Das Beste der Winnipeg Jets

Ab Mitte September beginnen in der NHL die Training Camps zur Vorbereitung auf die Saison 2022/23. Vom 1. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 täglich ein Team der Liga genauer unter die Lupe. Die zweiteilige Bestandsaufnahme umfasst die wichtigsten personellen Veränderungen, die Schlüsselspieler, die Stärken und Schwächen sowie die Playoff-Chancen.
In der heutigen Ausgabe: Winnipeg Jets

Die Winnipeg Jets haben in den letzten fünf Spielzeiten eine gewisse Konstanz gezeigt: 2018 ging es in den Stanley Cup Playoffs bis ins Western Conference Finale, 2019 bis in die 1. Runde, 2020 bis in die Qualifikationsrunde und 2021 bis in die 2. Runde. Vater dieser Erfolge war Trainer Paul Maurice, der jedoch nach einem schwachen Start in die Saison 2021/22 aus eigenem Antrieb zurücktrat. In der Folge verpasste Winnipeg die Playoffs als Sechster der Pacific Division mit acht Punkten Rückstand auf die zweite Wild Card. Zur neuen Saison übernimmt Rick Bowness als neuer Coach beim Team aus der kanadischen Provinz Manitoba. Sein ambitioniertes Ziel: die Rückkehr in die Playoffs.
Ein Trainer mit Stallgeruch
Bowness verfügt über eine Menge NHL-Erfahrung: Sowohl als Spieler (1975-1982) als auch in verschiedenen Trainer-Funktionen (seit 1984) arbeitete er in der besten Eishockey-Liga der Welt. Das Besondere: Der 67-jährige Kanadier bringt eine Menge Stallgeruch mit: Er trug als aktiver Spieler zwischen 1980 und 1982 Trikot der "alten" Winnipeg Jets (die damalige Franchise spielt aktuell als Arizona Coyotes) und fungierte zwischen 1985 und 1987 als Assistenztrainer der Jets.
"Rick bringt eine Menge Erfahrung und Wissen mit, sowohl als Trainer in der NHL als auch als Spieler und Coach in der Stadt Winnipeg. Rick hat ein fantastisches Hockey-Denken und ist eine noch bessere Person. Wir sind zuversichtlich, dass er diese Mannschaft auf ein höheres Niveau heben wird", sagte General Manager Kevin Cheveldayoff. "Schon beim ersten Gespräch wurde deutlich, dass ihn dieser Job und diese Gelegenheit faszinierte. Es war eine angenehme Konversation, denn wir waren derselben Meinung, wo wir stehen, was wir tun müssen und worüber wir denken. Er hatte gute Ansätze, um die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen. Es gab also wirkliche Synergien und wir wussten sofort, dass er die richtige Wahl war."
Ähnliches: [Bowness wird neuer Trainer der Winnipeg Jets]
Reguläre Saison 2021/22: 39-32-11, 6. Platz in der Central Division
Stanley Cup Playoffs 2022:nicht qualifiziert
Trainer: Rick Bowness, 1. Saison
Top-Zugänge: G David Rittich, D Kyle Capobianco, F Saku Maenalanen, F Kevin Stenlund
Top-Abgänge: G Eric Comrie, F Paul Stastny, F Zach Sanford, F Evgeny Svechnikov, F Austin Poganski, F Adam Brooks, F CJ Suess
"Ich freue mich unglaublich darauf, nach Winnipeg zurückzukehren und bin dankbar für die Chance, die mir Kevin Cheveldayoff und die Besitzergruppe gegeben hat", sagte Bowness. "Wir haben eine spannende Truppe mit talentierten jungen Spielern. Mein Fokus liegt darauf, das Team zurück in die Stanley Cup Playoffs zu führen."
Eine neue Kultur und eine neue Arbeitseinstellung
Ein ambitioniertes Ziel, zumal sich Winnipeg im Sommer nicht wesentlich verstärken konnte und auch noch den Abgang von Paul Stastny kompensieren muss. Der neue Trainer aber möchte an anderen Rädchen drehen. "Die Kultur war im Vorjahr ein Problem, zumindest, wenn man sich die Aussagen der Spieler anhört. Das müssen wir ändern. Die Einstellung und die Kultur sind das erste, was ich ändern möchte. Daran werde ich den ganzen Sommer lang arbeiten", ließ Bowness durchblicken.
Auch möchte er, dass die Jets wieder als unangenehmer Gegner auftreten. "Wenn du schwer zu bespielen sein willst, dann musst du skaten, dann musst du Druck machen, dem Gegner nicht viel Raum lassen und überall auf dem Eis eng dran sein. Wenn du alles das umsetzt, dann wirst du nicht viel Zeit in der eigenen Zone verbringen und du wirst defensiv viel besser sein", glaubt Bowness. "Die Spieler müssen alles reinwerfen, sie müssen kämpfen, dann erledigt sich das System von selbst."
Um die geplanten Schritte umzusetzen, setzte der neue Coach zunächst auf viele Gespräche mit seinen Spielern. Insbesondere mit der Führungsgruppe. Zu dieser zählt neben Kapitän Blake Wheeler auch Assistenzkapitän Mark Scheifele. Der Nummer-1-Center soll das Aushängeschild der Jets sein. So war Scheifele einer der ersten Ansprechpartner, wie Bowness erklärte: "Als ich aufgelegt habe, war ich sehr ermutigt. Ich weiß, dass er ein großartiger Spieler ist und er einen großen Anteil am Erfolg dieses Teams haben wird. Er ist voll mit dabei und wird alles geben, was er hat."

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Talente drängen in die NHL-Aufstellung
Eine weitere Herausforderung wird sein, die vielen jungen Talente in der Organisation in die NHL-Aufstellung einzubauen. Insbesondere die Stürmer Cole Perfetti (20), Kristian Reichel (24) oder Morgan Barron (23) konnten sich bereits beim Farmteam Manitoba Moose in der AHL für höhere Aufgaben empfehlen. "Wir haben eine spannende Mannschaft bei den Jets mit talentierten jungen Spielern", findet Bowness.
Aus deutscher Sicht dürfte spannend sein, ob Offensivverteidiger Leon Gawanke den Sprung in die NHL schaffen wird. Der 23-jährige Berliner bringt nicht nur die körperlichen Voraussetzungen mit (1,86 Meter groß, 90 Kilogramm schwer), um in Winnipeg bestehen zu können, sondern wäre als rechtsschießender Blueliner auch eine offensive Waffe für die Jets. Zudem arbeitet Gawanke seit Jahren auch an seinem Defensivspiel und stach als Zwei-Wege-Verteidiger für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2022 heraus. Viele Experten halten den Call-up für Gawanke für längst überfällig. Wird Bowness auf den Deutschen setzen?

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