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Der Traum vom Stanley Cup droht für Leon Draisaitl und seine Edmonton Oilers in diesem Jahr früh zu zerplatzen. Nach zwei Finalteilnahmen in den Jahren 2024 und 2025 steht das Team nun bereits in der Ersten Runde der Stanley Cup Playoffs 2026 in der Western Conference sportlich mit dem Rücken zur Wand. Die 3:4-Niederlage nach Verlängerung in Spiel 4 bei den Anaheim Ducks am Sonntag bedeutet einen 1:3-Rückstand in der Serie – und bringt Edmonton an den Rand des Ausscheidens.

Kontroverse Entscheidung überschattet Spiel 4

Es war ein Abend, der sinnbildlich für die bisherige Serie steht: Die Oilers kämpften, zeigten phasenweise ihre Klasse – und standen am Ende doch mit leeren Händen da. Besonders bitter: Die Entscheidung fiel durch ein höchst umstrittenes Tor von Ryan Poehling in der Verlängerung.

EDM@ANA, Sp 4: Poehling findet mit Schuss in OT den Weg des Pucks über die Linie

„Das ist schwer zu akzeptieren“, sagte Oilers-Goalie Tristan Jarry nach der Partie. „Wir haben uns die Szene nochmal angeschaut – man kann nicht eindeutig erkennen, ob der Puck wirklich in vollem Umfang hinter der Linie war. Aber am Ende stehst du auf der Verliererseite, und das tut weh.“

Auch Trainer Kris Knoblauch rang um Worte, wollte sich jedoch nicht ausschließlich auf die Schiedsrichterentscheidung fokussieren: „Der Puck kommt vors Tor, wird abgefälscht, und am Ende geht er irgendwie rein. Natürlich ist das unglücklich – aber wir hatten vorher genug Chancen, das Spiel zu entscheiden“, meinte der Coach selbstkritisch gegenüber der eigenen Mannschaft und zeigte sich damit als fairer Sportsmann.

Disziplin und Defensive bleiben die Baustellen

Tatsächlich liegt das Problem tiefer. Die Oilers schaffen es bislang nicht, ihre Führungen zu verteidigen. Auch in Spiel 4 verspielten sie sowohl ein zwischenzeitliches 2:0 als auch ein eine 3:2-Führung. Ein entscheidender Faktor: die mangelnde Disziplin.

Alle wichtigen Szenen aus dem Spiel zwischen den Anaheim Ducks und den Edmonton Oilers

„Wir müssen unbedingt von der Strafbank wegbleiben“, erklärte Knoblauch deutlich. „Das hilft enorm – und außerdem müssen wir defensiv einfach ein paar bessere Entscheidungen treffen.“

Denn die Ducks bestrafen jede Nachlässigkeit. Zwei Powerplay-Tore im zweiten Drittel brachten Anaheim im Honda Center auch diesmal zurück ins Spiel. Edmontons Kapitän Connor McDavid brachte es auf den Punkt: „Die Tore in Unterzahl haben uns richtig wehgetan. Sie treffen zweimal im Powerplay – und plötzlich ist das Spiel wieder ausgeglichen.“

Besonders ärgerlich: Einige der Strafen sind vermeidbar. So führte auch diesmal ein Foul direkt zu einem Gegentor – ein Muster, das sich durch die Serie zieht. „Das darf uns einfach nicht passieren“, so McDavid weiter. „In den Playoffs wirst du dafür sofort bestraft.“

Starker Beginn reicht erneut nicht aus

Dabei begann Spiel 4 aus Sicht der Oilers nahezu perfekt. Bereits nach 38 Sekunden traf Kasperi Kapanen zur Führung, wenig später erhöhte Ryan Nugent-Hopkins im Powerplay auf 2:0 (7., PP). Edmonton spielte druckvoll, zielstrebig – genau so, wie es die Situation verlangte.

„Wir sind richtig gut ins Spiel gestartet“, sagte Jarry. „Genau das wollten wir – von Anfang an bereit sein und den Ton angeben.“ Auch Knoblauch lobte die Anfangsphase: „Wir haben uns in eine sehr gute Ausgangslage gebracht. Das war genau die Reaktion, die wir sehen wollten.“

Doch erneut gelang es nicht, dieses Niveau über die gesamte Spielzeit zu halten. Anaheim kämpfte sich zurück – und Edmonton fand keine Antwort mehr. Zwar brachte Evan Bouchard die Oilers im dritten Drittel noch einmal in Führung (44., PP), doch auch diese hielt nicht.

EDM@ANA, Sp 4: Bouchard bringt Oilers im Powerplay in Führung

„Wir haben uns immer wieder in gute Positionen gebracht“, analysierte McDavid. „Aber wir haben keinen Weg gefunden, das Spiel zuzumachen. Und genau das ist im Moment unser Problem.“

Alles oder nichts in Spiel 5

Mit dem 1:3-Rückstand steht Edmonton nun vor einer gewaltigen Herausforderung. Drei Siege in Folge sind notwendig, um die Best-of-seven-Serie noch zu drehen. Die Statistik spricht klar dagegen, doch innerhalb der Mannschaft ist der Glaube noch vorhanden.

„In der Kabine glaubt jeder daran, dass wir das noch schaffen können“, betonte Knoblauch. „Diese Mannschaft hat schon oft gezeigt, dass sie zurückkommen kann. Aber jetzt haben wir keinen Spielraum mehr für Fehler.“

Auch McDavid sieht die Situation realistisch, aber nicht hoffnungslos: „Wir stecken in einem Loch, keine Frage. Aber wir müssen einfach einen Weg finden, zuhause ein Spiel zu gewinnen. Mehr zählt im Moment nicht.“

Ducks 3, Oilers 1

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Torhüter Jarry, der mit 34 Paraden ein starkes Playoff-Debüt für Edmonton zeigte, sieht ebenfalls positive Ansätze: „Ich fand, wir haben viele Dinge richtig gemacht. Aber es sind die kleinen Details, die am Ende entscheiden – und die müssen wir besser hinbekommen.“

Für Draisaitl, Josh Samanski (7:31 Minuten Eiszeit, 15 Wechsel in Spiel 4) und die Oilers geht es nun um alles. Eine weitere Niederlage am Dienstag (10 p.m. ET; Mit. 4 Uhr MESZ) vor den eigenen Fans in Edmonton würde eine Saison ungewohnt früh beenden, die im Lager des Vorjahresfinalisten erneut mit großen Ambitionen begonnen hatte. Ein Sieg hingegen könnte neue Hoffnung entfachen – und vielleicht doch noch die Wende zum Guten einleiten.

Klar ist: Edmonton braucht eine nahezu perfekte Leistung, um das drohende Aus abzuwenden. Oder, wie Knoblauch es formulierte: „Jetzt zählt nur noch eines – wir müssen einen Weg finden, zu gewinnen. Egal wie.“

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