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Seit Freitag um 21 Uhr (3 p.m. ET) geht nichts mehr. Dieser Punkt markierte die Trade Deadline 2026. Danach dürfen NHL-Teams theoretisch zwar noch Transfers einfädeln, doch wären die getauschten Spieler bis zum Rest der Saison 2025/26 nicht mehr für ihren neuen Klub spielberechtigt. NHL.com/de hat zehn Erkenntnisse zur zusammengestellt.

1. Ein recht ruhiger Deadline Day

Der Freitag war mit 20 Trades und 33 involvierten Spielern vergleichsweise ruhig. Im Schnitt wurden in den letzten vier Jahren 22 Trades mit 36,75 Spielern am Deadline Day durchgeführt. „Ich hatte schon geahnt, dass es so laufen würde“, sagte Bill Armstrong, General Manager des Utah Mammoth. „Die Anzahl der Anrufe waren nicht weniger als sonst, aber insgesamt in der Liga schien es recht ruhig zu bleiben“, so Kyle Davidson, GM der Chicago Blackhawks. 

2. Der Preis ist heiß

Viele große Namen tauchten in der Gerüchteküche auf, zu einem Trade aber kam es in den meisten Fällen nicht. Diese Zurückhaltung hat mehrere Gründe: Zum einen sollen die aufgerufenen Preise sehr hoch gewesen sein. Zum anderen ist der „Leih“-Markt - also die Akquise von Spielern, deren Vertrag zum Saisonende ausläuft, aufgrund vieler langfristiger Verträge erschöpft. Hinzu kommt, dass die Klubs mehr Flexibilität unter der Gehaltsobergrenze haben, denn der Salary Cap stieg von 88 Millionen US-Dollar in der letzten Saison auf 95,5 Millionen in dieser Spielzeit und wird im nächsten Jahr nochmal auf 104 Millionen steigen. „Viele Teams haben mehr Cap Space, was ihnen mehr Flexibilität gibt. Dadurch konnten sie ihre Spieler behalten“, erklärt Steve Yzerman, GM der Detroit Red Wings.

3. Große Namen bleiben

Die Liste an begehrten Spielern, die nicht vor der Trade Deadline wechselten, ist genauso lang wie klangvoll. Der zweifache Meister-Torwart Sergei Bobrovsky etwa blieb bei den Florida Panthers und arbeitet mit den Verantwortlichen nun an einer Vertragsverlängerung. Bei den New York Rangers, die sich einem Retooling-Prozess verschrien haben, blieben die gehandelten Vincent Trocheck, Alexis Lafrenière oder Adam Fox an Bord. Heiße Trade-Kandidaten wie Jordan Binnington, Colton Parayko, Robert Thomas, Jordan Kyrou (alle St. Louis Blues), Elias Pettersson (Vancouver Canucks), Oliver Ekman-Larson (Toronto Maple Leafs), Rasmus Ristolainen (Philadelphia Flyers) oder Blake Coleman (Calgary Flames) wurden nicht getauscht.

Die Nashville Predators hatten Angebote für Ryan O’Reilly, Steven Stamkos, Jonathan Marchessault und Erik Haula vorliegen, konnten sich aber nicht auf einen Gegenwert einigen. „Es gab viele Interessenten, aber wir haben unseren Preis. Daran haben wir uns gehalten. Wir sind diszipliniert geblieben“, sagte Barry Trotz, GM der Nashville Predators.

4. Carlson-Trade beendet eine Ära

Der vielleicht prominenteste Trade vor der Deadline war der von Verteidiger John Carlson von den Washington Capitals zu den Anaheim Ducks. Der 36-jährige US-Amerikaner war bis Freitag ein Franchise-Spieler der Capitals (NHL Draft 2008, 1. Runde, 27. Stelle; 17 Saisons, 1143 Spiele, 166-605-771) und gewann einen Stanley Cup (2018). Den 1,90 Meter großen Rechtsschützen jetzt in einem Ducks-Trikot zu sehen, dürfte für viele Fans befremdlich sein. Washingtons Kapitän Alex Ovechkin geht es da nicht anders: „Ich war wie gelähmt vor Schreck, völlig geschockt. Dies ist ganz klar ein trauriger Tag. Wahrscheinlich der schwerste Tag meiner Karriere. Es ist einfach nur Mist.“

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5. Alle Augen auf Anaheims Abwehr

Ganz anders fielen die Reaktionen auf den Carlson-Trade in Anaheim aus. „So einen Spieler vor der Trade Deadline zu bekommen, ist großartig. Dass er vor den Playoffs verpflichtet wurde, ist ein Kompliment für die komplette Mannschaft“, jubelte Ducks-Kapitän Radko Gudas. Anaheim macht also ernst bei seiner Mission Playoff-Rückkehr. Alleine der Blick auf die möglichen Verteidiger-Paare ist furchteinflößend: Jackson LaCombe mit John Carlson, Pavel Mintyukov mit Radko Gudas und Olen Zellweger mit Jacob Trouba sind Defensivduos, die sich sehen lassen können.

