CAR 3, NYR 2

Sie werden trotz ihrer guten Ergebnisse noch immer viel zu häufig unterschätzt. In den Augen der Öffentlichkeit zählen die Carolina Hurricanes trotz ihrer zahlreichen Erfolge nur bei den wenigsten zu den ernsthaften Favoriten. Dabei hat sich das Team aus Raleigh, das im Jahre 2006 erstmals den Stanley Cup gewann und bereits 2002 im Stanley Cup Finale stand (1:4 gegen Detroit Red Wings), in den vergangenen Jahren zu einer Spitzenmannschaft entwickelt.

Dies hat die Mannschaft von Coach Rod Brind'Amour am Dienstag erneut unterstrichen. Mit 3:2 gewannen die Hurricanes im Madison Square Garden bei den New York Rangers. Die Gäste hatten zwischenzeitlich mit 0:1 und 1:2 im Rückstand gelegen und drehten zum zehnten Mal in dieser Spielzeit im letzten Drittel erfolgreich einen Rückstand zum Sieg. Damit ist Carolina neben den Vancouver Canucks und Vegas Golden Knights die erfolgreichste Mannschaft in dieser Hinsicht.
Teuvo Teravainen gelang 2:33 Minuten vor Ende des dritten Drittels der Siegtreffer. Brent Burns hatte genug Zeit, um den Puck von der rechten Seite nach innen zu bringen und Teravainen im Slot zu finden, der die erstmalige und entscheidende Führung für Carolina erzielte. "Das war ein schöner Pass", erinnerte sich Teravainen. "Ich habe gesehen, dass er dort Zeit hatte und irgendwie haben die Verteidiger mich in dem Moment unbeachtet gelassen. Er hat mich dann toll angespielt." Für Teravainen war es bereits der zweite siegbringende Treffer in dieser Saison. Zuletzt gelang ihm dies am 19. Januar, bei einem 5:2-Sieg gegen die Minnesota Wild.

CAR@NYR: Teravainen sorgt für späte Führung

Jalen Chatfield und Stefan Noesen trafen ebenfalls im finalen Spielabschnitt für die Gäste und Torhüter Frederik Andersen zeigte 29 Rettungstaten. Der Goalie hielt den Sieg seiner Farben in der engen Schlussphase fest und sicherte den dritten Erfolg aus den vergangenen vier Einsätzen der Hurricanes.
"Wenn wir jeden Abend so spielen, werden wir gute Chancen haben", befand Carolinas Trainer Brind'Amour. "Wir wussten, dass wir es heute mit einem sehr offensivstarken Team zu tun bekommen würden. Aber wir haben es in Grenzen gehalten und trotzdem selber genug Chancen kreiert, um mehr als drei Tore zu erzielen. Das sind gute zwei Punkte."
Zugleich erreichten die Hurricanes mit einer Bilanz von 46-15-8 nach 69 Spielen als zweites Team die 100-Punkte-Marke, führen die Metropolitan Division mit zwei bzw. acht Zählern Vorspring vor den New Jersey Devils und den Rangers an. Die beiden Kontrahenten haben mit 71 Begegnungen auf dem Konto jeweils sogar zwei Spiele mehr absolviert.
Eine dreistellige Anzahl von Punkten auf dem Konto zu haben, gelang der Mannschaft so schnell wie noch nie zuvor in der Geschichte der Organisation. Es ist die zweite Spielzeit mit 100 oder mehr Punkten in Folge (116 waren es in der vergangenen Saison) und die dritte in der Geschichte des Franchise.
Respekt ernteten die Hurricanes für ihre gute Leistung selbst vom Gegner. "Ehrlich gesagt, dachte ich das ganze Spiel über, dass sie uns überlegen waren", musste Rangers-Trainer Gerard Gallant anerkennen. "Sie waren heute Abend viel schneller als wir und haben den Puck sehr gut verwaltet. Wenn wir ein paar Breakouts hatten, schienen sie direkt an uns dran zu sein. Sie waren die deutlich schnellere Mannschaft. Im Vergleich zu ihnen waren wir langsam."
Dieses Eingeständnis erfolgte, nachdem die New Yorker am Samstag gegen die Pittsburgh Penguins mit 6:0 und am Sonntag gegen die Nashville Predators mit 7:0 jeweils zwei Kantersiege einfahren konnten und ohne Gegentor blieben. Die Rangers hatten seit dem dritten Drittel beim 4:2-Sieg gegen die Penguins am Donnerstag 16 Tore ohne Gegentreffer erzielt, bevor Jalen Chatfield in der 50. Minute am Dienstag für die Hurricanes zum 1:1-Ausgleich traf.

