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Als erste Mannschaft in der Saison 2022/23 wurden die San Jose Sharks aus dem Rennen um die Stanley Cup Playoffs 2023 eliminiert. Nach der 5:6-Niederlage n.V. am Dienstagabend im SAP Center gegen die Columbus Blue Jackets ist das auch eine mathematische Gewissheit. NHL.com/de analysiert die Gründe, warum die Sharks die Playoffs verpasst haben.

Viele knappe Niederlagen und verspielte Vorsprünge
Gleich zu Saisonbeginn hatten die Sharks ein echtes Highlight in Übersee: In Deutschland kam es in der Mercedes-Benz Arena zur Generalprobe gegen die Eisbären Berlin (3:1). Dann folgte der Saison-Auftakt in der tschechischen Hauptstadt Prag, doch gingen beide Spiele gegen die Nashville Predators verloren (1:4, 2:3). Auch zurück in der Bay Area wurde es nicht besser: Die Kalifornier verloren ihre ersten fünf Saisonspiele allesamt (0-5-0) und hatten nach sieben Partien eine 1-6-0-Bilanz. In den folgenden Monaten bewegte sich San Jose zwar immer im unteren Drittel, war aber nie komplett abgeschlagen. Das änderte sich ab Februar - seitdem haben die Sharks nur vier von 17 Spielen gewinnen können (4-11-2) und sind mit einer Siegquote von unter 30 Prozent (29,4) das zweitschlechteste Team der gesamten Liga (nur die Philadelphia Flyers haben mit 25 Prozent eine schlechtere Ausbeute).

MIN 5, SJS 2

Über die gesamte Saison bezahlte San Jose den Umgang mit Führungen teuer: 13 Spiele wurden trotz einer Führung nach dem ersten Drittel am Ende noch verloren. Hinzu kamen viele knappe Niederlagen: 13-mal verloren die Sharks in der Overtime (zweitschlechtester Wert), siebenmal mit einem Tor (geteilter siebtschlechtester Wert) und neunmal mit zwei Toren Unterschied (geteilter drittschlechtester Wert der Liga). Auch konnten nur 38,2 Prozent der Spiele gewonnen werden, in denen sie in Führung gegangen sind (13 Siege). Gleichzeitig konnten nur 17,6 Prozent der Spiele gewonnen werden, in denen sie in Rückstand geraten sind (nur 13 Siege).
Schwer wog der Verlust des Schweizer Power Forwards Timo Meier, der in der Woche vor der Trade Deadline Ende Februar zu den New Jersey Devils transferiert wurde. Seit dem Wechsel konnte San Jose nur einen Sieg aus acht Spielen einfahren (1-6-1), mit einem Torverhältnis von 19:40. In diesem Zeitraum haben die Sharks die schlechteste Siegquote aller 32 NHL-Teams (18,8).
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Zu viele Gegentore und schlechtes Goaltending
Begründet sind die vielen Niederlagen insbesondere wegen zu vieler Gegentore: Im Schnitt kassiert San Jose 3,78 Gegentreffer pro Spiel, was die drittschlechteste Defensive in der NHL bedeutet (nur Anaheim Ducks mit 4,0 und Vancouver Canucks mit 3,79 sind schlechter). Das zeigt sich insbesondere bei Gleichzahl, denn die Sharks mussten 178 Gegentore bei 5-gegen-5 hinnehmen (zweitschlechtester Wert).
Ein Teil davon ist das Goaltending - seit Jahren eines der Großbaustellen in der Bay Area, die selbst in diesem Jahr nicht geschlossen werden konnte: James Reimer (34 Spiele, 33 Starts) und Kaapo Kahkonen (31 Spiele, 31 Starts) lieferten sich einen offenen Konkurrenzkampf um den Posten als Nummer-1-Torwart, doch konnte keiner wirklich überzeugen: Reimer kommt auf eine 10-17-0-Bilanz mit einem Gegentorschnitt von 3,30 und eine Fangquote von 89,4 Prozent; Kahkonen auf eine 8-16-0-Bilanz mit 3,88 Gegentoren/Spiel und 87,9 Prozent Fangquote.
Der Schuh drückte jedoch nicht nur hinten, sondern auch vorne. Die Kalifornier hatten ein Produktivitäts-Problem im Sturm: Mit Logan Couture (24 Tore), Tomas Hertl (19), Alexander Barabanov (14), dem Deutschen Nico Sturm (13) und Kevin Labanc (11) trafen nur fünf Angreifer zweistellig. Gar nur drei Spieler übersprangen die Marke von 30 Scorerpunkten: Norris-Trophy-Top-Favorit Erik Karlsson (20-65-85), Couture (24-34-58), Hertl (19-36-55) und Barabanov (14-31-45). Der fünftbeste Scorer, Labanc, hat gerade einmal 27 Punkte auf dem Konto (11-16-27).
"Rebuild light": Hoffen auf Bedard
Obwohl die Sharks die Stanley Cup Playoffs bereits zum vierten Mal in Folge verpasst haben, plant der Klub keinen Totalumbruch im Sommer, sondern setzt auf einen "Rebuild light". Mit Stürmern wie William Eklund, Thomas Bordeleau, Filip Bystedt und Verteidiger Mattias Hävelid hat San Jose spannende Talente in der Pipeline, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft machen.
Bei gleichbleibendem sportlichem Abschneiden in der laufenden Saison sowie ein wenig Glück in der Draft-Lotterie könnte den Sharks sogar ein Jahrhundert-Talent winken: Das 1st-Overall-Pick im Draft 2023 scheint realistisch zu sein, was keinen geringeren als Connor Bedard nach San Jose spülen könnte. Für die San Jose Sharks wäre das die Versüßung einer bitteren Saison.
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Sturm weiter an Bord
Mit Sturm haben die Sharks in Zukunft weiterhin einen deutschen Spieler am Start, denn der Vertrag in San Jose mit dem Stanley Cup Champion von 2022 (mit den Colorado Avalanche) läuft bis zum Ende der Saison 2024/25. Für den 27-jährigen Augsburger wäre durch das Ausscheiden erstmalig eine Berufung in die Herren-Nationalmannschaft für die anstehende Weltmeisterschaft im Mai möglich.