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Es war ein besonderer Moment, als die Spieler der Tampa Bay Lightning nach 65 Tagen in der Bubble nach Hause zurückkehrten. Bereits am Flughafen präsentierten Steven Stamkos & Co. ihren Familien stolz die Stanley Cup-Trophäe. "Diese 65 Tage in der Blase waren für alle Beteiligten wirklich eine große Herausforderung", sagte Lightning-Besitzer Jeff Vinik und freute sich über den sportlichen Triumph: "Es war einfach unglaublich, in den Gesichtern unserer Jungs dieses Glück, diese Freude und diese Erleichterung sehen zu können."

Während die Spieler diesen Erfolg genießen dürfen, bleibt den Verantwortlichen keine Zeit zum Durchschnaufen. Die Planungen der kommenden Saison laufen bereits jetzt auf Hochtouren. Der NHL Draft 2020 am 6. und 7. Oktober steht unmittelbar bevor. Dann wäre da auch noch die Free-Agency-Periode, welche am 9. Oktober eröffnet. Kurzum: Bereits in der kommenden Woche könnte der Grundstein für eine erfolgreiche Saison 2020/21 gelegt werden.
Eine Sportler-Weisheit besagt: Die Meisterschaft zu gewinnen, ist schwer. Die Meisterschaft zu verteidigen, noch deutlich schwieriger! Lediglich drei NHL-Teams gelang dieses Kunststück in den vergangenen 30 Jahren. Die Pittsburgh Penguins gewannen 1991 und 1992 die Meisterschaft. Den Detroit Red Wings schafften dies 1997 und 1998. In den Jahren 2016 und 2017 triumphierten erneut die Penguins zwei Mal in Folge. Ein Erfolg, den auch General Manager Julien BriseBois und Trainer Jon Cooper mit Tampa Bay anstreben dürften. Dazu gilt es, die richtigen Personalentscheidungen zu treffen.

TBL@DAL, Sp6: Gary Bettman gibt den Lightning den Cup

Immerhin: Der Abgang vieler Schlüsselspieler ist eher nicht zu befürchten. Die Offensivspieler Nikita Kucherov, Steven Stamkos, Yanni Gourde, Tyler Johnson und Alex Killorn, die Verteidiger Victor Hedman und Ryan McDonagh sowie Torwart Andrei Vasilevskiy stehen allesamt noch langfristig unter Vertrag. Auch die Top-Offensivspieler Brayden Point, der in den Playoffs oftmals den Unterschied ausgemacht hat, und Ondrej Palat sind noch zwei Jahre an die Franchise aus Florida gebunden. Die beiden spät verpflichteten Center Blake Coleman und Barclay Goodrow stehen noch eine Saison bei den Lightning in der Pflicht, bevor sie dann im Jahre 2021 zum Unrestricted Free Agent werden.
Während die Offensive eine starke Tiefe aufweist, dürfte sich der Fokus der Verantwortlichen vor allem auf die Verteidigung richten. Erik Cernak und Mikhail Sergachev werden zum Restricted Free Agent. Das bedeutet: Andere Teams können diesen Spielern ein Angebot unterbreiten. Tampa Bay hat daraufhin die Möglichkeit, mit der Offerte gleichzuziehen und den Vertrag zu verlängern. Tun sie das nicht, müssten sie den Spieler ziehen lassen.

DAL@TBL, Sp5: Sergachev zieht direkt zur Führung ab

Kevin Shattenkirk, der in Spiel 4 des Stanley Cup Finale gegen die Dallas Stars das entscheidende Tor in der Verlängerung erzielte, ist nun sogar ein Unrestricted Free Agent. Heißt also: Der Verteidiger kann mit allen NHL-Teams verhandeln und sich dann für eine Mannschaft seiner Wahl entscheiden. Ebenso verhält es sich mit Zach Bogosian.
Und welche Abgänge drohen im Angriff? Anthony Cirelli, der in der regulären Saison auf beachtliche 44 Scorer-Punkte kam, wird zum Restricted Free Agent. Patrick Maroon, der bereits vergangene Saison mit den St. Louis Blues den Stanley Cup gewann, ist sogar ein Unrestricted Free Agent. Deren Zukunft ist somit ungewiss.
Zumal die finanziellen Mittel von Tampa Bay begrenzt sind: Der Cap Space, also das derzeit verfügbare Geld für Gehaltszahlungen, beträgt laut sportrac.com lediglich 5.333.334 Dollar. Nur vier Teams haben noch weniger Geld zur Verfügung. Teure Neuverpflichtungen wären also nur möglich, wenn Tampa Bay hochbezahlte Spieler vom Gehaltszettel bekommt.
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Und welche Chancen bietet der Draft? Bei der Talente-Ziehung muss sich Tampa Bay auf Spieler aus der "zweiten Reihe" konzentrieren. Die Lightning sind in der 1. Runde nicht am Zuge und dürfen erstmals an Position 62 einen Spieler auswählen, also als letztes Team in der 2. Runde.
Mag der Handlungsspielraum beim Draft wie auch in der Free-Agency-Periode begrenzt sein, so dürfte Tampa Bay trotzdem auch 2020/21 zu den personell stärksten Teams der NHL zählen. Center Point sowie die Flügelspieler Kucherov und Palat könnten weiterhin eine der effektivsten Reihen der Liga bilden. Ein vollständig genesener Stamkos könnte ebenfalls den Unterschied ausmachen. Die Verteidigung rund um Hedman mag noch etwas schmal besetzt sein, verfügt aber dennoch über viel Qualität. Torwart Vasilevskiy ist zudem einer der besten Schlussmänner der Liga.

TBL@DAL, Sp3: Kucherov macht etwas Zählbares

Auch die Special Teams hinterließen in den Playoffs einen guten Eindruck. Mit einer Erfolgsquote von 22,7 Prozent waren sie in Überzahl das fünfteffektivste Team. Auch die Penalty-Kill-Quote von 86,1 Prozent ist beachtlich.
Die größte Herausforderung hinsichtlich der nächsten Saison könnte eher im Mentalen liegen. Anders ausgedrückt: Sind Spieler und Trainer dazu in der Lage, bei aller Euphorie, schon bald wieder den sprichwörtlichen Schalter umzulegen und sich auf die neue Saison zu fokussieren? Je nachdem, wann die NHL-Spielzeit 2020/21 starten wird, könnte die Saisonvorbereitung bereits in einigen Wochen beginnen.
Viel Zeit, um den Erfolg zu verarbeiten und richtig einzuordnen, bleibt also nicht.