NYR 7, NSH 0

"Wir hatten heute Abend gegen Spielende einfach nicht mehr genug im Tank", gab Rangers-Kapitän Jacob Trouba zu Protokoll. "Sie haben ein gutes Spiel gemacht, das kann man ihnen nicht verübeln. Sie haben hart gespielt und viele Zweikämpfe gewonnen. Ich denke, sie hatten in Summe auch die besseren Chancen."
Die Rangers waren in den vergangenen Wochen und Monaten nicht das erste Team, das erkennen musste, wie schwer die Hurricanes zu bespielen sind und wie groß ihre Widerstandsfähigkeit ist. Zudem zeigen sie einen immensen Siegeswillen, den die New Yorker in der Endphase der Begegnung ebenfalls zu spüren bekamen. Kann die Mannschaft diese Eigenschaften in die Postseason retten, dürften sie in den ab Mitte April anstehenden Playoffs nur schwer zu schlagen sein.
Die Kontrahenten erzielten in der Mitte des finalen Spielabschnitts innerhalb von 49 Sekunden drei Tore durch drei Schüsse in Folge. Nach Chatfields Ausgleich, als er vom rechten Bullykreis aus mit einem Heber über Goalie Igor Shesterkin hinweg in die Maschen traf, sorgte Kaapo Kakko 31 Sekunden später für die abermalige Führung der Hausherren (51.), als er einen von Burns zunächst erfolgreich geblockten Schuss im Kasten unterbringen konnte. Doch nur 18 Sekunden später erzielte Noesen den 2:2-Ausgleich mit einem One-Timer aus dem Slot nach einem Pass von Jesper Fast.
"Ich habe das Gefühl, dass ich immer eine gute Geschwindigkeit habe, aber ich denke, der Schlüssel war, den Puck schnell zu spielen", erklärte Chatfield sein erstes Tor seit dem 19. Januar. Zuletzt war er in 19 Einsätzen hintereinander ohne Erfolgserlebnis geblieben. "Ich habe meine Beine benutzt, um in Fahrt zu kommen und habe eine freie Stelle gefunden, in die ich dann getroffen habe."

032223 jalen chatfield

Brind'Amour zeigte sich über diesen Verlauf ebenfalls glücklich: "Wir liegen zurück, schaffen den Ausgleich und sie machen gleich wieder einen Treffer. Ich fand es toll, wie wir dann reagiert haben. Das Motto der Jungs lautete direkt 'Gut, beim nächsten Wechsel sind wir wieder dran'", sagte der Trainer. "Es war natürlich großartig, den erneuten Ausgleich zu erzielen und dann in der Schlussphase auch noch den zweiten Punkt zu sichern. Wir haben heute Abend auf jeden Fall bekommen, was wir verdient haben."
Viel Zeit wird nicht vergehen, bis sich beide Teams wiedersehen. Schon am Donnerstag (7 p.m. ET; NHL.tv; Fr. 0 Uhr MEZ) kommt es in der PNC Arena von Raleigh zum nächsten Kräftemessen. Dann erhalten die Rangers die Chance zu einer Revanche.
Die Hurricanes werden sich darauf einstellen, denn Coach Brind'Amour zeigte sich der Situation direkt nach dem Spiel bewusst. "Wir wissen, dass es um diese Jahreszeit immer schwieriger wird. Man muss in der Lage sein, alles abzurufen. Natürlich will man dabei möglichst viele Treffer erzielen. Das ist schon schön. Aber man muss tun, was der Identität der Mannschaft entspricht. Ich denke, heute Abend haben wir genau so gespielt."
Es bleibt abzuwarten, ob die New Yorker beim nächsten Aufeinandertreffen besser mit dieser Spielweise zurechtkommen.