6. Kadri kehrt zurück

Viele NHL-Teams hielten vor der Trade Deadline Ausschau nach einem „C2“, also nach einem Center für die zweite Reihe. So auch die Colorado Avalanche, die dieses Bedürfnis mit Nazem Kadri decken konnte und dafür einen Trade mit den Calgary Flames einfädelten. Spieler und Klub haben eine erfolgreiche Vorgeschichte, denn zusammen gewannen sie 2022 den Stanley Cup. In genau dieser Saison 2021/22 spielte Kadri sein Karrierejahr mit 87 Scorerpunkten (28-59-87) in 71 Spielen und war auch beim Playoff-Run mit 15 Punkten (7-8-15) in 16 Partien ein Schlüsselspieler für die Avalanche. Kadris Rückkehr nach Denver ist also mehr als vielversprechend, zumal Colorado auf der Mittelstürmer-Position nun exzellent besetzt ist: Nathan MacKinnon, Brock Nelson, Kadri, der ebenfalls kurz vor der Deadline verpflichtete Nicolas Roy (zuvor Toronto Maple Leafs) und Jack Drury heißen die fünf Bewerber für vier freie Plätze.

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7. Buffalo ist plötzlich Käufer und rüstet auf

Die Buffalo Sabres wollen nach 15 Jahren zurück in die Stanley Cup Playoffs und sind zuversichtlich, die längste aktive Playoff-Durststrecke in der gesamten NHL in diesem Frühjahr beenden zu können. Seit Langem trat Buffalo vor der Trade Deadline nicht mehr als Verkäufer, sondern als Käufer auf und fügte seinem Kader mit Luke Schenn, Logan Stanley, Tanner Pearson (alle Winnipeg Jets) und Sam Carrick (New York Rangers) mehr Erfahrung, Größe und Härte hinzu. Das klare Signal an den Rest der Liga: Die Sabres machen ernst! „Wir haben das Gefühl, dass wir Schaden anrichten können“, sagt ein selbstbewusster Trainer Lindy Ruff.

8. Erneuter Neuanfang für Reichel

Der deutsche Olympionike Lukas Reichel wurde bereits zum zweiten Mal in einer Saison getradet. Der 23-jährige Stürmer aus Nürnberg war Mitte Oktober von den Chicago Blackhawks zu den Vancouver Canucks getradet worden und musste zuletzt in deren AHL-Farmteam Abbotsford Canucks spielen. Nun akquirierten die Boston Bruins den flinken Offensivspieler im Austausch für einen Sechstrunden-Draftpick. Für Reichel ist es ein erneuter Neuanfang und vielleicht die letzte Chance, in der NHL Fuß zu fassen. Als hilfreich könnte sich erweisen, dass die Bruins mit Marco Sturm einen deutschen Trainer haben, der den Erstrunden-Pick aus dem NHL Draft 2020 (17. Stelle) gut kennt und ihn womöglich in einer Rolle einsetzt, die besser zu ihm passt. Blüht Reichel in Boston also wieder auf?

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9. Islanders holen mit Schenn viel Erfahrung

Die New York Islanders tradeten für Stürmer Brayden Schenn (zuvor: St. Louis Blues) und bekommen mit dem Stanley Cup Champion von 2019 vor allem viel Erfahrung (17 NHL-Saisons, 1083 Spiele, 290-423-713; acht Playoff-Runs, 82 Partien, 13-30-43). Genau das richtige Puzzlestück für eine Mannschaft, die in den letzten Jahren nicht viel Playoff-Erfahrung sammeln konnte.

10. Ein Routinier für Detroits jungen Verteidiger-Kern

Auch die Detroit Red Wings rüsteten sich für eine langersehnte Rückkehr in die Stanley Cup Playoffs und holten mit Justin Faulk (St. Louis Blues) einen erfahrenen Verteidiger. Der 33-jährige US-Amerikaner kommt auf über 1000 NHL-Spiele (15 Saisons, 1041 Spiele, 141-349-490; fünf Playoff-Runs, 45 Partien, 4-16-20) und fügt sich in einen jungen und hochtalentierten Abwehr-Kern mit Moritz Seider, Simon Edvinsson und Axel Sandin-Pellikka ein.

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