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Schon zweimal haben die Dallas Stars das Aus im Western-Conference-Finale gegen die Vegas Golden Knights abgewendet (Serienstand: 2:3). Spiel 6 am Montagabend (Dienstag, 2 Uhr MESZ) im American Airlines Center ist erneut ein Elimination Game: Dallas will in den Stanley Cup Playoffs bleiben und ein Spiel 7 forcieren, Vegas kann mit einem Sieg ins Stanley Cup Finale einziehen.

Die heutigen fünf Schlagschüsse vom Playoff-Geschehen:

Dallas hat das Momentum auf seiner Seite
Nach dem 0:3-Rückstand in der Best-of-7-Serie standen die Dallas Stars bereits zweimal mit dem Rücken zur Wand, wendeten mit einem knappen 3:2-Sieg n.V. in Spiel 4 zunächst den Sweep ab und schafften mit einem 4:2-Erfolg in Spiel 5 den Anschluss. Das Momentum ist nach zwei Siegen in Folge also klar auf Seiten der Texaner, was auch die Zahlen stützen: In beiden Partien hatten die Stars perfekte Special Teams (2/2 im Powerplay, 2/2 im Penalty Killing; jeweils 100 Prozent Erfolgsquote), präsentierten sich stark im Faceoff-Kreis (53,8 Prozent gewonnene Bullys), dominierten das Körperspiel (70:44 Checks) und hatten mit Jake Oettinger einen nur schwer zu überwindenden Torwart (64 von 68 Schüssen entschärft, 94,1 Prozent Fangquote). Vorne machen die jüngsten Auftritte von Jason Robertson Hoffnung auf mehr: Der Elite-Flügelstürmer knipste in zwei Spielen dreimal (3-0-3) und hatte eine Schusseffizienz von 21,4 Prozent. Als Senkrechtstarter ist Ty Dellandrea zu bezeichnen. Der Drittreihen-Angreifer traf zweimal in Spiel 5, darunter das Game Winning Goal.

Wer hat mehr Druck im Hangar?
Spannend dürfte zu sehen sein, wer in Spiel 6 mehr unter Druck steht: Dallas, das im Falle einer Niederlage Sommerpause hat? Oder Vegas, das eine 3:0-Führung verzocken könnte? So oder so dürfte im "Hangar", wie der American Airlines Center genannte wird, viel "Desperation Hockey" (Hockey im Mute der Verzweiflung) zu sehen sein. "Der Druck wird immer größer", weiß Stars-Trainer Peter DeBoer. "Jeder geht mit diesem Druck anders um, ich glaube aber schon, dass der Druck groß ist, wenn man eine 3:0-Führung verspielen kann." Verteidiger Thomas Harley kennt das Gefühl des Desperation Hockeys bereits aus den vorangegangenen Partien und sieht genau darin den Vorteil für Dallas: "Wir sind immer noch 2:3 hinten und nur eine Niederlage von der Sommerpause entfernt. Es wird aber nicht schwer sein, weiter so zu spielen, denn wir haben das zuletzt zweimal erfolgreich gezeigt. Wir müssen einfach genau so weitermachen, dann wird das klappen." Bei den Golden Knights warnt Trainer Bruce Cassidy: "Sie werden jetzt noch hungriger sein und mehr Selbstvertrauen haben. Aber wir halten noch immer die Führung in der Serie." Auch Vegas-Stürmer Reilly Smith spürt den anschwellenden Druck und möchte ein mögliches Spiel 7 daher unbedingt verhindern: "Ich glaube schon, dass es leichter ist, mit einem 3:0-Serienvorsprung im Rücken zu spielen. Diesen Vorteil haben wir jetzt nicht mehr. Umso mehr müssen wir sicherstellen, das nächste Spiel zu gewinnen."

Vegas hofft auf seine Erfahrung und die Rückkehr zu den alten Tugenden
Um mit dem steigenden Druck umgehen zu können, hoffen die Vegas Golden Knights auf ihre erfahrenen Spieler. Immerhin haben sechs Spieler aus dem aktuellen Golden-Knights-Kader bereits mit Vegas ein Conference Finale gewonnen und sind ins Stanley Cup Finale eingezogen: William Carrier, William Karlsson, Jonathan Marchessault, Reilly Smith, Brayden McNabb und Shea Theodore. "Wir haben Spieler, die das alles schon durchgemacht haben", weiß Cassidy. "Sie sind alle schon so weit gekommen, und wenn wir alle weiterkommen wollen, dann müssen wir es alle über diesen Hügel schaffen. Die Jungs müssen sich auf ihre Erfahrung verlassen und sie entsprechend einsetzen. So, wie wir in den letzten beiden Spielen aufgetreten sind, können wir nicht erneut auftreten." Stürmer Smith fordert daher den "Killer-Instinkt": "Wir müssen es ihnen schwer machen. Wir müssen zu dem Spiel zurückfinden, mit dem wir in den Playoffs erfolgreich waren. Das heißt, dass wir den Gegner nur von den Außenpositionen schießen lassen dürfen und ihnen keine zweiten Chancen geben dürfen."

Stephenson, Vegas gewinnen Spiel 2 mit 3:2 nach OT

Kapitän auf der Brücke: Benn kehrt zurück
Nach abgelaufener Sperre wird bei Dallas Kapitän Jamie Benn zurückkehren. "Er ist wie ein wütender Bär, der herumgeschlichen ist und darauf gewartet hat, wieder spielen zu können", malte DeBoer eine Metapher. "Ich denke, er läuft auf Hochtouren. Zuletzt musste er die Spiele mit unseren Video-Trainern auf der Tribüne anschauen. Er ist kein guter Zuschauer, also wird er sich darauf freuen, wieder mitspielen zu dürfen." Vor seiner Sperre sammelte Benn in 16 Playoff-Partien elf Scorerpunkte (3-8-11) und dürfte seinen Platz auf dem linken Flügel in der dritten Sturmreihe wieder einnehmen. Dort soll der 33-jährige Kanadier nicht nur für mehr Tiefe sorgen, sondern wird auch aufgrund seiner physischen Präsenz und als erfahrener Führungsspieler geschätzt. "Er ist da draußen unser Anführer", betont Harley. "Er ist unser Kapitän, also wird er auch die Intensität mitbringen - und wir werden ihm folgen." Mit Evgenii Dadonov (nach Unterkörperverletzung) könnte übrigens ein weiterer Flügelstürmer zurückkehren.

Findet Stone zurück zu alter Stärke?
Die Golden Knights können sich in dieser Serie voll auf ihre Top-Reihe um Ivan Barbashev (2-3-5), Jack Eichel (0-4-4) und Jonathan Marchessault (3-3-6) verlassen, die kumuliert in fünf Begegnungen auf 15 Scorerpunkte kommt (5-10-15). Doch Vegas wird mehr Secondary Scoring, also mehr Torgefahr aus den hinteren Reihen brauchen, um Dallas zu schlagen. Einen leichten Durchhänger hatte zuletzt Mark Stone: Der Flügelspieler ist der drittbeste Scorer bei Vegas, blieb jedoch in den letzten beiden Spielen ohne einen einzigen Scorerpunkt. Spiel 6 wäre für ihn also der perfekte Zeitpunkt, die kurze Ladehemmung zu stoppen.