Point, Kucherov helfen Lightning zu Rekord in Spiel 1

Es ist im Sport immer wieder grundsätzlich die Frage, ob ein durch eine Spielpause ausgeruhter Kontrahent im Vorteil ist, oder einer, der sich im Rhythmus befindet. Am Montag haben die Tampa Bay Lightning im ersten Spiel des Eastern Conference Finales im Rogers Place von Edmonton gegen die New York Islanders in ihrem Falle eine eindeutige Antwort gegeben.

Beim unerwartet hohen 8:2-Erfolg des Favoriten, profitierte Tampa Bay auffällig davon, dass das Team seit einer Woche kein Spiel mehr zu absolvieren hatte, während der Gegner aus New York zwei Tage zuvor noch im Einsatz war und erst am Tag vor dem Spiel an den neuen Spielort anreisen konnte und sich dabei zudem an eine neue Zeitzone gewöhnen musste.
Die Lightning wirkten über die kompletten 60 Minuten hinweg frisch und gut vorbereitet, während den Islanders bereits nach wenigen Minuten zusehends die Kraft auszugehen schien. Vom 1:3 nach dem ersten Drittel erholte sich die Mannschaft von Trainer Barry Trotz an diesem Abend nicht mehr, ließ in der Folgezeit kontinuierlich nach, während Tampa Bay die Gelegenheit nutzte, durch eine Galavorstellung und acht Tore gegen einen aufsteckenden Gegner massiv Selbstvertrauen aufzubauen.

NYI@TBL, Sp1: Point markiert schöne frühe Führung

Beeindruckend zu sehen war zudem, dass Tampa Bay sich dabei einmal mehr auf seine Top-Stars verlassen konnte. Ob die Stürmer Brayden Point und Nikita Kucherov oder Verteidiger Victor Hedman, sie alle trugen sich mit wichtigen Punkten auf dem Statistikzettel ein. Point (zwei Tore, drei Assists) und Kucherov (ein Tor, vier Assists) sogar gleich fünf Mal. Torhüter Anrei Vasilevskiy konnte an einem vergleichsweise ruhigen Tag 22 Versuche der Gegner entschärfen, wirkte dabei sicher und ruhig und war stets zur Stelle, wenn er gefordert wurde.
Es wurde klar: In dieser Form dürfte das Team aus Florida nur sehr schwer vom Weg in Richtung Stanley Cup-Sieg abzubringen sein. Die Islanders werden sich rasch etwas einfallen lassen müssen, wenn sie den großen Dominator von Spiel 1 im kommenden Duell am Mittwoch (8 p.m. ET; Do. 2 Uhr MESZ; NHL.tv, Sport1+, DAZN) ernsthaft in Verlegenheit bringen wollen.
Erst zum zweiten Mal in der Franchise-Geschichte gelangen den Lightning acht Treffer in einem Playoff-Spiel. Zuletzt war das im Jahr 2011 bei einem 8:2 in Spiel 5 des Eastern Conference-Viertelfinales gegen die Pittsburgh Penguins der Fall.
Dementsprechend präsentierten sich die Protagonisten im Anschluss selbstbewusst, aber doch zugleich demütig. Sie vermittelten allesamt nicht den Eindruck, als liefe das Team nun ob des Triumphes Gefahr, die Konzentration zu verlieren.
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Torjäger Kucherov lobte ausdrücklich den gelungenen Auftakt seiner Mannschaft in das Spiel: "Unser Start war wirklich gut heute. Wir sind zum Glück sehr schnell im Spiel gewesen und konnten sofort unsere volle Leistung abrufen. Wir haben dabei auch davon profitiert, dass wir mit diesem Kader schon länger eingespielt sind. Wir kennen uns schon eine ganze Weile, haben im Laufe der Zeit viel Selbstvertrauen aufgebaut."
Kollege Hedman wollte den hohen Sieg zum Serienauftakt nicht überbewertet sehen. "Ob wir hier mit 8:2 oder 1:0 gewinnen, das macht in dieser Phase der Saison keinen Unterschied. Ein Sieg ist nur ein Sieg. Sie (die Islanders) sind recht kurzfristig angereist und waren nicht so ausgeruht wie wir. Daher sollten wir das Ergebnis nicht überbewerten. Aber natürlich ist es schön, wenn du acht Tore erzielen kannst. Das hat man nicht so häufig."
In den Minuten nach dem Triumph richtete Hedman den Blick direkt auf das nächste Spiel: "Wir sind nun einen Schritt weiter auf unserem Weg. Nicht mehr und nicht weniger. Für uns geht es jetzt darum, die volle Konzentration zu behalten und im kommenden Spiel am Mittwoch möglichst genauso gut zu starten wie heute."
Doppeltorschütze Point sah das ähnlich. "Das Spiel heute ist am Ende auch nicht mehr wert als ein anderer Sieg. Wir wissen, dass die Islanders ein sehr gutes Team sind. Sie werden sich steigern. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Es wird nicht immer so gut laufen wie heute, das ist klar", mahnte er.
Aussagen, die Lightning-Coach Jon Cooper sehr gut gefallen haben dürften, zeigen sie doch, dass seine Mannschaft weit davon entfernt scheint, jetzt die erforderliche Konzentration zu verringern.

