BOS Zacha 10/30

Die Anhänger der Boston Bruins hatten mit Sicherheit vor dem Start der Saison die eine oder andere Sorgenfalte auf der Stirn. Das Team hatte in der Spielzeit 2022/2023 in der regulären Saison alles in Grund und Boden gespielt, nur um dann früh in den Stanley Cup Playoffs zu scheitern. Dazu kamen im Sommer noch die Abgänge von Patrice Bergeron und David Krejci, die beide ihre Karrieren beendeten. Doch die Mannschaft von Trainer Jim Montgomery zeigt sich unbeeindruckt von all dem. Beim 3:2-Heimsieg nach Verlängerung am Montag (Ortszeit) gegen die Florida Panthers bewiesen die Gastgeber Nehmerqualitäten und stellten sogar einen Rekord auf.

Frühe Rückschläge

Schon wieder Florida, mag sich der eine oder andere Fan der Gastgeber im TD Garden nach dem ersten Drittel gedacht haben. Zu diesem Zeitpunkt führten die Gäste nämlich mit 2:0 und Erinnerungen wurden wach an die vergangenen Playoffs. Dort warfen die Panthers die Bruins bekanntermaßen in Spiel sieben aus dem Wettbewerb und sorgten so dafür, dass sich das dominierende Team der Saison nicht mit dem Stanley Cup krönte. Die Panthers setzten ihrerseits zu einem bemerkenswerten Lauf an und scheiterten erst im Finale gegen die Vegas Golden Knights (1:4).

Aleksander Barkov (7.) nach einem Konter und Sam Reinhart (16.) nach einem Scheibenverlust nah am eigenen Tor von Matthew Poitras setzten die optische Überlegenheit der Gäste aus dem Süden der USA in das entsprechende Ergebnis auf der Anzeigetafel um. Es hätte zur ersten Pause sogar noch deutlicher ausfallen können. Doch Linus Ullmark ist im Tor der Bruins ebenfalls schon wieder in ausgezeichneter Form und verhinderte weitere Gegentore mit tollen Paraden gegen Evan Rodrigues, Sam Bennett und Carter Verhaeghe. 17 Schüsse hatten die Panthers im ersten Drittel in Richtung des Schweden abgefeuert. So viele mussten die Bruins in dieser Saison noch in keinem Spieldrittel zulassen. Für Reinhart war es der achte Treffer im achten Spiel, das haben in der Geschichte der Panthers bislang nur Pavel Bure (1998/99) und Scott Mellanby (1995/96) geschafft.

Klasse Antwort

Doch die Bruins antworteten im Stile einer klasse Mannschaft. Davon, dass sie an dem Erlebten aus dem vergangenen Frühling noch groß zu knabbern hätten, ist in der frühen Phase der Saison 2023/2024 bei den Boston Bruins indes nichts zu sehen. Durch den Sieg verbesserten sie ihre Bilanz nach neun Spielen auf 8-0-1. Neun Partien mit mindestens einem Punkt zum Start einer Saison, das hat es in der langen und ruhmreichen Historie der Bruins noch nicht gegeben. Der bisherige Rekord von acht Partien mit mindestens einem Zähler datiert aus der Spielzeit 1937/38 (6-0-2). Damit beendeten die Bruins auch gleichzeitig den Oktober mit einer besseren Bilanz als in der vergangenen Spielzeit (8-1-0). „Aus diesem Sieg können wir viel Selbstvertrauen mitnehmen. Man muss in der Lage sein, solche Spiele zu gewinnen, erst recht, wenn es dann in die Playoffs geht“, meinte Bruins-Stürmer Brad Marchand nach der Partie. Der Kapitän der Gastgeber ging mit gutem Beispiel voran und sorgte mit seinem Treffer zum 1:2 (24.) dafür, dass die Bruins wieder dran waren.

