Bruins mit sieben Toren zu Sieg in Spiel 3

Die Boston Bruins haben Spiel 3 bei den St. Louis Blues in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Enterprise Center mit 7:2 gewonnen und gehen in der Stanley-Cup-Final-Serie mit 2:1 in Führung. Der Schlüssel zum Erfolg war vor allem das tödliche Powerplay der Gäste (4/4, 100 Prozent).

St. Louis' Trainer Craig Berube konnte nicht auf den gesperrten Center Oskar Sundqvist zurückgreifen und beorderte dafür Zach Sanford als linken Flügelspieler in die vierte Reihe neben Ivan Barbashev und Alex Steen. Im Tor startete Jordan Binnington (14 Saves, 73,7 Prozent Fangquote).
Bostons Coach Bruce Cassidy brach mit dem verletzten Matt Grzelcyk ein Verteidiger weg. Dafür rückte John Moore in die Aufstellung und bildete zusammen mit Connor Clifton das dritte Abwehr-Pärchen. Zwischen den Pfosten stand Goalie Tuukka Rask (27 Saves, 93,1 Prozent Fangquote).
1. Drittel: Boston dreht auf
Von Anfang an war viel Gift in der Partie. Die Blues teilten sofort harte und teils grenzwertige Checks aus, um die Bruins zu frustrieren. Dabei waren sie unglaublich präsent in der neutralen Zone und fingen wie ein Staubsauger sämtliche Angriffsbemühungen der Gäste ab. Boston leistete sich in dieser Phase viele Fehlpässe im Aufbau. Man fühlte sich fast in einer Fortsetzung von Spiel 2.
Nach etwa sieben, acht Minuten aber wurden die Bruins griffiger und besser. Dabei fanden sie ihre Tapes auch in der Offensivzone und kamen zu ersten guten Möglichkeiten. Binnington aber war auf dem Posten und bewahrte in der gegnerischen Drangphase einen kühlen Kopf.

BOS@STL,Sp3: Krug mit 3. Bruins-Tor im Powerplay

Im Powerplay fand Boston dann eine Lücke: Torey Krug zog von der blauen Linie ab, Patrice Bergeron hielt seinen Schläger in die Schussbahn und stellte auf 1:0 (11.). Für den Nummer-1-Center der Bruins war es der erste Scorerpunkt im Stanley-Cup-Finale 2019.
Der Treffer wirkte als Brustlöser für die Bruins, die nun sehenswerte Kombinationen starteten: Wie am Schnürchen gezogen wanderte der Puck über Danton Heinen und Marcus Johansson zu Charlie Coyle, der diese klasse Kombination mit dem 2:0 belohnte (18.). Und damit nicht genug: 9,2 Sekunden vor dem Ende tunnelte Sean Kuraly Binnington - 3:0 (20.). Berube machte von der "Coaches Challenge" Gebrauch und ließ den Treffer per Videobeweis überprüfen. Da aber ein Blues-Spieler die Scheibe in die Zone brachte, war es kein Abseits - der Treffer zählte.
2. Drittel: Tödliches Powerplay der Bruins
Boston startete dadurch mit einem Powerplay wegen Spielverzögerung ins Mitteldrittel. Das gefährlichste Überzahlspiel in den Playoffs 2019 sollte 41 Sekunden nach Wiederbeginn wieder klicken: David Pastrnak wurde vor dem linken Pfosten freigespielt und vollendete mit der Rückhand zum 4:0 (21.).

