DE 5Q

Vom 1. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 täglich ein Team der Liga mit Blick auf die Saison 2026/27 unter die Lupe.

In dieser Ausgabe: Fünf Fragen bei den Chicago Blackhawks

1. Wie schnell wird Bedard wieder fit?

Chicago muss voraussichtlich im ersten Monat der neuen Saison 2026/27 auf seinen besten Spieler verzichten: Connor Bedard zog sich bei einem Eistraining am 2. Juli eine Verletzung an der linken Schulter zu und musste am 8. Juli operiert werden. Seine Ausfallzeit wird auf circa vier Monate taxiert. Entsprechend dürfte der 21-jährige Kanadier erst Anfang/Mitte November wieder zur Verfügung stehen.

„Natürlich ist es unfassbar schade für ihn und auch für die Chicago Blackhawks, dass er sich im Sommer verletzt bei so einer Situation. Es war ein kompletter Unfall ohne Fremdeinwirkung. Eine Schulterverletzung, die ist immer schwierig. Da spreche ich jetzt aus Erfahrung: Ich habe ein künstliches Schultergelenk. Wenn die Schulter einmal kaputt ist und einmal operiert ist, dann ist sie einfach nie mehr so, wie sie vorher war“, sagte NHL.com/de-Experte Stefan Ustorf in der aktuellen Ausgabe des Schlagschuss-Podcast (Episode 48). „Hoffentlich hat er nach dieser OP keine Probleme mehr. Es wird an seiner Qualität als Eishockeyspieler nichts ändern.“

Erst in der Spielzeit 2025/26 war Bedard wegen einer Verletzung an der rechten Schulter wochenlang ausgefallen. Gewisse Sorgen sind kaum wegzudiskutieren, zumal Bedard in den letzten drei Jahren jeweils der Top-Scorer der Blackhawks war.

CHI@UTA: Bedard verwertet den Rebound

2. Wie viel Euphorie löst die Kane-Verpflichtung aus?

Einen gewaltigen Schub erhofft sich Chicago von der Verpflichtung von Patrick Kane. Der 37-jährige Veteran kehrt für zwei Jahre und 16 Millionen US-Dollar (im Schnitt 8 Mio. p.a.) an seine alte Wirkungsstätte zurück. Dort prägte er zwischen 2010 und 2015 die Goldene Ära der Blackhawks mit drei Stanley Cups in sechs Jahren (2010, 2013, 2015). Mit der Akquise des technisch starken Spielmachers wurde auch die Suche nach einem hochkarätigen Flügelstürmer für die Top-Reihe neben Bedard und Tyler Bertuzzi erfolgreich abgeschlossen.

„Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sein erstes Spiel im United Center mit den Blackhawks verlaufen würde, welche Reaktionen er auslösen würde und wie viel Schwung das nicht nur unserem Team, sondern auch unseren Fans geben würde“, spekulierte Bedard bereits bevor die Rückkehr offiziell wurde. „Es wäre unglaublich, mit ihm zu spielen und von ihm zu lernen. Er würde uns zu einer viel besseren Mannschaft machen. Er ist immer noch ein großartiger Spieler. Er hat noch einiges an Kraft in sich.“

Kane, Chicagos First-Overall-Pick aus dem NHL Draft 2007, baute in 16 Jahren in Chicago (2007-2023) ein Vermächtnis aus. Seit 2021/22 gelang ihm keine Saison mehr über 60 Scorerpunkte. Zuletzt verzeichnete er 57 Punkte (16-41-57) in 67 Spielen für die Detroit Red Wings.

3. Haucht Byram der Abwehr mehr Torgefahr ein?

Mit Bowen Byram tradeten die Blackhawks in diesem Sommer für einen mobilen Offensivverteidiger und statteten ihn mit einem neuen Sechsjahresvertrag über 75 Millionen US-Dollar aus (durchschnittlich 12,5 Mio. p.a.).

