Tampa Bay Lightning v Seattle Kraken

Philipp Grubauer betritt gut gelaunt und lachend die Umkleidekabine der Gäste in der Amerant Bank Arena nach dem Spiel gegen die Florida Panthers am Dienstag, obwohl er als Backup von der Bank aus hat mit ansehen müssen, dass sein Team, die Seattle Kraken, gerade eben mit 4:5 nach Shootout den Gastgebern unterlegen waren. Die Panthers, zwar nach ihrer Doppel-Meisterschaft in den vergangenen Jahren der Titelverteidiger, haben im Gegensatz zu den Kraken kaum noch Chancen auf die Stanley Cup Playoffs.

Gerade gegen Teams, die in der Tabelle unten angesiedelt sind schmerzt Seattle jeder Punktverlust, um den Rückstand auf die Wildcard-Plätze in der Western Conference noch aufzuholen. Allerdings lagen die Kraken gegen die Panthers bereits mit 1:4 zurück, ehe sie in etwas mehr als zwei Minuten, beginnend sechs Minuten vor Schluss, zum 4:4 ausglichen und sich wenigstens einen Punkt retteten.

Wie sieht Grubauer die Chancen seiner Kraken, die Lücke von drei Punkte zum zweiten Wildcardplatz noch zu schließen? „Schwierig“, bekennt er eindeutig. „Klar, wir sind noch dabei im Mix, aber wir haben noch schwere Gegner vor der Brust. Da heißt es Gas geben und Punkte zu sammeln, dann haben wir eventuell noch eine Chance.“

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Der deutsche Torhüter ist relativ klar in seiner Analyse, vielleicht weil er viele Spiele von der Bank aus in Ruhe beobachten kann. „Wir hatten nach der Olympia-Pause etwas Probleme mit unserem Spiel“, verdeutlicht er. „Wir waren nicht sehr kompakt gestanden, die Bindung zwischen Abwehr und Sturm hat etwas gefehlt. Wir haben unser System nicht so wirklich gespielt, obwohl wir vor der Pause gut drauf waren. Jetzt spielen wir noch gegen viele starke Gegner, da wird es extrem schwer zu punkten. Da müssen wir geiles Eishockey spielen und hinten richtig dicht machen.“

In der Tat haben die Kraken nach ihrer Auswärtspartie bei den Tampa Bay Lightning am Donnerstag von elf verbleibenden Spielen noch sieben gegen Teams, die sehr wahrscheinlich in den Playoffs vertreten sein werden. 

„Wir schauen eigentlich nicht so sehr auf die Gegner, sondern sollten uns auf uns konzentrieren“, erläutert Grubauer. „Wir geben einfach zu viele Chancen her. Nach der (Olympia-)Pause liegen wir auf dem letzten Platz beim Zulassen von Chancen, auch qualitativ hochwertige Chancen. Das war vor der Pause besser. Das macht es jetzt schwer. Wir spielen noch gegen offensiv sehr starke Teams, da ist das natürlich tödlich viele qualitativ hochwertige Chancen herzugeben. Denn diese Teams werden einige davon einfach verwerten. Und wenn man gegen diese Teams einem Rückstand hinterherläuft, dann kann man nicht davon ausgehen viele Punkte zu holen.“

Für Grubauer läuft es in dieser Saison wieder besser. Nach 28 Einsätzen (24 Starts) steht er bei einer Bilanz von 13-9-3 mit einem Gegentorschnitt von 2,63 und einer Fangquote von 90,9 Prozent. In den vergangenen Spielzeiten hatte der Rosenheimer wenig zum Lachen, so dass sogar viele vermuteten Seattle könnte den Vertrag im Sommer auflösen. Inwiefern zerrt das an den Nerven?

„Mein Selbstvertrauen war nie in Frage gestellt“, wiegelt er ab und bekannt zugleich deutlich: „Der Unterschied für mich ist, dass wir einen besseren Trainer mit einem System haben und ich häufiger spielen darf, als nur alle paar Wochen einmal, wenn es Back-to-Back geht. Und das ist der große Unterschied für mich.“

In Deutschland war deswegen die Hoffnung groß, Grubauer könnte neben Leon Draisaitl bei Olympia im Februar den Unterschied machen. Die klare Niederlage im Viertelfinale gegen die Slowakei löste Enttäuschung aus, doch nicht bei Grubauer, der eine klare Meinung dazu hat.

„Ich war vorher noch nie bei Olympia dabei“, erzählt er. „Von daher war es ein ereignisreiches Erlebnis im olympischen Dorf zu sein und andere Sportler von anderen Sportarten zu erleben. Auch die Vielfalt der Nationen zu sehen, die vertreten waren, war beeindruckend. Eine gute Erfahrung, die sportlich leider nicht so verlaufen ist, wie es sich andere das vorgestellt haben. Aber wir haben gekämpft bis zum Schluss und können uns diesbezüglich nichts vorwerfen.“

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Was kann Deutschland im Hinblick auf eine mögliche Teilnahme beim World Cup of Hockey 2028 und Olympia 2030 besser machen? „Ich könnte jetzt viel dazu erzählen, aber das Fass mache ich nicht auf“, schränkt er gleich ein, ehe er wohlüberlegt sagt: „Wenn man will, dann kann man viel Salz in der Suppe finden, aber im Endeffekt, wenn man dann nüchtern auf so ein Turnier schaut: Es ist mitten in der Saison, man hat keine Vorbereitungsspiele und kaum Zeit bis es losgeht. Und mit der Aussage auch einiger Spieler, beste deutsche Mannschaft, war der Anspruch plötzlich sehr hoch. Aber die anderen Nationen hatten ebenfalls ihre Besten dabei.“

Seine Analyse des Turniers ist eindeutig. „Im Endeffekt haben wir nicht ganz so in die Spiele gefunden, wie wir uns das vorgenommen haben. Dann wird es schwer bei so einem kurzen Turnier und dem engen Spielplan. Die Slowaken hatten den Vorteil, dass sie keine Ausscheidungsrunde einen Tag vor dem Viertelfinale spielen mussten und ein paar Tage frei hatten. Das war natürlich bei der vielen Eiszeit, die die Top-Jungs hatten, ein wichtiger Aspekt. Das hat der Produktion geschadet, aber man will trotzdem seine besten Spieler auf dem Eis haben.“

Große Freude verspürt Grubauer, dass die NHL im kommenden Herbst mit Spielen der regulären Saison nach Deutschland zurückkehrt, auch wenn es für ihn mit Seattle für zwei Spiele im Rahmen der Global Series Finnland nach Helsinki geht. Die NHL kündigte allerdings an mindestens in den nächsten drei Jahren Spiele in Deutschland auszutragen. Auch einmal mit Grubauer im Tor?

Seattle Kraken v Tampa Bay Lightning

„Es wäre super, aber es ist grundsätzlich schön, dass jetzt andere Teams nach Deutschland und Europa kommen und Deutschland jetzt auch wieder Saisonspiele und nicht nur Vorbereitungsspiele bekommt“, zeigt er sich begeistert. „Es gibt einen hohen Prozentanteil an europäischen Spielern in der Liga. Und sehr viele europäische Fans, die nicht die Möglichkeit haben nach Nordamerika zu kommen, um Spiele live anzuschauen. Schön, wenn dann die Liga zu ihnen kommt und wir freuen uns schon auf unsere Spiele in Helsinki. Aber wenn ich mal in Deutschland und vielleicht sogar Rosenheim spielen dürfte wäre unglaublich. Aber ich bin jetzt erst mal mit Helsinki auch zufrieden.“

Und so verlässt er auch lachend die Kabine.

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