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In dieser Ausgabe: Unter dem Kommando von Trainer Uwe Krupp geht es für die Kölner Haie wieder aufwärts.

Als Uwe Krupp vor etwas mehr als einem Jahr auf die Trainerbank der Kölner Haie zurückkehrte, lag die Mannschaft in Trümmern. 17 Spiele hintereinander hatte sie in der DEL verloren. Bei einer weiteren Niederlage wären die Domstädter der unrühmliche Inhaber des Allzeit-Negativrekords in der Liga gewesen. In ihrer Not wandten sich die Klubverantwortlichen an den ehemaligen Spieler und Coach der Haie, um ihn von einem neuerlichen Engagement zu überzeugen. Viel Überredungskunst war nicht notwendig. Krupp sagte nach kurzer Bedenkzeit zu, setzte sich ins Auto, fuhr nach Köln, leitete am nächsten Vormittag eine kurze Trainingseinheit und wendete am Abend mit dem Team die 18. Pleite in Folge mit einem fulminanten 5:0-Sieg gegen die Grizzlys Wolfsburg ab.
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In den restlichen vier Spielen der Hauptrunde 2019/20 behielten die Haie dreimal die Oberhand. Am Ende belegten sie den 11. Platz. Für die Pre-Playoffs hat das nicht gereicht, aber wegen der Coronavirus-Pandemie wurde die Endrunde ohnehin komplett abgesagt.
Mit seiner spontanen Entscheidung zur Rückkehr machte der gebürtige Kölner deutlich, wie sehr ihm die Haie am Herzen liegen. Der Groll wegen des vorzeitigen Endes seiner ersten Amtszeit war verflogen. Nach einem schwachen Start in die Saison 2014/15 musste der frühere Bundestrainer gehen, obwohl er das Team in den beiden Spielzeiten zuvor bis in die Finalserie der Playoffs um die deutsche Meisterschaft geführt hatte. Dort unterlagen die Haie jedoch den Eisbären Berlin und dem ERC Ingolstadt.
Nach dem Aus bei seinem Heimatverein zog es Krupp erst zu den Eisbären und später zum HC Sparta Prag. Beim viermaligen tschechischen Meister bekam er Ende Januar 2020 den Stuhl vor die Tür, obwohl die Mannschaft zu diesem Zeitpunkt die dritte Position in der Extraliga innehatte. Wenige Tage später ereilte ihn der Ruf aus Köln.
Die Zielvereinbarung zwischen Krupp und den Haien ist klar. Der langjährige NHL-Profi und zweifache Stanley Cup Champion soll die Kölner mittelfristig in die Spitzengruppe der PENNY DEL führen und auf dem Weg dorthin verstärkt auf Spieler aus dem eigenen Talentschuppen setzen.

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Der Ansatz, den jungen Spielern aus den Nachwuchsabteilungen eine Chance zu geben, trägt bereits erste Früchte. "Die U23-Abteilung ist ein großer Bestandteil unseres Kaders diese Saison. Zwei bis drei dieser Jungs sind mittlerweile echte Leistungsträger und bei allen ist die Lernkurve sehr steil", ließ Krupp in einem auf der Webseite der Haie veröffentlichten Interview verlauten.
Spielerisch haben sich die Haie im Vergleich zur Vorsaison verbessert, es fehlt jedoch nach wie vor die Konstanz. Gute und schwächere Auftritte wechselten sich beinahe regelmäßig ab. Nach Abschluss der ersten Hauptrundenphase befinden sich die Kölner in der Gruppe Nord mit 33 Punkten aus 24 Spielen an fünfter Stelle. Der Rückstand auf Rang vier, der zur Teilnahme an den Playoffs berechtigt, beträgt vier Zähler.
"Wir wussten, dass wir mit unserer Mannschaft Lehrgeld zahlen müssen. Wir schnuppern am vierten Platz, aber es gibt sicherlich Gründe, warum wir es bisher nicht geschafft haben, diese Position zu erkämpfen", sagte der Coach zum Abschneiden nach den Duellen gegen die sechs Mitstreiter aus der Nord-Staffel.
Luft nach oben sieht der 55-Jährige vor allem in der Abwehrarbeit. 82 Gegentreffer kassierten die Haie in der Doppelrunde. Nur die Krefeld Pinguine (103) waren noch schlechter. "Seit Saisonbeginn ist unser Gegentorschnitt zu hoch, um konstant zu punkten", bemängelte Krupp. Um dem Problem wirksam zu begegnen, müsse sich die gesamte Mannschaft mehr ins Zeug legen. "Defensive wird von allen sechs Spielern auf dem Eis gespielt und wir werden weiterhin an unserem Zweikampfverhalten, den defensiven Konzepten und Zuordnungen arbeiten. In dem Bereich müssen wir unser Potential erreichen, um unsere Mannschaftsziele zu erfüllen."
Ab Sonntag stehen für die Haie die 14 Vergleiche mit den Vertretern der Gruppe Süd auf dem Spielplan. Erster Gegner sind die Schwenninger Wild Wings. Um doch noch eines der vier Tickets für die Playoffs zu ergattern, dürfen sich die Kölner in den verbleibenden Begegnungen nicht mehr allzu viele Fehltritte erlauben. Aber die Konkurrenz aus dem Süden hat es in sich, wie Krupp hervorhob. Mit den Adler Mannheim und dem ERC Red Bull München treffe man auf zwei Titelanwärter. Der ERC Ingolstadt stehe mit beiden Teams auf Augenhöhe. "Ich sehe in der Nord-Gruppe nur Berlin und mit Abstrichen Wolfsburg und Bremerhaven auf diesem Level. Wir werden recht schnell herausfinden, wie wir gegen die Süd-Gruppe bestehen", meinte der Coach.
Die Zeit bis zum Ende der Hauptrunde mit drei bis vier Spielen pro Woche werde für sein Team zu einer echten Bewährungsprobe. Gerade die jungen Spieler müssten jetzt jederzeit bereit sein, um in die Bresche zu springen, wenn sie gebraucht werden. "Für sie endet dann der Welpenschutz", so Krupp auf der vereinseigenen Webseite.