„Bo Byram ist ein hervorragender Verteidiger in der NHL. Er wird mit Sicherheit gute Arbeit leisten in Chicago“, so Ustorf im Schlagschuss-Podcast. „Aber ob ich ihn zum teuersten Verteidiger in der NHL gemacht hätte, weiß ich nicht. Das sehe ich vielleicht nicht so.“

Die Blackhawks erhoffen sich vom Stanley Cup Champion von 2022 (mit der Colorado Avalanche) vor allem offensive Beiträge von der blauen Linie: Mit nur 129 Punkten hatte Chicago die am wenigsten produktiven Abwehrspieler in der gesamten Liga. Nur 25 Verteidiger-Tore bedeuten den geteilt zweitschlechtesten Wert in der NHL. Hinzu kommt das ligaweit viertschlechteste Powerplay mit einer Erfolgsquote von 16,9 Prozent.

Byram soll alle diese Werte aufpolieren. In 328 NHL-Spielen sammelte er immerhin 152 Punkte (44-108-152). Jüngst spielte er sein Karriere-Jahr für die Buffalo Sabres mit 42 Punkten (11-31-42) in 82 Spielen und war auch in den Stanley Cup Playoffs eine Waffe (13 Partien, 4-3-7). Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass der 25-jährige Linksschütze Chicagos Powerplay als „Quarterback“ anführen wird.

BUF@BOS, GM 3: Byram trifft per Direktabnahme auf einem Knie

4. Wer kurbelt die Defensivwerte an?

Die Blackhawks stellten 2025/26 mit 3,29 Gegentoren/Spiel die sechstschlechteste Defensive. Bei 5-gegen-5 aber kassierten sie die drittmeisten Gegentore (198). Stark ausbaufähig sind weitere defensive Werte wie Faceoffs (46 Prozent; 31.), Checks (16,2 Hits/60 Minuten; 32.) und geblockte Schüsse (12,3 Blocks/60 Minuten; 28.).

Parallel zur strauchelnden Offensive (2,56 Tore/Spiel; 30.) muss Chicago also auch die Defensive in den Griff bekommen. General Manager Kyle Davidson präsentierte mit Verteidiger Ian Cole sowie den Stürmern Cole Smith und Jordan Greenway jeweils erfahrene Spieler, die defensiv denken. Sie könnten neue Stabilität verleihen.

5. Welchen Einschlag haben die Rookies?

Gleich drei Rookies könnten bei Chicago von Anfang an eine tragende Rolle spielen. Anton Frondell (19; NHL Draft 2025, 1. Runde, 3. Stelle) ist fest als Top-6-Stürmer eingeplant und könnte sowohl in der Mitte als auch auf den Außen auflaufen. Der 1,86 Meter große Schwede verfügt über einen harten und präzisen Schuss, ist ein guter Skater und sich auch nicht zu schade, die Wege nach hinten zu gehen. 2025/26 absolvierte der Linksschütze seine ersten zwölf NHL-Spiele für die Blackhawks (3-6-9).

Ein Rückblick auf alle 24 europäischen Spieler, die in der vergangenen Saison ihr erstes NHL-Tor erzielten

Eine Middle-Six-Rolle dürfte Flügelstürmer Roman Kantserov (21; NHL Draft 2023, 2. Runde, 44. Stelle) winken. Der Russe kommt über seinen Instinkt, seine Handlungsschnelligkeit und er weiß, wo das Tor steht: Der 1,76 Meter große Linksschütze markierte in der abgelaufenen Spielzeit in 63 Spielen 64 Punkte (36-28-64) für Metallurg Magnitogorsk in der KHL. Jetzt scheint Kantserov reif für sein NHL-Debüt.

Vom Bedard-Ausfall in den ersten Wochen könnte zudem Sacha Boisvert (20; NHL Draft 2024, 1. Runde, 18. Stelle) profitieren, denn der Kanadier könnte die freigewordene Center-Stelle - wenn auch in den Bottom-Six - einnehmen. Der 1,91 Meter große Kanadier ist ein guter Passgeber, Torjäger und bringt Elemente eines Power Forwards mit. In der Vorsaison absolvierte der Linksschütze seine ersten sieben Partien in der NHL (1-1-2).

Verwandte Inhalte