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Wer oder was ist verantwortlich für den Erfolg

Das Redaktionsteam von NHL.com/de diskutiert darüber, wer am Erfolg eines Teams maßgeblich beteiligt ist

von NHL.com/de @NHLde

Während der Saison 2018/19 wird das Team von NHL.com/de jeden Freitag in der Rubrik "Writer's Room" wichtige Themen der Liga diskutieren und analysieren. In dieser Ausgabe: Wer hat am meisten Anteil am Erfolg eines Franchise?

Eigentümer, Management, Trainer, Spieler oder gar die Fans. Eine Eishockey-Mannschaft und ihr Erfolg können von vielen Faktoren beeinflusst werden und davon abhängen. Doch wer hat den größten Anteil daran oder lässt sich das überhaupt bestimmen? Wir haben die Meinungen der Redakteure von NHL.com/de zu diesem Thema zusammengetragen:

Christian Rupp: Die erfolgreichsten Mannschaften in der abgelaufenen Saison 2017/18 waren die beiden Stanley-Cup-Finalisten Washington Capitals und Vegas Golden Knights, die meiner Meinung nach ein perfektes Beispiel dafür lieferten, wie komplex der Erfolg im Eishockey ist.

Video: WSH@VGK, Sp5: Ovi holt Überzahl raus und trifft

In Washington war es eine Mischung aus produktiven Stars (Alex Ovechkin, Evgeny Kuznetsov, T.J. Oshie, Niklas Backstrom, John Carlson), Secondary Scoring aus den hinteren Reihen (Devante Smith-Pelly, Brett Connolly, Jakub Vrana, Lars Eller, Jay Beagle, Chandler Stephenson), einem smarten Trainer (Barry Trotz), einer Portion Glück (Braden Holtbys Monster-Save gegen Alex Tuch in Spiel 2) und einem unbändigen Teamgeist (Team gab trotz Rückschlägen in den Playoffs nie auf, Superstar Ovechkin blockte Schüsse, fuhr Checks und arbeitete defensiv mit). Da alle Zahnrädchen ineinandergriffen, entwickelte sich eine Eigendynamik - die Capitals waren nicht mehr zu stoppen.

Die Golden Knights waren hingegen zu Saisonbeginn eine Mannschaft ohne Superstars, denn diese waren im Expansion Draft schlichtweg nicht verfügbar. Das Management um GM George McPhee sowie Trainer Gerard Gallant aber machte einen beispiellosen Job bei der Zusammenstellung des Kaders: Die geholten Spieler schienen perfekt in das Spielsystem zu passen und füllten dieses durch Einsatz, Leidenschaft und Hingabe mit Leben. Auch hier entwickelte sich eine gewisse Eigendynamik und ein unvergleichlicher Teamgeist, die Vegas überraschend bis ins Finale bringen sollten.

Washington und Vegas bewiesen, dass es nicht nur einen Grund für Erfolg gibt, sondern dass mehrere Faktoren harmonisch zusammenspielen müssen, um den heiligen Gral des Eishockeysports zu gewinnen.

 

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Stefan Herget: Das stimmt, Christian. Im Prinzip hast du Recht, aber was ist mit dem Eigentümer, der das Budget zur Verfügung stellt? Ich denke auch, dass es nicht alleine an einem Trainer oder der Mannschaft liegt. Es muss in allen Bereichen gut gearbeitet und vor allem zusammengearbeitet werden. Nicht selten gibt es wie in fast jeder Firma Missstimmung oder sogar Intrigen, wenn es darum geht Karriere zu machen oder mehr Geld zu verdienen. Ich denke, es muss auch im Management und zwischen Eigentümer und Management gut laufen und alle miteinander arbeiten, um den Erfolg nicht zu gefährden. Letztendlich ist es natürlich die Mannschaft und wie sie von den Trainern trainiert, zusammengestellt und eingestellt sowie taktisch geschult wird, was den Erfolg beeinflusst. Doch wenn es im Management und mit dem Eigentümer nicht stimmt, dann kann sich das schnell auf den laufenden Spielbetrieb auswirken.

 

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Robin Patzwaldt: Ich denke zunächst einmal, dass es sich in der NHL nicht anders verhält als in anderen Sportarten und Ligen auch. Es sind tatsächlich unzählige Faktoren die zusammenkommen müssen, damit ein Klub sportlich erfolgreich sein kann. Die Erfahrung zeigt, dass in einem erfolgreichen Team auch zwischenmenschlich Harmonie herrschen muss. Da hat Stefan völlig Recht. Dazu müssen sich die Beteiligten eben auch in schwierigen Situationen, die es zwangsläufig im Laufe einer langen Saison gibt, möglichst gut verstehen. Es ist normal, dass es in einer Ansammlung so vieler verschiedener Menschen auch immer zu gewissen Spannungen untereinander kommt. Wem es gelingt diese bestmöglich auszugleichen, auch menschlich zu harmonieren, der hat gute Chancen auf sportliche Siege. Passt es menschlich hingegen nicht, dann fehlt auf Dauer fast immer auch der sportliche Erfolg. Logisch ist, dass hier der Rolle eines Managers eine herausragende Stellung zukommt. Er entscheidet am Ende des Tages, welche Persönlichkeiten sich dem inneren Kreis eines Vereins, eines Teams anschließen dürfen. Dementsprechend ist seine Rolle in diesem Zusammenhang nicht hoch genug einzuschätzen.

Axel Jeroma: Ein wettbewerbsfähiges Team zusammenzubauen, liegt meiner Ansicht nach hauptsächlich im Verantwortungsbereich des Präsidiums und des Managements. Die einen stellen die finanziellen Ressourcen bereit, die anderen müssen sie möglichst gewinnbringend einsetzen. Beide Seiten benötigen dafür Erfahrung, Weitblick, Menschenkenntnis und natürlich auch das nötige Quäntchen Glück. Sicher wird die sportliche Leitung bei Transfers und Verpflichtungen mitreden, aber das letzte Wort dürften andere haben. Aus diesem Grund fand ich es folgerichtig, dass bei den Philadelphia Flyers in dieser Woche mit Ron Hextall der General Manager gehen musste. Er bewies zuletzt kein gutes Händchen bei den Trades und den Drafts und hat daher maßgeblichen Anteil daran, dass die Flyers in ihrer Entwicklung stehengeblieben sind. Dass es anders laufen kann, zeigt das Beispiel Vegas Golden Knights. Aus dem Nichts einen Kader zu schmieden, der ins Stanley-Cup-Finale vordringt und trotz einiger Veränderungen in der zweiten Saison in der Spitzengruppe der Western Conference mitmischt, ist große Management-Kunst - zur Aufführung gebracht von George McPhee.

Bernd Rösch: Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass jedes Zahnrad in jedes greifen muss, damit überhaupt die Chance besteht, um den Titel mitzuspielen. Eine Garantie auf den sportlichen Erfolg gibt es nicht. Die Wahrscheinlichkeit darauf, ist zwar größer, wenn von Saisonbeginn an Harmonie innerhalb des Teams und auch zum Umfeld herrscht, doch es gab auch schon Fälle, bei denen es in der Mannschaft keinen Eitelsonnenschein gab und sie sich erst zusammenrauften, nachdem sich erste kleine Erfolge eingestellt hatten. Daraus entstand dann ein Aha-Effekt. 'Ja, wir sind zu mehr fähig, wenn wir an einem Strang ziehen und letztendlich gibt es für jeden einzelnen Spieler von uns nichts schöneres als zu gewinnen'.

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