Reilly und O'Reilly sichern Maple Leafs 4:3-Sieg

Langsam scheinen sich die Toronto Maple Leafs an den immensen Druck zu gewöhnen, der in diesen Stanley Cup Playoffs erneut auf dem Traditions-Franchise lastet. Nachdem das erste Kräftemessen mit den Tampa Bay Lightning am Dienstag auf eigenem Eis in der Scotiabank Arena noch mit 3:7 verloren ging, antworteten die Kanadier zwei Tage später mit einem 7:2-Sieg und glichen die Best-of-7-Serie der ersten Runde zum 1:1 aus. Am Samstag folgte die nächste Stufe des Lernprozesses.

Nachdem die Maple Leafs bis eine Minute vor dem Ende des dritten Spielabschnitts in der Amalie Arena mit 2:3 zurücklagen, gelang den nervenstarken Gästen durch Ryan O'Reilly zunächst der Ausgleich, bevor Toronto die Begegnung in der fälligen Verlängerung nach 19:15 Minuten durch einen Treffer von Morgen Rielly, nach Vorarbeit von O'Reilly noch gewinnen konnte. "Es ist ein gutes Gefühl, zu gewinnen. Letztlich ist das wirklich das Erste, woran man in dieser Situation denkt", freute sich Rielly. "So spät in der Verlängerung ist es besonders erleichternd, das Spiel zu beenden."
O'Reilly wurde durch seine Punkte in den entscheidenden Momenten des Spiels zum erst zweiten Spieler in der Postseason-Geschichte der Maple Leafs, der sowohl in der letzten Minute der regulären Spielzeit am Ausgleich, sowie in der Verlängerung am Siegtreffer direkt beteiligt war. Der andere ist Teamkapitän Auston Matthews, dem dieses Kunststück im Jahre 2020 in der Qualifikationsrunde zu den Stanley Cup Playoffs gelang.

TOR@TBL, Sp3: O'Reilly trifft spät im 3.

Die Maple Leafs zeigten im jüngsten Auftritt, die in den Playoffs so wichtigen Eigenschaften wie Nervenstärke, Konzentrationsfähigkeit und Entschlossenheit, die das Traditionsfranchise in diesem Frühjahr noch sehr weit bringen könnten. Der Schock der Auftaktpleite scheint überwunden. Die Maple Leafs haben sich den Heimvorteil in der Serie durch den Auswärtssieg in Florida zurückgeholt und gehen mit einer 2:1-Führung in das Spiel 4 am Montag (7:30 p.m. ET; NHL.tv; Di. 1:30 Uhr MESZ).
"Ich denke, wir haben es geschafft, weil wir nicht aufgegeben haben", lautete das Fazit von Torontos Trainer Sheldon Keefe. "Wir haben uns gebogen, aber wir sind nicht gebrochen. Ich denke nicht, dass wir schlecht gespielt haben. Die Lightning haben unglaublich gut gespielt, aber wir sind immer drangeblieben. Und weil wir gut verteidigt und hart gekämpft haben, haben sie diesmal nicht viele Torchancen gegen uns bekommen."
Seit dem letztmaligen Gewinn des Stanley Cups im Jahre 1967 wartet die riesige Fangemeinde in Toronto vergeblich auf einen weiteren Erfolg. In den vergangenen Jahren schien der Klub auf einem guten Weg, doch folgten auf erfolgreiche Hauptrunden immer wieder bittere Rückschläge, sobald die K.o.-Phase gestartet war. Im Vorjahr unterlagen die Maple Leafs den Lightning zum Auftakt der Stanley Cup Playoffs mit 3:4. Seit 2004 konnte Toronto keine Erstrundenserie mehr gewinnen und das teilweise trotz klarer Führungen.
Daran fühlten sich etliche Anhänger erinnert, als der Auftakt in die Serie auch in diesem Jahr wieder gründlich missriet. Die Maple Leafs wirkten zum Serienauftakt nervös, kämpften mit ihrer Form und es gelang ihnen nicht, aus ihrem Heimvorteil im ersten Aufeinandertreffen mit dem Stanley Cup Champion der Jahre 2020 und 2021 Nutzen zu ziehen. Inzwischen haben sich die Vorzeichen geändert. Nach dem deutlichen Sieg in Spiel 2, überzeugte Toronto insbesondere auch auswärts in Spiel 3. Ein Duell, das auf Augenhöhe stattfand, ging am Ende an die Gäste, die durch diese Bestätigung ihrer Möglichkeiten, das Nervenflattern vorerst überwunden haben dürften. Das hoffen zumindest die Aktiven der Organisation.