NYI@TBL, Sp1: Kucherov und Point im Zusammenspiel

Cooper sah sich nach dem Spiel zunächst einmal gefordert, Point ein Extralob auszusprechen: "Er ist jetzt schon länger endlich einmal richtig gesund. Davon profitieren wir gerade sehr. Als er in die Liga kam, da musste er sich, wir alle jungen Spieler, hier erst orientieren. Das ist normal. Inzwischen ist er deutlich gereift und ein sehr wichtiger Faktor für uns. Hätte er sich in der Vergangenheit nicht so oft verletzt, wäre er vielleicht schon früher so weit gewesen. Aber seine aktuelle Form und sein Einfluss auf unser Spiel sind riesig, gar keine Frage. Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben", freute sich der Trainer über die Entwicklung des Spielers.
Angesprochen auf die im Vergleich zu den Islanders deutlich längere Vorbereitungsphase seines Teams, gab sich der Coach ausweichend. "Jetzt, wo wir gewonnen haben, lässt sich die Frage, ob die Pause für uns eher gut oder schlecht war, natürlich leicht beantworten", sagte er mit einem Lächeln im Gesicht. "Die Jungs haben sich die Tatsache zu Nutzen gemacht. Das ist entscheidend. In der Vergangenheit war es aber auch schon häufig so, dass eine Mannschaft nach einer solchen Pause etwas eingerostet gewirkt hat. Es ist jetzt müßig darüber zu diskutieren, was das größere Problem ist, Reisestress und eine lange, harte, Serie, oder die Aufgabe keinen Schlendrian einkehren zu lassen und sich erst einmal wieder in Schwung bringen zu müssen. Hinterher ist man da schlauer. Die Jungs haben es gut hinbekommen. Das ist das Entscheidende. Aber eines ist ganz klar, solche Ergebnisse sind die absolute Ausnahme. Wir waren heute extrem treffsicher und unser Torwart war gut drauf. Das Ergebnis hätte nicht so hoch auszufallen brauchen. Es gab aber auch einige Momente in diesem Spiel, in denen wir das Glück auf unserer Seite hatten. Das sollten wir nicht übersehen", relativierte der Coach das Gesehene.
Er versäumte es ebenfalls nicht, den Blick nach diesem für Tampa Bay traumhaften Abend, gleich wieder in Richtung Zukunft zu richten. "Jetzt sind beide Teams in der gleichen Situation in Sachen Reisestress und Ruhepausen. Für uns war es wichtig, diesen ersten Vergleich zu gewinnen. Das hat geklappt. Jetzt müssen wir dieses Spiel abhaken und uns auf die kommenden Aufgaben konzentrieren", sagte Cooper.