reichel draft call

NHL.com/de blickt in seiner Serie "International Ice" jeden Samstag auf das Geschehen außerhalb Nordamerikas und berichtet über Themen oder Spieler aus den europäischen Ligen.

In dieser Ausgabe: Die mit drei deutschen Spielern besetzte Top-Reihe der Eisbären Berlin sorgt für Furore.
Für die Eisbären Berlin läuft es in dieser Saison prächtig. Mit 49 Punkten aus 23 Spielen stehen sie in der Gruppe Nord der Deutschen Eishockey Liga (PENNY DEL) souverän an erster Stelle. Großen Anteil am erfolgreichen Abschneiden hat die Top-Reihe mit Marcel Noebels, Leo Pföderl und Lukas Reichel. Ein Spiel vor Abschluss der Gruppenphase im Norden hat das bärenstarke Trio zusammengerechnet 79 Scorerpunkte auf dem Konto.
In der PENNY DEL ist es eine Seltenheit, dass in einem Team drei Deutsche die Top-Formation im Angriff bilden. In der Regel dominieren in den vorderen Sturmreihen ausländische Profis. Doch Eisbären-Trainer Serge Aubin ist bekannt dafür, dass bei ihm keine klangvollen Namen zählen, sondern einzig und allein die Leistung. Und die stimmt bei allen dreien. "In erster Linie sind sie sehr intelligente Spieler. Ihr Erfolgsrezept ist, dass sie ihr Spiel von unserer defensiven Zone bis zur gegnerischen blauen Linie ziemlich einfach halten", lobte der Coach seine drei Offensivkräfte gegenüber der Zeitung "Der Tagesspiegel". In der Angriffszone bekämen sie die benötigte Freiheit, um die gegnerischen Abwehrreihen in Verlegenheit zu bringen.
Die Harmonie auf dem Spielfeld rührt nach Ansicht von Noebels daher, dass sich die drei deutschen Nationalspieler auf und abseits des Eises gut verstehen. "Wir haben viel Spaß zusammen. Auf dem Eis können wir gemeinsam unsere offensiven Qualitäten zeigen. Wir sind aber auch alle drei sehr gut befreundet und unternehmen fast täglich etwas zusammen", sagte er ebenfalls dem Tagesspiegel.

Feharvary

Noebels führt mit 33 Punkten (fünf Tore, 28 Assists) aus 22 Begegnungen die Scorerwertung und das Vorlagen-Ranking bei den Eisbären und in der Liga an. Mit einer 14 Spiele währenden Punkteserie in der laufenden Saison stellte der 28 Jahre alte Flügelstürmer einen neuen Klubrekord bei den Berlinern auf.
Der Angreifer steht seit 2014/15 bei den Eisbären unter Vertrag. Zuvor hatte er vergeblich versucht, den Sprung in die NHL zu schaffen. Beim NHL Draft 2011 war er in der vierten Runde von den Philadelphia Flyers an Gesamtposition 118 ausgewählt worden. Noebels erhielt einen Einstiegsvertrag über drei Jahre, kam allerdings während dieser Zeit nur in den Minor Leagues zum Einsatz. Nach Ablauf des Kontrakts brach er die Zelte in Nordamerika ab und kehrte nach Deutschland zurück.
Im Spätsommer 2018 öffnete sich für den gebürtigen Rheinländer noch einmal kurz eine Tür in Richtung NHL. Nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Südkorea waren mehrere deutsche Nationalspieler ins Visier der NHL-Scouts geraten. Noebels erhielt eine Einladung zum Trainingscamp der Boston Bruins. Ein Engagement sprang jedoch nicht heraus.
Lukas Reichel hofft, dass es ihm in Nordamerika besser ergeht als seinem Teamkollegen. Der 18 Jahre alte geborene Nürnberger will sich mit einer guten Saison und nach Möglichkeit dem Gewinn des Meistertitels mit den Eisbären für eine NHL-Karriere in Stellung bringen. Die Chicago Blackhawks hatten den hochtalentierten Stürmer beim NHL Draft 2020 in der ersten Runde an Gesamtposition 17 gezogen. Die Unterzeichnung eines Entry-Level-Vertrages steht noch aus. Sollte der junge Center weiterhin mit so hervorragenden Darbietungen aufwarten wie im bisherigen Saisonverlauf, dürfte das aber nur eine Frage der Zeit sein.

Lukas Reichel 4

"Ich will mich zeigen und irgendwann meinen Traum von der NHL verwirklichen", hatte Reichel vor Saisonbeginn auf der Webseite der Eisbären angekündigt. Seinen Worten ließ er Taten folgen. In seiner zweiten DEL-Spielzeit hat es der Franke nach 23 Partien auf 19 Punkte (sechs Tore, 13 Assists) gebracht. In seiner Premierensaison standen für ihn 24 Zähler (zwölf Tore, zwölf Assists) aus 42 Spielen zu Buche. Diese Marke wird er dieses Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit klar übertreffen.
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Während Noebels und Reichel mehr als Vorlagengeber in Erscheinung getreten sind, hat Leo Pföderl seinen guten Ruf als Torjäger gepflegt. Mit 16 Treffern aus 23 Spielen steht der Stürmer an erster Position der Torschützenliste in der obersten deutschen Spielklasse. Pföderl betätigte sich in dieser Saison ebenfalls als Serientäter. In neun Partien hintereinander versenkte der 27-jährige Tölzer den Puck im Netz und stellte damit einen neuen Rekord bei den Eisbären auf.
Wenn die Berliner in den verbleibenden Wochen weiter so auftrumpfen, sind sie neben den Adler Mannheim ein ganz heißer Kandidat für den Meistertitel. Das Trio Noebels, Reichel und Pföderl wird alles daransetzen, dass die Eisbären den Henkelpokal in die Höhe stemmen.