TOR@TBL, Sp3: Riellys Handgelenkschuss zum OT-Sieg

"Das war wahrscheinlich das beste Spiel, das wir in dieser Serie gemacht haben", lautete das enttäuschte Résumé von Lightning-Kapitän Steven Stamkos. "Ich denke, dass wir es verdient gehabt hätten dieses Spiel zu gewinnen. Aber man muss ihnen zugutehalten, dass sie nicht aufgegeben haben. Das ist es, was wirklich gute Eishockeyteams tun, sie finden Wege, um zu gewinnen." In den Ohren der siegreichen Gäste, müssen diese anerkennenden Worte des Veteranen runtergegangen sein wie Öl.
Zu den Lichtblicken Torontos zählten am Samstag neben O'Reilly, der einen Treffer und zwei Assists zum Erfolg beisteuerte, Noel Acciari und Auston Matthews, die als Torschützen in Erscheinung traten, und Mitch Marner, dem zwei Torvorlagen gelangen.
Marner ist damit der fünfte Spieler in der Geschichte der Maple Leafs, der eine K.o.-Phase mit mindestens drei Spielen in Serie mit Auftritten mit mehr als einem Zähler beginnen konnte. Zuvor schafften dies lediglich Darryl Sittler (sieben Spiele, 1976), Steve Thomas (drei Spiele, 1986), Miroslav Frycer (drei Spiele, 1983) und Paul Henderson (drei Spiele, 1971).
Der Start in die Begegnung verlief aus Sicht der Maple Leafs, bei denen Torhüter Ilya Samsonov 36 Rettungstaten ablieferte, günstig. Acciari brachte Toronto nach 3:24 Minuten des ersten Drittels mit einem Handgelenkschuss aus dem hohen Slot nach einem Pass von Matthews mit 1:0 in Führung. Anthony Cirelli glich nach 4:50 Minuten zum 1:1 aus. Matthews antwortete für die Maple Leafs mit dem 2:1 in der 12. Minute, als er einen Schuss von Marner abfälschte. Noch vor dem Ende des ersten Drittels gelang den Hausherren der Ausgleich. Brandon Hagel erzielte nach 19:28 Minuten das 2:2, als sein Schuss den Schläger von Maple-Leafs-Verteidiger TJ Brodie traf und durch die Beine von Samsonov in die Maschen des Tores abgefälscht wurde.
Darren Raddysh brachte Tampa Bay in der 34. Minute mit 3:2 in Führung und machte die Bemühungen der Maple Leafs bis zu diesem Zeitpunkt damit zunichte. Es drohte eine erneute Niederlage gegen den Stanley Cup Finalisten des Vorjahres, der sich im Juni 2022 nur den Colorado Avalanche mit 2:4 geschlagen geben musste. Die Lightning hatten in der 36. Minute sogar die Möglichkeit mit 4:2 in Führung zu gehen, als Brayden Point die Scheibe einnetzte. Doch der Schiedsrichter hatte das Spiel kurz zuvor abgepfiffen, noch bevor der Puck ins Tor ging. "Aus dem zweiten Drittel mit nur einem Treffer Rückstand herauszukommen, war eine große Sache", befand O'Reilly. "Es war beileibe nicht unsere beste Leistung, aber wir haben durchgehalten. Jeder hat gearbeitet, und das ist ein großer Erfolg für uns."
Reich belohnt wurde das Durchhaltevermögen am Ende spät, als zunächst im dritten Spielabschnitt das Comeback der Maple Leafs gelang und die erfolgreiche Aufholjagd in der Verlängerung noch gekrönt wurde. Toronto hat dadurch die Herausforderung bei einem der absoluten Top-Teams der vergangenen Jahre zu bestehen erfolgreich bewältigt. In dieser Form muss ihnen vor keiner Aufgabe in den kommenden Tagen und Wochen bange sein.
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