FLA@BOS: Zacha trifft zum Sieg in der Verlängerung

„Wir haben gesehen, dass die Veränderungen, die wir in der Pause zwischen zwei Dritteln vornehmen, etwas bewirken können“, erläuterte er. Sein Team habe mit Beginn des zweiten Drittels mehr Scheibenkontrolle gehabt. „Und wir haben uns besser gegenseitig unterstützt.“ 

Zudem habe man es geschafft, die Konter des Gegners zu unterbinden. Entsprechend hatte Keeper Ullmark auch festgestellt, dass das Pendel schon mit dem ersten Bully im zweiten Drittel zugunsten der Bruins ausschlug. „Sie haben so super schnell ausgesehen und wir so super langsam. Wir wollten nach dem ersten Drittel unser Spiel einfacher gestalten, das Forechecking etablieren und sie in ihrer eigenen Zone festsetzen“, erläuterte Montgomery seine Idee. 

Probleme in der Verteidigung 

Das Spiel in die Verlängerung schickte dann Charlie McAvoy mit seinem Tor in der 48. Minute. Der Treffer war ein Beweis dafür, wie viel Talent im Team steckt, denn die Passstafette, die dem Ausgleich voranging, genügte schon höchsten Ansprüchen.

FLA@BOS: McAvoy nutzt Pastrnaks Pass

Danach hätte das Spiel leicht noch einmal kippen können. Denn den Gastgebern gingen da langsam aber sicher die Verteidiger aus. Bereits Mitte des ersten Drittels musste Matt Grzelcyk mit einer Oberkörperverletzung vom Eis. Laut Montgomery wird er wohl „ein paar Wochen“ fehlen. Und kurz nach seinem Tor kassierte McAvoy eine Matchstrafe nach einem Foul gegen Oliver Ekman-Larsson. 

Doch die Bruins überstanden sowohl die folgenden fünf Minuten in Unterzahl als auch den Rest der regulären Spielzeit mit vier Verteidigern. „Das war ein großer Charakter-Sieg“, befand Montgomery auf der Pressekonferenz nach der Partie. Am Schluss hätten die vier verbliebenen Verteidiger – Kevin Shattenkirk, Brandon Carlo, Hampus Lindholm und Derek Forbort – einen überragenden Job abgeliefert. Am Ende hatte jeder Abwehrspieler mit Ausnahme von Grzelcyk über 20 Minuten Eiszeit. Lindholm war mit 28:06 Minuten der Spitzenreiter in der Statistik. 

„Es war ein hartes Stück Arbeit, in dem Spiel zurückzukommen. Aber wir haben gezeigt, dass wir das drauf haben“, betonte Center Pavel Zacha. Er war es auch, der in der Verlängerung das Comeback der Gastgeber komplettierte. Der Tscheche kam mit viel Tempo auf dem rechten Flügel unwiderstehlich ins Drittel der Gäste und ließ Sergei Bobrovsky im Tor der Panthers keine Chance. „Das war ein wichtiger Sieg. Besonders nach den Erfahrungen in der vergangenen Saison“, sagte Zacha. Er hat in der ersten Reihe zwischen Marchand und David Pastrnak die Position von Bergeron übernommen. 

Blick in die Zukunft 

Bei aller Freude über den gelungenen und wahrhaft goldenen Oktober, schaut man bei den Bruins schon ein bisschen weiter. Die Mannschaft ist mit 17 Zählern klar das beste Team in der Eastern Conference. „Es ist immer schön, zwei Punkte zu gewinnen. Aber das ändert nichts an der vergangenen Saison“, betonte Marchand. Man versuche, in Boston etwas Neues aufzubauen, viele neue Spieler in die Mannschaft zu integrieren. Das klappt zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison schon ganz gut, weshalb sich die Fans in Boston wieder berechtigte Hoffnungen machen dürfen, dass ihr Team auch weiterhin von Erfolg zu Erfolg eilt. 

Bei den Panthers vermisst man dagegen noch die Konstanz. „Wir haben gute Drittel und schlechte Drittel. Auch wenn es noch früh in der Saison ist“, meinte Barkov. Aber man strebe danach, eine gute Leistung über 60 Minuten zu bringen, nicht nur 20 oder 40 Minuten. Für den Finnen war es die 671. Partie im Dress der Panthers. Damit hat er gemeinsam mit Jonathan Huberdeau die meisten in der Franchisegeschichte.

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