BOS@STL, Sp3: Pastrnak mit Geduld im Powerplay

Von St. Louis kam offensiv lange nichts. Erst in der 26. Minute brannte es vor Rask erstmals lichterloh: Pat Maroon setzte den Puck ans rechte Lattenkreuz. Ein Weckruf für die Hausherren, die wenig später mit ein bisschen Glück verkürzen sollten: Sanford servierte die Scheibe von hinter dem Tor in den Slot, wo Barbashev das Spielgerät über beide Schlittschuhe von Charlie McAvoy zum 1:4 ins Tor lenkte (32.). Somit wahrten die Bruins ihre perfekte Powerplay-Quote (3/3).
Der Wendepunkt? Nein! Gerade einmal 67 Sekunden später antworteten die Bruins erneut im Powerplay: Krug, der zuvor schon zwei Assists gegeben hatte, traf zum 5:1 (33.). Für Binnington war der Arbeitstag damit beendet. Ihn ersetzte Backup Jake Allen (drei Saves, 75 Prozent Fangquote).
Die letzte Chance im zweiten Drittel gehörte dann noch einmal den Blues: Ryan O'Reilly traf die Eisenstange (60.).
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3. Drittel: Im Schongang aber noch nicht satt
Im Schlussabschnitt schaltete Boston in den Schongang, was St. Louis zum einen mehr Zeit in der Offensivzone und zum anderen die eine oder andere Powerplay-Gelegenheit ermöglichte. Eine solche nutzte Colton Parayko, der via Blueliner auf 2:5 verkürzte (46.).
In der Folge verwalteten die Bruins ihren Vorsprung kräftesparend weiter: Der erste Torschuss im dritten Durchgang gelang erst nach 13 Minuten. Die Blues gingen also schon frühzeitig voll ins Risiko und zogen Allen in der 55. Minute erstmals für einen zusätzlichen Stürmer. Noel Acciari stellte so per Empty-Netter auf 6:2 (59.). Doch einen hatte Boston noch: 23 Sekunden später erzielte Johansson in Überzahl den 7:2-Endstand (59.). Das Bruins-Powerplay war an diesem Abend somit perfekt.
Krug (1-3-4) und Bergeron (1-2-3) haben den Bruins-Rekord für die meisten Punkte in einem Stanley Cup Finalspiel eingestellt. Krug ist außerdem der dritte Verteidiger nach Bobby Orr und Brad Park, der diese Marke erreichte.
"Wir waren heute besser im Detail. Das war der Unterschied, der manchmal nur bei Zentimetern liegt", sagte Bostons Stürmer Brad Marchand. Coyle fand weitere Gründe für den Erfolg: "Wir haben heute einfach versucht, so viel wie möglich aufs Tor zu bringen. Schießen, abstauben, abfälschen, die Sicht nehmen, es dem Torwart schwer machen, die Pucks zu sehen. Diese Mentalität hat sich für uns bezahlt gemacht." Pastrnak glaubt hingegen, dass die Bruins ihr Leistungsmaximum noch nicht erreicht haben: "Wir haben noch immer nicht unser bestes Hockey gezeigt. Aber wir sind in der Serie mit 2:1 vorne. Wir werden das Spiel analysieren und noch besser werden. Darauf liegt unser Fokus. Wir haben viele gute Spieler. Wir können noch mehr."

BOS@STL, Sp3: Coyle zieht vom Kreis ab

Bei den Blues herrschte hingegen Enttäuschung. "Natürlich wollen wir solche Spiele wie heute nicht erleben. Aber es ist passiert. Wir müssen es Beiseite schieben, damit umgehen, den Spieß jetzt umdrehen und im nächsten Spiel stärker zurückkommen", fordert Stürmer David Perron, der seinen Torwart in Schutz nahm: "Es war überhaupt nicht seine Schuld. Wir sind nur aus einem Grund überhaupt hier: wegen ihm." Binnington übte derweil Selbstkritik: "Ich muss uns mehr Möglichkeiten geben, das Spiel zu gewinnen. Aber es ist, was es ist: Nur eine Niederlage. Wir müssen uns sammeln, uns auf das nächste Spiel vorbereiten, fokussiert bleiben und zu unserem Spiel zurückkommen." Arbeiten muss St. Louis vor allem am Unterzahlspiel, wie auch Berube bestätigte: "Unser Penalty Killing muss besser werden. Die Powerplaytore haben ihnen viel Momentum gegeben."
Spiel 4 ist in ist in der Nacht von Montag auf Dienstag (2 Uhr MESZ, live bei nhl.tv, DAZN, Sport1+, Teleclub Sport) erneut im Enterprise Center.