolgsquote im Penalty Killing von nur 75,8 Prozent (28.).

Fehlende Qualität an der blauen Linie drückte sich auch im Scoring der Verteidigung aus: Mit 28 Toren (T-27.) und 135 Punkten (28.) rangierte San Jose im unteren Liga-Drittel. Magere sechs Powerplay-Treffer (fünf von John Klingberg, einer von Dmitry Orlov) und nur 28 Powerplay-Punkte wurden von Abwehrspielern erzielt. Mit Orlov (80 Spiele, 3-33-36), Klingberg (55 Spiele, 10-14-24) und Mario Ferraro (80 Spiele, 6-15-21) durchbrachen überhaupt nur drei Verteidiger die Marke von 20 Scorerpunkten. In diesem Mannschaftsteil brauchen die Sharks dringend mehr Qualität.

In 43 von 80 Spielen gerieten die Sharks zunächst in Rückstand und konnten in Folge dessen nur 15 Partien noch drehen. Die wackelige Defensive beeinflusste diesen Wert ebenfalls ganz entscheidend.

Solide, aber nicht überragend war das Goaltending: Yaroslav Askarov (46 Spiele, 46 Starts, 21 Siege, 3,6 Gegentore/Spiel, 88,5 Prozent Fangquote) wird im Juni 24 Jahre alt und muss sich allmählich in der NHL etablieren. Alex Nedeljkovich (39 Spiele, 36 Starts, 17 Siege, 2,92 Gegentore/Spiel, 89,4 Prozent Fangquote) ließ oftmals die Konstanz vermissen und ist eher ein Backup als ein Starter.

Was für die Zukunft optimistisch stimmt

Zwei Worte: Macklin Celebrini. Der 19-jährige First-Overall-Pick aus dem NHL Draft 2024 zählt zu den vier besten Scorern der Liga. In 80 Spielen beeindruckte der Teenager mit 112 Scorerpunkten (44-68-112) und brachte sich für die MVP-Auszeichnungen ins Gespräch.

SJS@NSH: Celebrini verdoppelt Führung der Sharks

San Joses Nummer-1-Center verzeichnet 30 Mehrfach-Punkte-Spiele in dieser Saison und zwei Hattricks. Mit im Schnitt 21:26 Minuten Eiszeit pro Partie wurde er häufiger eingesetzt als jeder Verteidiger seines Teams. Er sammelte mehr als doppelt so viele Punkte wie der zweitbeste Sharks-Scorer (Will Smith, 23-34-57) und steht in zahlreichen Kategorien, wie Tore (44), Assists (68), Punkte (112), Powerplay-Tore (acht), Powerplay-Punkte (32), Siegtreffer (fünf), Overtime-Tore (zwei) und Plus-Minus-Bilanz (+9) ganz oben in der teaminternen Wertung. Doch es ist nicht nur Celebrinis Offensivstärke, die seine Mannschaftskollegen spürbar mitriss, sondern zugleich sein emsiges Zwei-Wege-Spiel. 

Vier der Top-6-Scorer der Sharks sind 23 Jahre oder jünger: Celebrini (19), Smith (21), William Eklund (23; 76 Spiele, 14-36-50) und Collin Graf (23; 79 Spiele, 20-25-45). Viel Verantwortung schultern ferner Michael Misa (19), Sam Dickinson (19), Igor Chenyshov (20), Luca Cagnoni (21), Zack Ostapchuck (22), Askarov (23) und Shakir Mukhamaddulin (24) - alle Jahrgang 2002 oder jünger. 

In den nächsten Jahren dürften hoch gedraftete Talente, wie Torwart Joshua Ravensbergen (Draft 2025, 1. Runde, 30. Stelle), die Verteidiger Simon Wang (Draft 2025, 2. Runde, 33. Stelle), Leo Sahlin Wallenius (Draft 2024, 2. Runde, 53. Stelle) und Mattias Hävelid (Draft 2022, 2. Runde, 45. Stelle) sowie die Stürmer Quentin Musty (Draft 2023, 1. Runde, 26. Stelle), Kasper Haltunen (Draft 2023, 2. Runde, 36. Stelle) und Filip Bystedt (Draft 2022, 1. Runde, 27. Stelle) den Konkurrenzkampf zusätzlich schüren.

Im kommenden NHL Draft 2026 ziehen die Kalifornier zweimal in der 1. Runde sowie einmal in der 2. Runde.

In der Abwehr laufen die Verträge von fünf Verteidigern (Desharnais, 29; Ferraro, 35; Klingberg, 33; Nick Leddy, 35; Mukhamaddulin, 24) aus. General Manager Mike Greer kann seinen schwächsten Mannschaftsteil also über den Sommer neu zusammenstellen.

Kurashevs Zukunft ist offen - Kirsch entwickelt sich stark

Ob der Schweizer Stürmer Philipp Kurashev über die laufende Saison hinaus eine Rolle in San Jose spielen wird, bleibt abzuwarten. Der 26-Jährige aus Münsingen kam verletzungs- und leistungsbedingt nur auf 42 Spiele, in denen er 20 Scorerpunkte (7-13-20) erzielte. Zuletzt fand er sich häufiger als Healthy Scratch wieder. Kurashevs Vertrag läuft aus, er wird zum Restricted Free Agent.

In der Talente-Pipeline der Sharks befindet sich mit Christian Kirsch noch ein vielversprechender Schweizer Torwart. Der 19-Jährige aus Basel wurde im NHL Draft 2024 in der 4. Runde an 116. Stelle ausgewählt und zeigt bei den Kitchener Rangers in der OHL ansprechende Leistungen. In 41 Spielen hielt er 27 Siege (27-10-3) fest, bei einem Gegentorschnitt von 2,42, einer Fangquote von 89,9 Prozent und vier Shutouts. In den Playoffs ist Kirsch bislang ungeschlagen (sechs Spiele, 6-0-0, 2,29 Gegentore/Spiel, 89,4 Prozent Fangquote, ein Shutout). Trotzdem dürfte San Jose erst mittel- oder langfristig mit dem 1,94 Meter großen Linksfänger planen.

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