Vier Nationen, ein Ziel: Mit Deutschland, den USA, Lettland und Kanada dürfen noch vier Mannschaften von der Goldmedaille träumen. Am morgigen Samstag finden die beiden Halbfinalspiele der IIHF Weltmeisterschaft 2023 statt.
WM-Halbfinale: Deutschland will die Revanche, Lettland das Märchen
DEB-Auswahl setzt auf Geschlossenheit, USA legen den Fokus auf sich, Kanada sieht sich als Außenseiter, Letten zeigen Kampfgeist

USA - Deutschland
Deutschland steckt im Eishockey-Fieber. Die deutsche Nationalmannschaft hat mit dem 3:1 gegen die Schweiz das Halbfinal-Ticket gelöst. Die erste WM-Medaille seit genau 70 Jahren (Silber 1953) ist nun zum Greifen nahe. "Dann wird es mal wieder Zeit", sagte der Bundestrainer Harold Kreis laut der Deutschen Presse-Agentur und gibt sich optimistisch: "Ich bin unglaublich gut aufgehoben bei dieser Mannschaft. Ich mache mir keine Sorgen. Die Leistung stimmt, der Einsatz stimmt. Es gibt nichts, worüber ich mich aufregen muss."
Die DEB-Auswahl hat nun fünf Spiele in Folge gewonnen. "Ich bin einfach stolz. Was die Mannschaft geleistet hat, war überragend", sagte Nico Sturm von den San Jose Sharks, der mit seinem Treffer gegen die Schweiz einen großen Anteil am Sieg hatte. Die weiteren Tore gelangen JJ Peterka von den Buffalo Sabres und Maximilian Kastner vom EHC Red Bull München.
Deutschland hatte bereits bei den Weltmeisterschaften 2021 und 2010 das Halbfinale erreicht, schrammte allerdings als Vierter knapp an einer Medaille vorbei. "Toll für uns, nochmal die Chance zu haben. Wir gehen mit viel Elan in die Partie und wollen diesmal was holen", sagte Kapitän Moritz Müller. Peterka, der mit fünf Toren und fünf Assists der Top-Scorer der deutschen Mannschaft ist und in der WM-Wertung Rang 3 belegt, ergänzte: "Wir müssen so spielen wie gegen die Schweiz. Mit Herzblut, mit Leidenschaft und jeder einfach für jeden."
Der frühere NHL-Profi Dominik Kahun, der nun beim SC Bern spielt, führt den bisherigen Erfolg auf die mannschaftliche Geschlossenheit zurück: "Bei uns ist niemand besser als der andere. Wir spielen hart und machen es anderen Teams schwer. Jeder, auch wenn er ein Stürmer ist, verteidigt solide, blockt Schüsse und tut alles für die Mannschaft."
Gleichwohl dürfte sich das Halbfinale schwierig gestalten. Die USA sind bislang das überragende Team der Weltmeisterschaft und haben als einzige Nation alle Spiele gewonnen. In der Vorrunde siegten die US-Amerikaner auch gegen Deutschland, taten sich dabei allerdings schwer. Die DEB-Auswahl lag zur zweiten Drittelpause sogar mit 2:1 in Führung, unterlag dann allerdings mit 2:3. Nun kommt es zur Revanche. "Wir haben gegen die USA ein hartes Spiel abgeliefert. Sie skaten viel, also müssen wir uns darauf vorbereiten", gibt Kahun die Richtung vor.
Die USA setzten sich im Viertelfinale souverän mit 3:0 gegen Tschechien durch. Deren Kapitän Nick Bonino von den Pittsburgh Penguins sagte danach: "Wir sind so zuversichtlich, wie wir nur sein können. Aber wir wissen, wie schwer es ist, bei einem Turnier zu gewinnen. Und wie schwer es ist, überhaupt eine Medaille zu holen." Ihm sei bewusst, dass jede Mannschaft im Halbfinale eine große Hürde sei. "Also werden wir uns auf unser Spiel konzentrieren. Wir werden natürlich unseren Gegner studieren, aber der Fokus liegt seit acht Spielen auf uns. Das wird auch so bleiben", hob er hervor.
Torwart Casey DeSmith, der in der NHL ebenfalls für die Penguins spielt und bei der WM auf eine starke Save-Quote von 94,96 Prozent kommt, äußerte sich ähnlich: "Alle halten zusammen. Wir spielen unsere Stärken aus. Das hat sich bisher ausgezahlt."
Mit Deutschland und den USA treffen die beiden effizientesten Mannschaft der WM aufeinander. Deutschland verwertete bislang 13,82 Prozent aller Schüsse, die USA kommen auf eine Schusseffizienz von 12,25 Prozent.
Kanada - Lettland
Lettland schreibt sein Eishockey-Märchen weiter. Durch das 3:1 gegen Schweden stehen sie im Halbfinale und haben erstmals überhaupt einen Platz in den Top 4 sicher. Zuvor war Platz 7 das beste WM-Abschneiden.
"Es war unglaublich", sagte der lettische Nationalspieler Karlis Cukste nach dem Triumph gegen die Schweden. "Vor diesen Fans und mit dieser Gruppe ist das etwas ganz Besonderes. Das ist eines der besten Dinge, die ich je erlebt habe. Es gab ein paar Momente im Laufe des Spiels, in denen sie uns unter Druck gesetzt haben, aber wir haben uns zurückgekämpft. Wir haben eine Truppe, die immer kämpft. Wir wissen nie, was passieren wird, aber wir können unsere Anstrengungen kontrollieren und geben immer 100 Prozent."
Das Halbfinale dürfte allerdings eine noch größere Herausforderung darstellen. Und zwar nicht nur, weil Lettland mit Kanada einen ganz harten Brocken vor der Brust hat. Erstmals in diesem Turnier müssen sie auch auf die volle Unterstützung ihrer Fans verzichten. Fanden die bisherigen Spiele der Letten alle daheim in Riga statt, werden die Halbfinalspiele genauso wie das Finale und das Spiel um Platz 3 im finnischen Tampere ausgetragen.
Kanada setzte sich im Viertelfinale mit 4:1 gegen Finnland durch und feierte dadurch eine gelungene Revanche für die Finalniederlage vom Vorjahr. Ob sie diesmal die Goldmedaille holen? Tyler Toffoli von den Calgary Flames, der der Kapitän der kanadischen Nationalmannschaft ist, war 2015 in Prag Bestandteil einer namhaften Truppe, die damals die WM gewann. Diesmal allerdings sind die Vorzeichen andere, weil der Großteil der kanadischen Top-Stars nicht bei der WM dabei ist.
"Ich denke, dass wir in diesem Jahr eine Art Außenseiterrolle eingenommen haben", meinte Toffoli, der daraus allerdings auch einen Vorteil zieht. "Alle hier sind motiviert, alle spielen. Wir funktionieren mit vier Linien, jeder bekommt eine Chance und bringt viel Energie mit. Es ist eine andere Erfahrung als beim letzten Mal. Das Team, das wir in Prag hatten, war unglaublich. Aber jetzt ist es ein jüngeres Team. Das macht viel Spaß, und wir werden jeden Tag besser."
\[Komplette Berichterstattung von NHL.com/de von der IIHF Weltmeisterschaft 2023 aus Riga, und Tampere\]















