NEWARK, NEW JERSEY - MARCH 14: Anze Kopitar #11 of the Los Angeles Kings celebrates after scoring a goal during the third period of a NHL game breaking the franchise record for points (1308) against the New Jersey Devils at Prudential Center on March 14, 2026 in Newark, New Jersey. (Photo by Andrew Mordzynski/Getty Images)

Die Szenerie im Prudential Center von Newark lieferte den passenden Rahmen für einen historischen Abend in der National Hockey League. Im dritten Drittel des Auswärtsspiels bei den New Jersey Devils zog Anze Kopitar aus dem rechten Bullykreis ab. Sein präziser Snapshot schlug exakt 13 Minuten und 42 Sekunden nach Beginn des Schlussabschnitts im gegnerischen Netz ein. Dieser Treffer im Powerplay zum 4:4-Ausgleich markierte seinen 1308. Karriere-Punkt (450 Tore, 858 Vorlagen), nachdem er bereits zuvor zum 1:2 getroffen hatte.

Ein Meilenstein auf der Abschiedstournee

Der Treffer machte den Slowenen, nach einer herausragenden Vorarbeit von Verteidiger Brandt Clarke, endgültig zum alleinigen Rekordhalter der Los Angeles Kings. Mit diesem geschichtsträchtigen Moment überholte Kopitar in seiner 20. und letzten NHL-Saison offiziell die Legende Marcel Dionne. Unmittelbar nach dem Treffer leerte sich die Bank der Kalifornier komplett, um den Meilenstein gemeinsam auf dem Eis zu feiern.

Dieser Erfolg löste bei dem langjährigen Kapitän auf seiner Abschiedstournee wehmütige Gefühle aus. „In Momenten wie diesen nach dem Spiel denkt man daran, dass dies möglicherweise das letzte Mal hier ist“, erklärte Kopitar voller Nostalgie. „Es war eine gute Zeit, und ich hatte einige gute Abende in dieser Halle.“

LAK@NJD: Kopitar überholt Marcel Dionne mit seinem 1308. Punkt

Der Perfektionist hadert mit dem Moment

Besonders bemerkenswert war jedoch der starke Kontrast zwischen der sensationellen Einzelleistung und dem kollektiven Ergebnis. Die Kings gaben die Partie nach dem umjubelten Ausgleichstreffer wieder aus der Hand und unterlagen den Devils am Ende mit 4:6. Diese bittere Niederlage legte sich wie ein Schatten über den Abend des Rekordhalters.

Kopitar bewies seine absolute Gewinnermentalität und fand schonungslose Worte für die aktuelle Situation. „Ganz ehrlich, es fühlt sich ziemlich beschissen an“, erklärte der Angreifer unverblümt. „Ich stelle mir vor, es würde sich viel besser anfühlen, wenn wir das Spiel zu Ende gebracht und gewonnen hätten.“

Für den Kapitän wog der ausbleibende Teamerfolg im engen Playoff-Rennen der Western Conference deutlich schwerer als die persönliche Bestmarke. D.J. Smith bestätigte die kollektive Enttäuschung nach der Schlusssirene und benannte die Fehler schonungslos. „Zwei unnötige Strafen im dritten Drittel. Wenn das Spiel auf der Kippe steht, muss man das im Griff haben“, kritisierte der Trainer die undisziplinierte Schlussphase seines Teams.

Konstanz als Markenzeichen einer Karriere

Ein weiterer Grund für die Größe dieses Rekords liegt in der unglaublichen Langlebigkeit des Mittelstürmers. Kopitar absolvierte bereits 1505 Partien für sein Team und führte die Scorerliste der Kings stolze 15-Mal an. Diese Konstanz bei einem einzigen Franchise wird in der gesamten Geschichte der NHL nur von Gordie Howe übertroffen, der Detroit 17-Mal als Top-Scorer anführte.

Kopitar teilt sich den zweiten Rang aktuell mit Sidney Crosby von den Pittsburgh Penguins. Diese beständigen Leistungen inspirieren vor allem die junge Generation im Kader von Los Angeles. Brandt Clarke verdeutlichte nach der Partie den enormen Einfluss seines Kapitäns auf die gesamte Kabine. „Er ist einfach so verantwortungsbewusst, so ausgeglichen“, betonte der junge Verteidiger. „Er ist ein wahrer Anführer auf und neben dem Eis, und wir sind einfach super dankbar, ihn zu haben.“

Diese charakterlichen und spielerischen Qualitäten brachten Kopitar bereits zahlreiche Auszeichnungen ein, darunter zwei Selke Trophies für den besten defensiven Stürmer der Liga.

Lobeshymnen der Legende

Der neue Rekordhalter genießt ligaweit höchsten Respekt, ganz besonders bei seinem prominenten Vorgänger. Marcel Dionne hielt den Rekord für die meisten Punkte im Trikot der Kings über 45 Jahre lang, nachdem er am 7. Februar 1981 seinerseits Butch Goring überholt hatte. Dionne sammelte damals unglaubliche 1307 Punkte (550 Tore, 757 Vorlagen) in nur 921 Spielen für Los Angeles.

UNIONDALE, NY - 1983: Marcel Dionne #16 of the Los Angeles Kings skates with the puck during an NHL game against the New York Islanders circa 1983 at the Nassau Coliseum in Uniondale, New York. (Photo by Bruce Bennett Studios via Getty Images Studios/Getty Images)

Der Hall-of-Famer betonte aus der Ferne seine große Bewunderung für seinen legitimen Nachfolger. „Anze ist kein reiner Torjäger, sondern ein exzellenter, grundsolider Zwei-Wege-Spieler“, lobte der Kanadier den komplett anderen Spielstil des Slowenen. „Er ist seit vielen Jahren eine Bereicherung für sein Team.“

Dionne würdigte das unermüdliche Arbeitsethos von Kopitar und hob hervor, dass er den prestigeträchtigen Staffelstab voller Überzeugung an einen überaus würdigen Erben übergibt, dessen Einsatzbereitschaft nie infrage stand.

Der ultimative Respekt der Konkurrenz

Auch nach dem Ertönen der finalen Schlusssirene ereignete sich in Newark eine außergewöhnliche Szene. Die siegreichen New Jersey Devils reihten sich auf dem Eis auf, um dem gegnerischen Kapitän gebührend zu seinem sportlichen Meilenstein zu gratulieren.

Nico Hischier verdeutlichte die tiefe Bewunderung der Konkurrenz für diesen besonderen Moment. „Ich stand auf dem Eis, als er den Rekord holte, das war sicher ein wenig frustrierend“, gab der Schweizer unumwunden zu. „Aber man muss das aufsaugen und einfach bewundern, was er geleistet hat.“

Kopitar zeigte sich tief berührt von diesen besonderen Momenten des Fairplays, die er zuvor bereits von den New York Islanders erfahren durfte. „Das ist nach einem Sieg viel einfacher als nach einer Niederlage, aber ich schätze die Schlachten, die wir durchgestanden haben“, so Kopitar voller Dankbarkeit.

Diese ligaweite Anerkennung unterstreicht eindrucksvoll den Einfluss des Slowenen. Sein Vermächtnis geht weit über die Franchise-Grenzen der Los Angeles Kings hinaus.

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